Während mittlerweile fast alle Gattungen der Fotografie sich großer Beliebt- und Bekanntheit erfreuen, zeigt dieser Katalogband doch einige verblüffende Raritäten auf. Entgegen der Gewohnheit und der geläufigen Meinung, man könne nur fotografisch abbilden, was auch physisch vorhanden ist, wird man sich nach dem Studium des Buches mehr oder weniger davon überzeugen geben müssen, daß es hier bestimmte grenzüberschreitende Bereiche gibt, in denen sich Fotografen schon seit geraumer Zeit versuchen. Die Geschichte wird aufgerollt von Seiten der Fluidalfotografie und der odischen Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts, denen eine "nicht zu unterschätzende Wirkung" auf die Abstraktionen Kandinskys nachgesagt wird, über die Gedankenfotografie, welche Mondrian und Doesburg angeregt haben soll und bewegt sich über etliche weitere Stationen bis in die Neuzeit mit ihrem transzendentalen Konstruktivismus, den Anna und Bernhard Blume durch ihre "fliegenden Gegenstände" formulieren oder aber den stark beeindruckenden Fotoserien Duane Michals, die geisterhafte Handlungen visualisieren. Ein interessanter Vergleich mit heutigen Methoden der Visualisierung ebenso "unsichtbarer" Gegebenheiten bietet sich an mit dem von Andreas Dress und Gottfired Jäger herausgegebenen Buch "Visualisierung in Mathematik, Technik und Kunst. Grundlagen und Anwendungen", das soeben erschienen ist. In elf Aufsätzen werden völlig unterschiedliche Bereiche beleuchtet, die sich - allgemein oder speziell - mit der Visualisierung auseinanderzusetzen haben: die Mathematik in zwei Bereichen, das Industriedesign, die Medizin, das Bauwesen, die (Computer-)Kunst und speziell die Fotografie, die Medien mit ihren "Repräsentationssprachen" sowie der Studium und Lehre (Computervisualistik).