Nach dem letzten Album "Try This" sind die Gitarren wieder etwas gewichen, somit ist "I'm Not Dead" ein - ohne es abwertend zu meinen - richtiges Popalbum geworden. Wer deshalb gleich erwartet, in den Texten ginge es um nichts, der täuscht sich. Egal welche Musikrichtung P!nk gerade ihr Eigen nennt - die Qualität der Texte leidet nie darunter.
1. STUPID GIRLS
Der Opener ist wohl der eingängigste, poppigste (und kürzeste) Song auf dem Album, in dem P!nk nicht ganz so ernst mit allen "Stupid Girls" abrechnet.
2. WHO KNEW
Der Song auf dem Album, der mich am meisten an die "Try This"-Zeit erinnert. Es wird ein bisschen rockiger und seriöser. Dass der Text weiterhin anspruchsvoll bleibt, muss man nicht mehr extra betonen.
3. LONG WAY TO HAPPY
Irgendwie balladen-ähnlich, doch eigentlich ein ziemlich mittelschneller Track mit Elementen des Elektropops in den Strophen und in den Refrains wird's rockiger.
4. NOBODY KNOWS
Eine atemberaubende, soulige Ballade, in der P!nk's Stimmvolumen perfekt zur Geltung kommt. Gefühlvoll gesungen, schöner Höhepunkt ... ein rundum gelungener Song!
5. DEAR MR. PRESIDENT (FT. INDIGO GIRLS)
Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, bekam ich eine Gänsehaut. P!nk, sowie die Indigo Girls beschränken sich in diesem country-mäßigem Song wirklich auf das Notwendigste - P!nk singt in trauriger, doch selbstbewusster Stimmung, während sie von Gitarren begleitet wird. Doch hier muss ich besonders den Text noch loben, welcher nicht besser hätte sein können. Selbst Präsident Bush sollte im Stande sein, diese Message zu verstehen:
"How can you say 'no child is left behind'? We're not dumb, and we're not blind. [...] What kind of father would take this own daughter's rights away and what kind of father might hate his own daughter if she were gay? [...] How do you sleep while the rest of us cry, how do you dream when a mother has no chance to say goodbye? How do you walk with your head held high? Can you even look me in the eyes?"
6. I'M NOT DEAD
Der Titeltrack beginnt mit einem mitreißenden, wieder rockigerem Intro. Ein etwas schnellerer Song, mit einer Melodie, die lange im Gedächtnis hängen bleibt. Eines der Albumhighlights!
7. 'CUZ I CAN
Mit den Highlights geht's auch gleich weiter. "'Cuz I Can" ist der mit Abstand selbstbewussteste Track des Albums, der eher elektronisch gehalten wurde. Ein richtiger Ohrwurm, der meiner Meinung nach, hohes Singlepotential hat! ("I know I'm rare, you stop and stare. You think I care - I don't. [...] I could fit your whole house in my swimming pool.")
8. LEAVE ME ALONE (I'M LONELY)
Der poppigste Song des Albums, mit fröhlich-quietschiger Melodie, die alles etwas ironisch wirken lässt. Doch selbst hier verliert Text nicht wesentlich an Tiefe.
9. U + UR HAND
"It's pretty much about masturbation", erklärte P!nk bei den Dreharbeiten zum Video von "U + Ur Hand". Es war ja lange Zeit unklar, ob dieser schnelle rockige Track oder "Stupid Girls" die erste Single wird. Der Song wirkt für mich wie eine Mischung aus dem Besten von "'Cuz I Can" und "Leave Me Alone (I'm Lonely)", ist jedoch trotzdem ein sehr eigenständiger Song. ("Keep your drink, just gimme the money - it's just u + ur hand tonight.")
10. RUNAWAY
Nach den 3 schnellsten, ausgefallensten Tracks des Album wird das Tempo wieder eine Spur niedriger. "Runaway" ist ein mit Rockelementen ausgeschmückter Ohrwurm, mit leicht kindlich-pubertärem Text.
11. THE ONE THAT GOT AWAY
Wie in „Dear Mr. President" wird P!nk auch in „The One That Got Away" nur von Gitarren begleitet. Der ganze Song klingt nach einer gemütlichen Jam-Session in einem amerikanischen Countryclub.
12. I GOT MONEY NOW
Ein sehr ruhiger, relaxter Song, für den ich aber nicht immer in Stimmung bin. Dennoch ein schöner Track, der auf dem Album nicht fehlen sollte.
13. CONVERSATIONS WITH MY 13 YEAR OLD SELF
P!nk redet mit ihrem 13-jährigen ich, versucht dieses zu beruhigen und ihm einzureden, dass doch alles gut werden würde. Die Orchester-Begleitung macht die Ballade zu einem mitreißenden, kraft- und gefühlvollen Ende des Albums.
14. FINGERS (BONUS TRACK)
So ganz zu Ende ist das Album ja an dieser Stelle noch nicht. Zwei Songs sind noch übrig - dazu gehört eben auch „Fingers", der elektronischste P!nk-Song nach „Feel Good Time". „Fingers" macht gute Laune, bringt einen in Partystimmung und der Text ist auch recht „amüsant" („When it's late at night and you're fast asleep, I let my fingers do the walking. I press record, I become a fiend, and no one else is watching. I let my fingers do the walking.").
15. I HAVE SEEN THE RAIN (FT. JAMES T. MOORE)
Der wirklich letzte Song des Albums, ist nicht in der Tracklist auf dem Cover auffindbar. P!nk erklärt zu Beginn ca. 50 Sekunden lang, dass „I Have Seen The Rain" von ihrem Vater James T. Moore vor 40 Jahren im Vietnamkrieg geschrieben wurde. Seit ihrer Kindheit singt sie diesen Song zusammen mit ihm - und endlich haben sie ihn auch aufgenommen: P!nk, ihr Vater und eine Akustikgitarre. Sehr gefühlvoller, ruhiger, trauriger aber wunderschöner Song.
ZUR DVD:
Der Inhalt der DVD ist jetzt nicht gerade so umfangreich, aber dennoch recht unterhaltsam! Man kann sich einerseits alle Songs in Surround anhören, sowie zwischen ein paar Videos wählen. So befindet sich auf der DVD zum Beispiel das Making-of zum „Stupid Girls"-Video (ich glaube ca. 18 Minuten lang), das Video selbst, Outtakes vom Video, ein Interview zum gesamten Album, sowie ein Trailer zur „P!nk - Live in Europe"-DVD.
FAZIT:
Das Album hätte zwar ruhig rockiger werden können, doch trotzdem liegt das, was P!nk mit „I'm Not Dead" liefert weit über dem Durchschnitt der sonst derzeit aktuellen Popalben. Ihre Texte sind fantastisch ehrlich, die Songs haben eingängige Melodien und P!nk's kraftvoller Stimme kommt auch gut rüber. Schade ist nur, dass der UK-Bonus-Track „Centerfold" auf der deutschen CD fehlt, welcher ähnlich wie „Fingers" elektronischer ist und, da ich die UK-Version des Albums besitze, zu meinen Lieblingstracks des Albums zählt.
Ich kann „I'm Not Dead" wirklich nur wärmstens an alle Fans von P!nk und Pop, sowie auch an alle Pop-gelegentlich-gut-Finder empfehlen!