Dieses Buch wird nicht mehr verlegt, schade. Es ist als Fortsetzung des hervorragenden Buches "Jene Tage in Rom" zu verstehen, es wäre nur konsequent, auch dieses bemerkenswerte Buch noch einmal aufzulegen. Die Protagonistin des Romans wird von Rom aus in das Frauengefängnis der Gestapo nach Innsbruck gebracht. Dort soll sie verhört werden. Was das heißt, sieht sie an ihren Zellengenossinnen, die oft schwer misshandelt von diesen Verhören zurück kommen. Auch gibt es nächtliche Erschiessungskommandos im Hof des Gefängnisses und regelmässig verschwinden einige Häftlinge und neue kommen nach. Doch wer weiss genaues? Das morgendliche gemeinsame Waschen aller Frauen lässt kein intensives Gespräch zu über die Fragen, die alle bewegen: Wie steht es an der Front? Wie weit sind die Amerikaner vorgerückt? Wann befreien sie die Häftlinge? Wohin führt der Weg von hier?
Wochenlang schmachtet die Erzählerin in ihrer Zelle, oft ist ihr die Spinne über der Toilette die liebste Gesellschaft. Vielleicht will man sie gar nicht verhören...
Eines morgens wird auch sie aus ihrer Zelle geholt. Der Gestapo-Mann Lohmann indes erweist sich als recht human und hat wenig Interesse, daran, die Gefangene auszuhorchen, er weiß ohnehin fast alles. Die Gefangene fasst Hoffnung. Vielleicht gibt es einen Weg aus diesem Gefängnis... Doch eines Tages ist auch Lohmann verschwunden, kurz nachdem er Kontakt mit dem Vater der Gefangenen aufgenommen hat. Erst dann wird ihr klar: Das Frauengefängnis ist kein Netz, aus dem es ein Entrinnen gibt, es ist ein Strudel, der alle, die in der Nähe schwimmen unbarmherzig mit sich reisst.
Das Buch ist unerhört spannend und konsequent geschrieben. Gerade diese scheinbare Einfachheit steht für mich symbolisch für das Gefangensein der Erzählerin. Wer einmal Häftling war, der bleibt es, ein wenig zumindest, sein Leben lang. Entsprechend schnell liest sich das Buch auch. "Jene Tage in Rom", "Im Netz", "Das Höllentor", "Morgen Grauen": Das ist das Herzstück von Anja Lundholms Werk und ist ein unverzichtbares hochaktuelles und faszinierendes Stück deutsche Literatur und gehört wieder aufgelegt.