Pablo Tussets zweiter Roman, "Im Namen des Schweins" beginnt mit einem Prolog, in dem, fast klischeehaft, ein etwas nörgelnder, knapp vor der Pensionierung stehender Hauptkommissar aushilfsweise zum Tatort eines abstrusen Mordfalls in ein kleines Bergdorf gerufen wird. Das nach allen Regeln des Schweinezerlegens in viele Stücke zerlegte Opfer ist eine eher schwergewichtige Frau, die noch dazu eine Botschaft zwischen den Zähnen hat.
Die Botschaft lautet: "Im Namen des Schweins"
Nach kurzen Ermittlungen im Ort wird der Fall an jüngere Kollegen weitergegeben. Hauptkommissar Pujol verfolgt die Sache nur nebenbei.
In abwechselnden Kapiteln beschäftigt sich Pablo Tusset einerseits mit dem Hauptkommissar und seiner Frau, der bevorstehenden Pensionierung und der aufkeimenden Leidenschaft des Kommissars für Popmusik, sowie der Zeichnung der liebevollen Beziehung des Kommissars mit seiner Frau. Der Mordfall bleibt für Pujol nur Nebenbeschäftigung.
Andererseits beschäftigt sich Tusset mit dem 43-jährigen spanischen Kommissar T, der ein Jahr Pause von der Mordkommission in den USA machen will. Er trifft die junge Suzanna, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. T ist quasi Ziehkind, oder Wahlsohn des Kommissars Pujol. Seine Annährungsversuche verlaufen positiv und zwischen T und Suzanna entwickelt sich eine schüchterne Romanze.
Und so plätschert der Roman, nur am Rande mit einem Krimi verwandt, vermeintlich locker leicht dahin...
Wären da nicht gewisse Momente, die, beim ersten Mal kommt es sehr unerwartet, so unerwartet, dass man die Szene noch einmal liest, um sich zu vergewissern, dass man richtig gelesen hat, die die sonnige Stimmung trüben.
Dann überschlagen sich die Ereignisse kurz und man wird als Leser dazu animiert, möglicherweise voreilige Schlüsse zu ziehen.
Etwas später geht T, frühzeitig aus den USA zurück in der Mordkommission Barcelona, nun als P getarnt, in das kleine Dorf, um dort als verdeckter Ermittler einen Schriftsteller zu mimen. Skurrile, fast überzeichnete Figuren dominieren hier das Geschehen. Eine Dorfgemeinschaft, in die niemand wirklich Zutritt hat, der nicht hier geboren wäre.
Ts, bzw. Ps Jekyll & Hyde Syndrom hat auch hier seine, nun häufiger werdenden Auftritte.
Am Ende ist vieles anders als erwartet, mancher verlässt überraschender- bzw. auch unnötigerweise als Unfallopfer die Bühne, manche tauchen wieder unverhofft auf, während Pablo Tusset am Ende mit einem schelmischen Augenzwinkern bewusst alle Erklärungen offen lässt und somit dem Leser keine Lösungen anbietet.
Eigentlich eine konsequente Folge des permanent am Krimi entlangschrammenden Nichtkrimis, denn "Im Namen des Schweins" ist vieles, aber sicherlich kein Krimi.
Einzige negative Anmerkung: Pablo Tusset passieren leider einige Unstimmigkeiten im zeitlichen Ablauf, die dann doch etwas irritieren.
Ein paar Beispiele:
Während der Frühling in New York Ausgangspunkt des Romans war, schneit und friert es im winterlichen spanischen Bergdorf (da müsste es eigentlich Juni/Juli/August sein), um dann eben am 11.09.2001 anzukommen. Zu diesem Zeitpunkt bezahlt man in "Im Namen des Schweins" in Pablo Tussets Barcelona auch schon längst in Euro (der ja erst im Januar 2002 eingeführt wurde)...
Fazit: "Im Namen des Schweins" ist vergnügliche, ansprechende Lektüre mit makabren Krimielementen. Wer sich einen spannenden Krimi erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Wer keinen Krimi erwartet und sich nicht an den kleinen Unstimmigkeiten stößt, wird dieses Buch vermutlich genießen.