Um es gleich zu sagen: Ich fand diesen Film ganz schlecht. Vielleicht sollte ich milder gestimmt sein, denn viel hat er ja nun wirklich nicht gekostet, aber das war einfach ein ärgerliches Filmerlebnis.
Heiner Lauterbach hat versucht, der Rolle seines Paters Verimund noch ein bisschen Glaubwürdigkeit zu verleihen, aber es war dann doch vergebene Liebesmüh, denn gegen das schlechte Drehbuch kam auch er nicht mehr an. Da lebt der gute Pater in seinem Benediktinerkloster, aber macht im Grunde, was er will. Regeln scheint dieses Kloster nicht zu besitzen - jedenfalls keine, die mit einer streng religiösen Klostergemeinschaft irgendeine Ähnlichkeit besäßen. Der Pater kommt und geht, wann er will, und hat allem Anschein nach - zumindest, was die Überzeugung seiner Mitbrüder angeht - eine Affäre mit einer Journalistin, die noch dazu für längere Zeit im Kloster wohnt, und keinen schert's. Ab und zu guckt er gebührend moralisch gepeinigt in die Ferne, immer dann, wenn er die Journalistin gerade mal wieder geküsst hat, aber Konsequenzen gibt es keine. Zumindest nicht von den Klosteroberen - wie realistisch.
Abgesehen davon: Der Film hat endlos viele Seitengeschichten, aber jede einzelne ist nicht ausgearbeitet, wird nur angezeichnet und verkommt so fast zum Comic. Auch die Charaktere sind überzeichnet und bleiben lachhaft eindimensional. Der Pater küsst nicht nur die Journalistin, sondern hat auch noch eine Tochter mit der jetzigen Frau seines Bruders. Außerdem hat er vor seiner Klosterzeit länger in Asien gelebt. Darum spricht er denn auch fließend die Sprache des asiatischen Landes, in dem der Konzern seiner Mutter undurchsichtige Geschäfte betreibt (habe leider vergessen, welches Land das war), und beherrscht selbstverständlich asiatische Kampfsportarten perfekt. Letzteres ungeheuer praktisch fürs Drehbuch, denn zum Ende hin muss der Pater dann auch noch ein paar böse Asiaten im Kung-Fu-Stil verkloppen. Zu erwähnen wären weiterhin der verirrte Jugendliche, der durch die Großherzigkeit des Paters eine Heimat im Kloster findet, der trickreiche Klosterbruder, der für die Finanzen zuständig ist und krumme Dinger macht, der schwule Onkel mit seinem Lover, die mental äußerst instabile Ehefrau des eifersüchtigen Bruders, die herzlose und kalte Mutter, die Tochter des Paters, die eine Pianistinnenkarriere anstrebt und auch der Sohn der Journalistin, der als Schäfer ein einfaches, aber selbstverständlich vollkommen glückliches Leben auf der grünen Wiese führt - Schafe und Hund inbegriffen. Dass dann auch noch der Schäfer und die Pianistentochter ein Paar werden - es war fast vorauszusehen.
Ein Wort zu Jennifer Nitsch, die die Journalistin Susan Singer spielt: Ich mochte diese Schauspielerin immer recht gerne, aber die Leistung, die sie in diesem Film abliefert, ist ebenfalls ganz schlecht. Das mag auch an dem Drehbuch gelegen haben, aber ich vermute, dass da schon einiges in ihrem Leben im Argen lag, denn nur wenige Monate danach stürzte sie aus ihrem Münchner Apartment in den Tod, mit Alkohol und Drogen im Blut.
Alles in allem ein hanebüchenes Drehbuch, dem nicht einmal routinierte und sonst an und für sich gute Schauspieler wie Lauterbach und Co. gewachsen waren. Diesen Film kann man sich getrost schenken, denn mit
Die Dornenvögel - Box (3 DVDs) hat er wahrlich nicht die geringste Ähnlichkeit, auch wenn man das vom Thema her vielleicht meinen könnte.