Timothy Garton Ash ist wohl einer der bekanntesten ausländischen Forscher, der sich mit Deutschland beschäftigt. Im vorliegenden Band schaut er noch einmal auf die Geschichte der Ostpolitik zurück. Dabei sind sowohl das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR Thema, als auch die Beziehungen zu den östlichen Nachbarn. Auch widmet er sich detailliert der Entwicklung des Diskurses über „Nation" und „Deutschland", der die westdeutsche Politik über Jahrzehnte geprägt hat. Das Buch geht grundsätzlich chronologisch vor, beginnend mit den Vereinbarungen von Jalta, welche die Teilung Deutschlands festlegte. Der nächste Schwerpunkt ist dann bereits die Ostpolitik der Regierungen Brandt, die eine damals völlig neue Strategie darstellte. In diesem Zusammenhang widmet der Autor auch dem komplizierten Verhältnis der SPD zur Nation ein eigenes Kapitel. Die Partei schwankte stets zwischen dem Wunsch nach Wiedervereinigung, der Hoffnung auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" in der DDR und einer generellen Ablehnung, in der DDR etwas anderes zu sehen als einfach einen weiteren europäischen Staat. Einen weiteren Traditionskonflikt gab es vor allem in der CDU, einer der heute schon anachronistisch anmutet: Die Frage nach den ehemals deutschen Gebieten, die nach 1945 auf dem Staatsgebiet Polens lagen. Lange Zeit - angetrieben nicht zuletzt durch die CSU und ihre enge Verbindung zu den sogenannten Vertriebenenverbänden - galt eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze als so etwas wie Verrat. Und selbst 1989 hatte Helmut Kohl große Probleme, zunächst sich selbst und dann seine Partei davon zu überzeugen. Das Buch ist insgesamt eines der besten zu diesem Thema: Detailliert recherchiert, gut strukturiert und nicht zuletzt auch hervorragend lesbar. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)