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4,3 von 5 Sternen
Im Mittelalter: Handbuch für Zeitreisende
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51 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Mai 2014
Grundsätzlich ist das Werk empfehlenswert zu lesen. Man sollte aber Untenstehende Dinge im Hinterkopf behalten, wenn man es liest und nicht alles für bare Münze nehmen, auch wenn der Autor, ein Historiker, für seine historische Genauigkeit wirbt. Es mögen einige falsche Details auf falsche Übersetzung beruhen. Andere wiederum sind einfach Meinungen (Thesen), denen sich der Autor anschließt, ohne die Alternativen zu erwähnen (was dem Erzählstil geschuldet ist und daher OK). Dafür ist es ein einfach zu lesendes Werk das über weite Strecken wirklich unterhaltsam ist.

Der Autor beschreibt einen interessanten Zeitabschnitt (1300-1400) und nimmt immer wieder Bezug auf schriftliche Quellen, oft auch auf den Schriftsteller und Dichter Geoffrey Chaucer - ich halte das nicht für die geeignetste Quelle um das Leben der "normalen" Menschen beschrieben zu bekommen. Es ist ein bisschen so, als würde man Otfried Preußler's "Krabat" dafür hernehmen, um das 18. Jahrhundert zu beschreiben.

Immer wieder störte ich mich an den vielen kleinen (auch historischen) Fehlern, wie zum Beispiel als von "schwarzen Jaspis" die Rede ist.
Jaspis ist zu der Zeit als roter oder grüner Stein bekannt. Selbst heute gibt es nur "Bilderjaspis", der manchmal kleine schwarze Stücke enthält. Der kommt allerdings von Kontinenten, die man damals noch nicht betreten konnte (Australien, Amerika). Falls Basanit gemeint ist: Basanit mag in Wikipedia als Jaspis bezeichnet sein, aber Jaspis ist per Definition aus Quarz. Basanit ist definitiv schwarz - aber auch definitiv kein Quarz sondern ein gemischtes, Quarzloses, Vulkangestein.

Es wird auch behauptet, die Bauern hätten "Eingemachtes" gegessen. Ich nehme an das ist ein Übersetzungsfehler und gemeint ist "Eingelegtes" - den Eingemachtes wurde erst um 1700 erfunden.
Immer wieder ist von einem Deutschland die Rede. Nun, zwischen 1200 und 1300 gab es keinen Staat dieses Namens. Das "Deutschland" das wir kennen, wurde 1871 gegründet - keiner der heute Deutschsprachigen Staaten existierte damals, außer der Schweiz. Österreich war bestenfalls sowas wie ein "Bundesland" des Heiligen Römischen Reiches (damals noch ohne den Zusatz "Deutscher Nation" - der stammt aus dem späten 15. Jahrhundert). Ich zweifle auch daran, ob die Mehrheit der Sprecher dieses damaligen Reiches Deutscher Muttersprache zuzuordnen sind. Die Schweiz, die wurde 1291 gegründet, das wäre als einziges "Land Deutscher Sprache" zu erwähnen möglich. "Deutschland" ist schlicht die falsche Bezeichnung.

Die Pest war laut dem Autor 1348 in England. Auch wenn sich alle anderen Quellen darin einig sein, dass England erst 1349 Opfer der Pest wurde. Die Pest musste 1348 in Frankreich überwintern. Sie kam in dem Jahr nicht bis nach England.

Der Autor erklärt, dass Nachnamen zu jener Zeit für Bürger und Bauern noch nicht üblich waren. Trotzdem nennt er selbst den ärmlichsten Verbrecher im Gerichtsprotokoll mit Vor- und Zunamen. Entweder habe ich hier etwas falsch verstanden, oder die zitierten Akten stammen aus einer anderen, späteren, Zeit.

Ja, stimmt, das sind alles Kleinigkeiten - und doch, wenn einer von sich behauptet Historiker zu sein, sollte sowas nicht passieren.

Was die Kindle-Ausgabe betrifft: In diesem Buch befinden sich viele Listen, die teilweise zur Unkenntlichkeit verstümmelt angezeigt werden. Die Margen bei Kindle Büchern sind derartig hoch, dass so eine Stümperei eigentlich nicht zu tolerieren ist. Hier muss Amazon nachbessern. Wer die Listen sinnvoll lesen möchte, soll sich lieber die gedruckte Ausgabe kaufen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juni 2014
Spannend wie ein historischer Roman, dicht erzählt und unfassbar detailreich. Ian Mortimer führt den Leser wie ein guter Reiseführer durch das England des 14. Jahrhunderts. Er zeigt ihm die schmutzigen Gassen Londons und die Paläste der Reichen (die nach heutigen Maßstäben gar nicht so luxuriös waren), er erklärt längst ausgestorbene Handwerke und Dienstleistungen, aber vor allem erlaubt er einen Blick in die Köpfe der Menschen. Die Geisteswelt des hohen Mittelalters war so fundamental anders als unsere heutigen Vorstellungen, dass man sich nur fürchten kann. Verglichen mit dem religiösen Eifer von damals sind moderne Taliban moderate Glaubenssucher. Es gab keinerlei wissenschaftliche Herangehensweise, um Wissen auf den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Frech behauptet war voll bewiesen, vor allem wenn die Behauptung aus dem Mund eines Klerikers oder Höherrangigen stammte. Es gab zwar Ansätze einer unabhängigen Rechtsprechung, aber Kirche und Aristokratie waren nahezu sakrosankt. Die Menschen waren im Umgang miteinander unsäglich brutal und dabei fanatisch religiös. Gewalt galt als ein völlig legitimes Mittel zur Durchsetzung von Interessen.
Nein, nach einer solchen Gesellschaft sehnen sich heute nur noch fundamentalistische Islamisten zurück und es ist geradezu überlebenswichtig, vor einer geplanten Zeitreise Ian Mortimers Handbuch genau zu studieren. Wie komme ich an Nahrung? Wo kann ich logieren? Von wem halte ich mich fern? Wer hilft mir in der Not? Wie treffe ich eigentlich Verabredungen ohne eine Uhr? Wie steht es um Hygiene, ärztliche Versorgung und Sicherheit?
Doch es gibt auch jede Menge Mythen, die Mortimer korrigiert. Dass der mittelalterliche Mensch nicht lesen kann, dass er in seinem Leben keine 10 Kilometer von seinem Geburtsort wegkommt, dass die Bauern immer wehrlose Sklaven ihrer Herren waren: All das stimmt so nicht und gerade das 14. Jahrhundert ist diesbezüglich ganz besonders interessant, denn es ist das Zeitalter der Pest. Die Pest wird tiefgreifendere gesellschaftliche Umwälzungen bringen als die 800 Jahre davor zusammengenommen. Es wird die Struktur der Städte verändern, die Landwirtschaft, die Machtverhältnisse und die Technologie.

Mortimer betrachtet in den einzelnen Kapiteln den mittelalterlichen Menschen mit unseren Augen, und seine Botschaft geht weit über ein simples "Handbuch für Reenactment-Enthusiasten" hinaus. Er will, dass der Leser die mittelalterliche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit versteht und erkennt, dass sie trotz (oder gerade wegen) ihrer Brutalität die Grundlage für unser heutiges Zusammenleben ist. Bei allen Unterschieden gibt es doch erstaunliche Parallelen und auch die gegenwärtige Welt kennt immer noch genug Regionen, in denen physisch und geistig noch finsteres Mittelalter herrscht.

Sehr unterhaltsam vermittelt Mortimer eine so unglaubliche Fülle an Details und Informationen, dass das Mittelalter in seiner ganzen Vielfalt und Farbigkeit vor dem Auge des Lesers neu entsteht. Die wissenschaftliche Faktenlage zum 14. Jahrhundert ist nicht sehr umfangreich, sodass der Autor auch auf Quellen späterer Zeit oder anderer Regionen zurückgreift und hier muss man auch den einzigen Kritikpunkt setzen: Es ist nicht immer klar, wie gesichert eine Erkenntnis (oder Meinung des Autors) wirklich ist und welche Quelle konkret herangezogen wurde. Das Bild, das der Autor insgesamt vermittelt, ist jedoch rund und ausgesprochen vielschichtig.
Mortimer hat keinerlei Berührungsängste. Er führt uns in das privateste Leben, er erzählt uns mittelalterliche Witze, er schaut den Quacksalbern, den Rittern und den Gelehrten über die Schulter. Kein Bereich des Alltags und der Feste bleibt unbeleuchtet, kein Aspekt unberücksichtigt. Und das Erstaunlichste: Trotz dieser sagenhaften Fülle an Informationen gibt es so gut wie keine Redundanzen! Mortimer muss ein so ungeheures Wissen haben, dass er geradezu verschwenderisch damit um sich wirft und das auch noch in einem geschliffenen Stil, der seinesgleichen sucht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 1. November 2014
'Es ist ein Versuch, mit unserer eigenen Zeit zurechtzukommen, indem wir uns anschauen, wie die menschliche Erfahrung in anderen Jahrhunderten aussah.'

Inhalt:
Ian Mortimer hat ein Buch über das Mittelalter geschrieben und möchte darin die Fragen klären, die die Menschen von heute beschäftigen, wenn sie an das 'dunkle Zeitalter' denken.

Er legt seinen Fokus auf das 14. Jahrhundert und auf England, berichtet von Themen wie Wohnsituation (z.B. Stadt versus Land), Menschen (z.B. Lage der Frauen), Wesen (z.B. Gewalt, Humor), Alltag (z.B. Sprachen, Uhrzeit, Höflichkeit), Kleidung, Reisen und Unterkünfte auf Reisen (z.B. Gasthäuser, Klöster), Speisen und Getränke (z.B. Hunger, saisonale Rhythmen), Gesundheit und Hygiene (z.B. Pest, Lepra), Recht und Gesetzgebung sowie Zeitvertreib (z.B. Lanzenstechen, Jagd).

Mein Eindruck:
'Im Mittelalter' liest sich sehr schnell und flüssig, ist fast durchgehend unterhaltsam. Ich fand die Ausführungen des Autors oft sehr spannend, und auch der Stil des Buches hat mir gut gefallen.

Bisweilen empfand ich die Sprache jedoch als zu flapsig und umgangssprachlich, die Sicht auf bestimmte Dinge etwas zu naiv (z.B. bei der Lage der Frauen), die Schilderungen manchmal etwas zu ungenau und zu wenig authentisch (dies vor allem bei der Wortwahl).

Zudem finde ich, dass dem Buch Kürzungen gut getan hätten, manche Beschreibungen empfand ich als zu langatmig, und auch die im Buch vorkommenden Listen hätte ich persönlich nicht gebraucht.

Mein Resümee:
Spannende Infos, aber da der Autor bisweilen etwas ungenau ist, stellt sich mir die Frage, ob die Infos auch wirklich alle korrekt sind.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 18. April 2014
In seinem Buch beschreibt Mortimer, wie das Leben im 14. Jahrhundert wirklich war. Nicht die große Politik ist sein Thema, keine Geschichtszahlen, sondern welche Mahlzeiten die Menschen in ihren schiefen Hütten zubereiteten, was sie anhatten, wie sie feierten.

Bei manchem von dem, was er berichtet, könnte man als Mensch der Neuzeit fast neidisch werden. Etwa wenn er schreibt, dass die Menschen damals in einer Art Dauerrausch waren, weil Alkohol die einzige Möglichkeit war, Flüssigkeit zu sich zu nehmen, ohne sich zu vergiften. Anderseits räumt er mit manchem illusorischen Bild auf, das man sich über das Mittelalter macht. Etwa, dass es noch keine Umweltverschmutzung gab. Im Gegenteil! Die Gewässer waren durch Schlachtabfälle extrem verschmutzt. Wasser pur zu trinken war undenkbar. Womit wir wieder beim Alkohol wären...

Obwohl Mortimer zwar Historiker ist, ist auch seine Darstellung natürlich Fiktion. Denn aus dem 14. Jahrhundert gibt es einfach fast keine Porträts, persönlichen Briefe oder Gegenstände. Das Leben des kleinen Mannes damals hinterließ kaum Spuren, die bis in unsere Neuzeit reichen würden. Aber man bekommt doch ein Gefühl von den Sorgen und den Freuden der Menschen damals. Und obwohl diese eigentlich ganz andere waren, als unsere heute, bekommt man doch als Leser das Gefühl, dass jede Zeit ihre eigenen Probleme hat, auf die jeweils Lösungen gefunden werden müssen und können - damals und heute. Und so fühlt man sich doch irgendwie mit den Menschen des Mittelalters verbunden.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juni 2014
Das Buch ist für einen Geschichtsinteressierten für das Mittelalter sehr hilfreich und gibt neue Blickpunkte. Man erfährt sehr viel Neues über das Leben in einem Jahrhundert des Mittelalters (keineswegs über das ganze Mittelalter, was aber nicht schlimm ist)
Aber dieses Buch ist für mich nicht das, was es heißt: ein Handbuch für Zeitreisende; dafür ist es meines Erachtens zu abstrakt . Die einzelnen Themen werden nämlich getrennt behandelt (ein wenig wie in der Schule, in der nicht eine Epoche gelehrt wird, in der man - wie aus einer Zeitung - einen aktuellen Überblick über einen Tag, einen Monat bekommt, sondern es wird ein Thema abgehandelt und dann das nächste).
Für einen Zeitreisenden wäre es aber wichtig, mit dem Alltagsleben - so wie in unseren Leben - konfrontiert zu werden; etwa wann stehe ich auf, was gibt es zum Frühstück, wem begegne ich dann, wie verdiene ich mein Leben, ... einfach den Tagesablauf....)
Trotzdem ein lesenswertes Buch, daher 4 Sterne
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am 14. November 2014
Das Buch schildert sehr anschaulich und lebendig die Lebensumstände im Mittelalter am Beispiel von England im 14. Jahrhundert. Ganz ausgezeichnet schafft der Autor den Spagat zwischen akademisch abgehoben und banal kitschig. Das Buch geht auf verschiedene Aspekte des Alltags ein. Es wird aber auch in interessante Weise das gesellschaftliche und politische Umfeld beleuchtet!
Ich habe vieles über das Mittelalter gelesen, dieses war am interessantesten!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. August 2014
Es ist ein "anderes" Buch, nette aus der Perspektive eines "Zeitreisenden" erzählt und erklärt, ich halte die Hintergründe für populärwissenschaftlich gut recherchiert.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juli 2014
Eines der interessantesten Bücher, die ich zuletzt gelesen habe. Jede Seite ein neues Aha-Erlebnis...
Das Buch lohnt sich sehr. Empfehlenswert!
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