Dunhuang, Mitte zwanzig, und sein Freund Baoding wurden dabei erwischt, wie sie gefälschte Dokumente unters Volk gebracht haben. Nun hat Dunhuang seine Haftstrafe gerade abgesessen - und steht vor dem Nichts. Einen Neuanfang findet er im ebenfalls illegalen Verkauf von DVD-Raubkopien. Er lernt Xiaorong kennen und quartiert sich bei ihr ein; solange, bis diese sich mit ihrem Freund versöhnt und ihn vor die Tür setzt.
Also beschließt er, wie Baoding ihm geheißen hat, das Mädchen Qibao aufzusuchen ... (Ich empfehle, den inneren Klappentext nicht zu lesen, da er eigentlich bereits die gesamte Handlung erzählt!)
Wenn man es genau nimmt, dann hat der Roman "Im Laufschritt durch Peking" - ebenso wie das/die Leben seines bzw. seiner Protagonisten - weder Plot noch Spannungsbogen im engeren Sinne. Das ist aber nicht störend, sondern lässt die Geschichte nur umso authentischer wirken. Gespannt schaut man dem sympathischen Protagonisten Dunhuang dabei zu, wie er vom einen Tag in den andren lebt, hier und da ein paar DVDs verkauft, sich hin und wieder mit Xiaorong trifft und auf die Suche nach Qibao begibt ...
Das mag auf den ersten Blick nicht besonders spannend klingen?! Ist es aber! In dieser Monotonie entfaltet sich erst die gesamte Stimmung und Stärke der Geschichte: diese graue Asphaltmelancholie, dieses Ziellose, Uferlose, Bodenlose. Diese Atmosphäre spiegelt sich auch in der ziemlich nüchternen Sprache des Buches wider, die stellenweise recht derb und umgangssprachlich ist, teilweise aber auch subtil witzig ...
Doch zwischen allem scheint nahezu ununterbrochen die Trauer, Einsamkeit und Desorientiertheit der Protagonisten durch und verleiht dem Buch eine seltsame urban-melancholische Aura.
Ein sehr empfehlenswertes Buch eines noch recht "jungen" (*1978) Autors!
P.S.: Häufig stößt man bei der Übersetzung zeitgenössischer chinesischer Literatur auf Vermerke, die darauf hinweisen, dass das Buch in China auf dem Index steht. Da ist es doch mal erfrischend, wenn - wie hier - im Buchdeckel Folgendes zu lesen ist: "Der Verlag dankt dem Übersetzungsfonds des Amtes für Presse und Publikationswesen der VR China für die großzügige Förderung der Übersetzung."