Gebraucht kaufen
Gebraucht - Sehr gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 3,01

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
   
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Im Land der Venus
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Im Land der Venus [Gebundene Ausgabe]

Federico Andahazi
2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Oh mein Amerika, mein gefundenes Land!" hätte Mateo Renaldo Colombo (oder im Englischen Columbus genannt) vielleicht in seinem De re anatomica geschrieben.

Es ist kein Zufall, daß Federico Andahazi Parallelen zwischen seinem Helden der Renaissance, dem Anatom Mateo Colombo, und dem Entdecker Christoph Kolumbus zieht. Es ist die geistreiche Idee seines ersten Romans Im Land der Venus, (aus dem Spanischen sehr schön von Alberto Manguel übersetzt), daß beide Colombos gleichermaßen "bedeutende und beunruhigende" Entdeckungen gemacht haben. Jedes Schulkind weiß, was Christoph Kolumbus entdeckt hat. Weniger bekannt ist vielleicht die Entdeckung seines Landsmannes und ebenfalls "Entdeckers". "Mateos Amerika liegt nicht so weit entfernt und ist unverhältnismäßig kleiner als das von Christoph Kolumbus. Es ist sogar nicht viel größer als ein Nagelkopf." Kurz gesagt, Mateo Renaldo Colombo hat die Amor Veneris, die Klitoris, entdeckt.

Andahazi macht eine Menge aus dieser Entdeckung und dem Entdecker: "Die Entdeckung von Mateo Colombos Amerika war, insgesamt betrachtet, auf der einen Seite heldenhaft und auf der anderen Seite bedauernswert. Mateo Colombo war genauso wild und grausam wie Christoph. Wie Christoph war auch er ein brutaler Kolonisator (um eine passende Metapher zu verwenden), der alle Rechte an dem entdeckten Land, dem weiblichen Körper, für sich selber beanspruchte." Frauen werden diese Beschreibung sehr wahrscheinlich mit der gleichen Ironie verfolgen wie die Ureinwohner Amerikas die "Entdeckung" eines Landes, das ihnen schon immer bekannt war.

Im Land der Venus legt eine historische Person und historische Fakten zugrunde. Andahazi gewährt einen Einblick in das Herz und die Seele seines Protagonisten. Der fiktive Colombo ist besessen von der teuren Kurtisane Mona Sofia. Obwohl Mateo sie verehrt, sieht die herzlose Sofia in ihm nur einen zahlenden Kunden. Nachdem sie ihm das Herz gebrochen und sein Bankkonto leergeräumt hat, kehrt er in seine Heimatstadt Padua zurück, von wo er nach Florenz gerufen wird, um eine junge fromme Witwe, Inés de Torremolinos, zu behandeln. Inés ist "unglaublich schön" und ihre Krankheit "sehr ungewöhnlich". Während er sie untersucht, entdeckt er "zwischen den Beinen seiner Patientin einen perfekt geformten, winzigen Penis mit einer Erektion".

Obwohl Colombos "Entdeckung", erst bei Inés und später auch bei anderen Frauen, den Roman sicherlich in einem erotischen Licht erscheinen läßt, ist doch der interessanteste Aspekt von Im Land der Venus die Reaktion der Kirche auf De re anatomica, Colombos Buch mit detaillierten Beschreibungen seines "Fundes". Die Renaissance bedeutete sicherlich eine Neugeburt für die Künste, die Wissenschaften und die Philosophie, aber sie war auch das Zeitalter der Inquisition -- und so brachten Colombos Enthüllungen, "der Schlüssel zum Herz jeder Frau [...] die anatomische Ursache der körperlichen Liebe", ihn bald in den Kerker. Begründung: Ketzerei und Satanismus. Der Prozeß, Mateos Verteidigung und die überraschenden Auswirkungen sollen den Leser herausfordern und machen Im Land der Venus zu mehr als einer rein erotischen Darstellung: Im Land der Venus ist auf faszinierende Weise philosophisch, ein Buch, das ganz sicher mehr als eine lebhafte Diskussion hervorruft. --Alix Wilber

Kurzbeschreibung

Vielleicht angeregt durch die Namensverwandtschaft mit dem genuesischen Seefahrer Cristoforo Colombo, der gerade fünfzig Jahre zuvor Amerika entdeckt hat, beschließt er, daß auch seine Bestimmung das Entdecken sei. Und so findet er sein »Amerika«, unendlich viel kleiner als das seines Namensvetters, denn es übersteigt kaum die Ausmaße eines Nadelkopfes. Hinter dem Venushügel entdeckt er diejenige Stelle am Körper der Frau, wo er das Zentrum ihrer Lust vermutet, den »Zauberschlüssel, der Frauenherzen öffnet«, und dem er den Namen Amor Veneris, »die Liebe der Venus«, gibt. Diese anatomische Besonderheit des weiblichen Körpers ist den westlichen Kulturen im 16. Jahrhundert noch unbekannt, und mit seiner Entdeckung vervollständigt Matteo Colombo die anatomischen Karten jener Zeit. Gleichzeitig meint er, mit dieser Kenntnis nun die Macht über den »Flatterwillen des Weibes« zu besitzen und so die Liebe der kühlen Mona Sofia - schönste und teuerste Hure Venedigs - gewinnen zu können, in die er sich unsterblich verliebt hat und die ihn bislang schroff zurückwies. Bevor er jedoch die Gelegenheit dazu bekommt, wird er der Ketzerei beschuldigt und verhaftet. Eingesperrt in einer kalten, dunklen Zelle wartet er auf das Urteil des Inquisitionsgerichts, vor dem er sich für die Veröffentlichung seiner Entdeckung verantworten muß, denn aus der Sicht der Kirche hat er ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Sein Schicksal scheint besiegelt zu sein...» Im Land der Venus« ist ein äußerst geistreicher und zugleich verwegener Roman. Sein spannender und brisanter Inhalt machte ihn zu einem der umstrittensten und meistgelesenen Bestseller Argentiniens.

Über den Autor

Federico Andahazi, geboren 1963, stammt wie viele Argentinier aus einer Familie, die ihre Wurzeln in Europa hat und von unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen ebenso geprägt ist wie von der Exilerfahrung. Sein Vater, Lyriker und Psychologe, ist der Sohn eines Malers aus ungarischem Adel, der vor den Nationalsozialisten floh. Sein russischer Großvater wurde in Argentinien Verleger. Eltern und Großeltern weckten in Federico Andahazi die Liebe zur Literatur, er fing schon als Kind an zu schreiben, und war stets ein begeisterter Leser.

Sein Lieblingsbuch ist seit frühester Jugend Don Quijote : »Seitdem gibt es nichts Neues mehr!« Aber auch Kafka, Dostojewski, Borges, Jack London, Anthony Burgess und Camilo José Cela schätzt er sehr. Trotzdem lebt er in Buenos Aires nicht nur mit der Nase in Büchern: in der Bar La Academia spielt er stundenlang Billard, mit einer Zigarette im Mundwinkel und unzählige Tassen Espresso trinkend. Und er gilt als äußerst vorwitziger Motorradfahrer. Andahazi arbeitete nach seinem Psychologie-Studium zunächst als Psychotherapeut.

Im Land der Venus ist sein erster, international publizierter Roman, in Argentinien ist inzwischen auch sein zweites Buch, Las piadosas, erschienen.Die Entstehungsgeschichte von Im Land der Venus läßt allein schon die Herzen von Buch- und Bibliotheksliebhabern höher schlagen: Andahazi war in der Nationalbibliothek mit den Recherchen für eine Erzählung beschäftigt, als er seinem Helden Matteo Colombo in einem sehr alten wissenschaftlichen Werk zum ersten Mal begegnete. Matteo Colombo hatte einst als Anatom im Italien der Renaissance als erster den kleinen Blutkreislauf Herz-Lunge beschrieben. Verblüfft darüber, daß Matteo Colombo nicht nur wie Kolumbus hieß, sondern ebenso als Entdecker reüssierte, stöberte Andahazi weiter. In einer Fußnote fand er einen Hinweis auf eine weitere Entdeckung Matteo Colombos, der sich in seinem Werk De Re Anatomica offenbar auch mit den Besonderheiten der weiblichen Anatomie beschäftigt hatte - Colombo beschrieb auch bereits die Klitoris. Weitere Nachweise seiner Arbeit, ja, seiner gesamten Existenz, waren nicht auffindbar - Matteo Colombo verschwand mitsamt seinen Forschungsergebnissen aus den Annalen der Wissenschaft, als Entdecker des kleinen Blutkreislaufs galt fortan der britische Forscher Harvey.Fasziniert von der Figur Matteo Colombo und von seinen Arbeiten, entschied sich Andahazi, sein ursprüngliches Projekt aufzugeben und den Anatomen und sein Schicksal zu seinem Thema zu machen - immer die klassische Autorenangst, ein anderer könnte die gleiche Entdeckung machen und ihm mit seinem Buch zuvorkommen, im Nacken.

Andahazi brauchte drei Jahre Zeit, denn er schrieb ein Buch, das ebenso als historisches Sittengemälde wie als Inquisitionskrimi lesbar ist, das philosophische Exkurse nicht scheut und seine Zeit, die Renaissance, in erotischen Szenen auch stilistisch wieder aufleben läßt - einen formal wie inhaltlich perfekt durchkomponierten Debütroman.

Federico Andahazi gehört einer argentinischen Autorengeneration an, die im Schatten von Borges steht - auch er glaubte am Anfang seiner Laufbahn, »nach Borges sei es nicht mehr möglich, zu schreiben.« Inzwischen hat er sich von dieser »Bürde« befreit. »Es stimmt, daß man nicht besser schreiben kann als Borges - aber man darf sich (davon) auch nicht lähmen lassen«, sagte er in einem Interview. Andahazi hält sich, soweit es geht, dem Literaturbetrieb fern, und bewahrt angesichts seines eigenen Erfolgs nonchalante Distanz: »Immer, wenn ich mein Buch in einer Buchhandlung sehe, denke ich, das hätte ein anderer geschrieben!«(Federico Andahazis Aussagen wurden nach einem ausführlichen Interview zitiert, das in La Nación erschien)

Literaturpolitischer Skandal in Argentinien

El anatomista - Im Land der Venus - gefiel der Jury des angesehenen argentinischen Literaturpreises, gestiftet von der Fundación Fortabat, so sehr, daß sie ihm den Preis für 1997 zusprach - und damit einen literaturpolitischen Skandal ins Rollen brachte, der international große Beachtung fand (in Deutschland berichtete z.B. Der Spiegel in Heft 45 / 1998 darüber). Was die Jury, immerhin auch mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren kaum der Umstürzlerei verdächtig (»das sind ja nicht gerade junge Punks« präzisierte es Andahazi selbst), beeindruckt hatte, mißfiel jedoch der Stifterin: Amalia Lacroze de Fortabat nahm nicht nur den Preis zurück, sondern schaltete zudem noch eigene Zeitungsanzeigen, um ihre Begründung publik zu machen. Ihre Vorgehensweise rief in Argentinien schlechte Erinnerungen an frühere Zeiten wach. Federico Andahazi und sein Buch wurden zum Politikum: argentinische Kritiker und Schriftsteller bezichtigten die Stifterin der Zensur. Dies ist eine ernstzunehmende Beschuldigung in einem Land, in dem Schriftsteller und Journalisten, die als Intellektuelle pauschal unter dem Verdacht des »Kommunismus« standen, während der Miltitärdiktatur der Jahre 1976 bis 1985 verfolgt wurden. Nach heftigen Debatten mußte sich Amalia Lacroze de Fortabat nicht ganz geschlagen geben - der Preis selbst wurde nicht verliehen, das Preisgeld von 15 000 Dollar durfte der Autor jedoch behalten. »Zensur ist Zensur,« sagte Federico Andahazi im Observer dazu. »Egal, ob vor 400 Jahren oder heute. Wenn die Leute fragen, warum das Buch im 16. Jahrhundert spielt, sage ich ihnen, um über heutige Zustände mit etwas größerer Distanz und Eleganz sprechen zu können.«

Auch wenn internationale Berichte gern von einem »Sittenskandal« sprechen: es ist nur vordergründig der erotische Aspekt des Romans, der Aufsehen erregt. Dahinter verbirgt sich, und das gilt nicht nur für die katholisch geprägten Länder, ein ungleich größerer Problemkomplex, der auch in unserem zwanzigsten Jahrhundert noch gegenwärtig ist. Die Auseinandersetzung mit der Rolle der Kirche im öffentlichen Leben (und bis hinein in das Privatleben nicht nur Gläubiger) ist heute noch oft tagespolitisch relevant, wenn auch vielleicht nicht ganz so brisant wie zu Zeiten der Renaissance. Und auch philosophische Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Realität und sprachlicher Wahrnehmung, zwischen Fremd- und Selbstbestimmung sind nicht endgültig ausdiskutiert. Im Land der Venus erscheint in Argentinien bereits in der 17. Auflage, wird in 30 Sprachen übersetzt und ist auch in Europa schon auf Platz eins der Bestsellerlisten. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

‹  Zurück zur Artikelübersicht