Aus der Amazon.de-Redaktion
"Oh mein Amerika, mein gefundenes Land!" hätte Mateo Renaldo Colombo (oder im Englischen Columbus genannt) vielleicht in seinem
De re anatomica geschrieben.
Es ist kein Zufall, daß Federico Andahazi Parallelen zwischen seinem Helden der Renaissance, dem Anatom Mateo Colombo, und dem Entdecker Christoph Kolumbus zieht. Es ist die geistreiche Idee seines ersten Romans Im Land der Venus, (aus dem Spanischen sehr schön von Alberto Manguel übersetzt), daß beide Colombos gleichermaßen "bedeutende und beunruhigende" Entdeckungen gemacht haben. Jedes Schulkind weiß, was Christoph Kolumbus entdeckt hat. Weniger bekannt ist vielleicht die Entdeckung seines Landsmannes und ebenfalls "Entdeckers". "Mateos Amerika liegt nicht so weit entfernt und ist unverhältnismäßig kleiner als das von Christoph Kolumbus. Es ist sogar nicht viel größer als ein Nagelkopf." Kurz gesagt, Mateo Renaldo Colombo hat die Amor Veneris, die Klitoris, entdeckt.
Andahazi macht eine Menge aus dieser Entdeckung und dem Entdecker: "Die Entdeckung von Mateo Colombos Amerika war, insgesamt betrachtet, auf der einen Seite heldenhaft und auf der anderen Seite bedauernswert. Mateo Colombo war genauso wild und grausam wie Christoph. Wie Christoph war auch er ein brutaler Kolonisator (um eine passende Metapher zu verwenden), der alle Rechte an dem entdeckten Land, dem weiblichen Körper, für sich selber beanspruchte." Frauen werden diese Beschreibung sehr wahrscheinlich mit der gleichen Ironie verfolgen wie die Ureinwohner Amerikas die "Entdeckung" eines Landes, das ihnen schon immer bekannt war.
Im Land der Venus legt eine historische Person und historische Fakten zugrunde. Andahazi gewährt einen Einblick in das Herz und die Seele seines Protagonisten. Der fiktive Colombo ist besessen von der teuren Kurtisane Mona Sofia. Obwohl Mateo sie verehrt, sieht die herzlose Sofia in ihm nur einen zahlenden Kunden. Nachdem sie ihm das Herz gebrochen und sein Bankkonto leergeräumt hat, kehrt er in seine Heimatstadt Padua zurück, von wo er nach Florenz gerufen wird, um eine junge fromme Witwe, Inés de Torremolinos, zu behandeln. Inés ist "unglaublich schön" und ihre Krankheit "sehr ungewöhnlich". Während er sie untersucht, entdeckt er "zwischen den Beinen seiner Patientin einen perfekt geformten, winzigen Penis mit einer Erektion".
Obwohl Colombos "Entdeckung", erst bei Inés und später auch bei anderen Frauen, den Roman sicherlich in einem erotischen Licht erscheinen läßt, ist doch der interessanteste Aspekt von Im Land der Venus die Reaktion der Kirche auf De re anatomica, Colombos Buch mit detaillierten Beschreibungen seines "Fundes". Die Renaissance bedeutete sicherlich eine Neugeburt für die Künste, die Wissenschaften und die Philosophie, aber sie war auch das Zeitalter der Inquisition -- und so brachten Colombos Enthüllungen, "der Schlüssel zum Herz jeder Frau [...] die anatomische Ursache der körperlichen Liebe", ihn bald in den Kerker. Begründung: Ketzerei und Satanismus. Der Prozeß, Mateos Verteidigung und die überraschenden Auswirkungen sollen den Leser herausfordern und machen Im Land der Venus zu mehr als einer rein erotischen Darstellung: Im Land der Venus ist auf faszinierende Weise philosophisch, ein Buch, das ganz sicher mehr als eine lebhafte Diskussion hervorruft. --Alix Wilber
Kurzbeschreibung
Vielleicht angeregt durch die Namensverwandtschaft mit dem genuesischen Seefahrer Cristoforo Colombo, der gerade fünfzig Jahre zuvor Amerika entdeckt hat, beschließt er, daß auch seine Bestimmung das Entdecken sei. Und so findet er sein »Amerika«, unendlich viel kleiner als das seines Namensvetters, denn es übersteigt kaum die Ausmaße eines Nadelkopfes. Hinter dem Venushügel entdeckt er diejenige Stelle am Körper der Frau, wo er das Zentrum ihrer Lust vermutet, den »Zauberschlüssel, der Frauenherzen öffnet«, und dem er den Namen Amor Veneris, »die Liebe der Venus«, gibt. Diese anatomische Besonderheit des weiblichen Körpers ist den westlichen Kulturen im 16. Jahrhundert noch unbekannt, und mit seiner Entdeckung vervollständigt Matteo Colombo die anatomischen Karten jener Zeit. Gleichzeitig meint er, mit dieser Kenntnis nun die Macht über den »Flatterwillen des Weibes« zu besitzen und so die Liebe der kühlen Mona Sofia - schönste und teuerste Hure Venedigs - gewinnen zu können, in die er sich unsterblich verliebt hat und die ihn bislang schroff zurückwies. Bevor er jedoch die Gelegenheit dazu bekommt, wird er der Ketzerei beschuldigt und verhaftet. Eingesperrt in einer kalten, dunklen Zelle wartet er auf das Urteil des Inquisitionsgerichts, vor dem er sich für die Veröffentlichung seiner Entdeckung verantworten muß, denn aus der Sicht der Kirche hat er ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Sein Schicksal scheint besiegelt zu sein...» Im Land der Venus« ist ein äußerst geistreicher und zugleich verwegener Roman. Sein spannender und brisanter Inhalt machte ihn zu einem der umstrittensten und meistgelesenen Bestseller Argentiniens.