Wir hätten einen Dialog gebraucht, um innerlich Abschied vom Krieg zu nehmen So etwa wie die Kommission für Wahrheit und Versöhnung, die in Südafrika.. eingesetzt wurde, sagt die Dominikanerschwester Pelagia Siziba in einem Gespräch mit dem Journalisten Hans-Joachim Löwer in Harare, der Hauptstadt von Zimbabwe. In ihrem Land habe aber niemand seine Schuld bekennen müssen, als es sich aus dem rassistischen Kolonialismus befreit habe. Es habe eine pauschale Amnestie gegeben. Darin sehe sie eine Ursache für die Entwicklung Zimbabwes, das heute unter der Knute des Diktators Robert Mugabe leiden muss.
Löwer hat sich als Tourist getarnt im Frühjahr 2007 kurze Zeit vor allem bei den weißen Farmern umgesehen, die enteignet wurden. Sein Buch, das er darüber geschrieben hat, verstoße gegen die political correctness, wie er im Vorwort schreibt, und sei nicht ausgewogen. Weil Journalisten in Zimbabwe verfolgt werden, habe er keine Möglichkeit gehabt, dem Berufsethos entsprechend fair und möglichst objektiv zu arbeiten.
So ist den unterdrückten und verfolgten weißen Farmern in Zimbabwe ein Sprachrohr geschaffen worden, das die Verhältnisse dieses Landes aus ihrer Sicht beschreibt ein bedrückendes und wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, das die ebenfalls undercover durchgeführten Reportagen der Journalisten Bartholomäus Grill (Die Zeit) und Christian Putsch (Die Welt) ergänzt.
Leider hat sich der Autor von seiner berechtigten Erregung über das barbarische und menschenverachtende Regime Mugabes dazu verleiten lassen, einige Klischees zu bedienen, die in Europa auch Jahrzehnte nach dem Ende der Kolonialzeit immer noch über den gesamten afrikanischen Kontinent verbreitet werden. Er meint, leider in Kitsch verfallend, einer der von der regierungskriminellen Verfolgung betroffenen weißen Farmer habe Zimbabwe vor der afrikanischen Krankheit beschützen wollen mit seinen Muskeln. Das seien Tribalismus, Korruption und Ineffizienz. An einer anderen Stelle räumt Löwer dagegen ein, dass die Weißen in Zimbabwe ebenfalls Tribalismus praktizieren, indem sie sich in ihren Clubs einmauerten, um so wenigstens ihren Lebensstil zu retten. Etwa 4500 weiße Großgrundbesitzer besaßen 39 Prozent des Bodens, und zwar den besten, 8000 schwarze Kleinfarmer vier Prozent, beschreibt der Autor die ungerechte und unsoziale Situation, welche zunächst zur Unterstützung von Mugabes Politik bei der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung in Zimbabwe geführt hatte und er verschweigt auch nicht, dass viele Weiße ihren Profit nicht in Zimbabwe versteuerten, sondern außer Landes geschafft haben. Diese Besitzgier wird jetzt von schwarzen Machthabern imitiert, die Mugabe als Vasallen dienen.
Zimbabwische Verhältnisse ist inzwischen zu einer drohenden Floskel geworden, die weiße Farmer in anderen afrikanischen Staaten für das Ziel einsetzen, ihre rechtswidrig angeeigneten Großgrundbesitze behalten zu können, auch wenn es dort keinerlei gesetzwidrige Enteignungen gibt. Immerhin stehen auch weißen Farmern aus Zimbabwe heute internationale Gerichtshöfe wie das Tribunal der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) in Namibia und der Afrikanische Gerichtshof für Menschen- und Völkerrechte in Gambia zur Verfügung. Den Rechtsweg kann allerdings nur der beschreiten, der nicht ermordet wurde.
Löwer ist für seinen Mut zu beglückwünschen, illegal in ferne Länder zu reisen, um von dort zu berichten. Er reiste er auch schon gesetzwidrig mit Latinos durch Mexiko (Bahnhof der Träumer, Herbig-Verlag 2006). Man ist gespannt auf seine nächste notgedrungen parteiische Reportage und dankt Günther Wallraff für seinen auch juristischen Einsatz, der zu einem höchstrichterlichen Urteil in Deutschland führte, welches derartige Gesetzesverstöße durch Autoren erlaubt, wenn sie durch ihre Arbeit Verhältnisse enthüllen, die anders nicht zu erfahren wären.
ULF G. STUBERGER