Die Deutsche Gesellschaft für das Hochbegabte Kind setzt sich seit Jahrzehnten für eine adäquate Förderung (speziell: intellektuell) hochbegabter Kinder ein. Erst seit der PISA-Studie ist das Thema ins öffentliche Blickfeld gerückt, und seither gibt es zu diesem Thema auch eine Fülle von Veröffentlichungen höchst unterschiedlicher Qualität.
Die von der DGhK herausgegebene Aufsatzsammlung versammelt rund 25 Aufsätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Grundlegendes zum Begabungsbegriff, zu Testverfahren und Identifikation; Praktisches zu Themen wie Klassenüberspringen und Früheinschulung; Aufsätze zu "Randgruppen" unter Hochbegabten - solchen mit ADHS, Körper- oder Sinnesbehinderungen oder auch Legasthenie; praktische Erfahrung mit Förderungsmöglichkeiten; emotionale und allgemeine psychologische Aspekte von Hochbegabung - die Palette ist sehr breit.
Die meisten Aufsätze stammen von ausgesprochen erfahrenen Fachleuten und "Autoritäten" wie Aiga Stapf, Annette Heinbokel und Barbara Schlichte-Hirsemenzel, die dann meist auch sehr zugänglich schreiben. Einige wenige (die zu den Themen "Hochbegabte Mädchen" und "Wie lebt man mit einem hochbegabten Kind") fand ich unverständlich oder wenig hilfreich; an einigen wenigen Stellen werden auch problematische oder schlicht veraltete Positionen vertreten.
Das ist ärgerlich, denn zu den meisten Themen bieten die Aufsätze hervorragende Einstiege und viel Literatur zum Weiterlesen. Gerade zu der breiten Palette der "Randgruppenthemen" findet man so viel Einführendes in einem Band - das ist die besondere Stärke dieses Buchs.
Wer schon länger mit dem Thema in Berühung steht, hat hier eine exzellente Sammlung zumeist hervorragender Beiträge zum Thema "Hochbegabte Kinder" - die man kritisch lesen sollte.
Wer gerade erst anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, wird mit Aiga Stapfs hervorragender Übersicht "Hochbegabte Kinder" oder Andrea Brackmanns "Jenseits der Norm" mehr anfangen können. Jugendliche und Erwachsene, die gerade selbst erfahren haben, hochbegabt zu sein oder sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen, sollten sich dazu auch Andrea Brackmanns "Ganz normal hochbegabt" ansehen, in das viele Erfahrungen und Lebensberichte Hochbegabter eingeflossen sind.