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Kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbour lernen sich Michael und Pauline eher zufällig im Lebensmittelladen von Michaels Familie kennen. Kurz darauf meldet sich Michael freiwillig in den Krieg, wird aber schon in der Ausbildung von einem Schuss getroffen und – fortan hinkend – wieder heimgeschickt. Bald nach seiner Heimkehr heiraten Michael und Pauline. Letztere wird bereits am Hochzeitstag von Zweifeln geplagt, gibt aber dann doch ihr Ja-Wort.
Die Ehe ähnelt einem Schlachtfeld; Meinungsverschiedenheiten erwachsen zu Wortgefechten, Liebe schlägt um in Zorn und wird zu Hass, und schließlich beruhigt sich alles wieder bis zum nächsten Ausbruch, ohne dass dies jemals zu mehr Verständnis zwischen den Ehepartnern führt. Pauline ist quirlig und leidenschaftlich, und sie eckt damit immer wieder an der stoischen Haltung von Michael an, der im Grunde nur ein geregeltes Leben mit festen Wurzeln leben will. Michael und Pauline bekommen zwei Töchter und einen Sohn. Als Produkt der 60er Jahre entwickelt sich die älteste Tochter rebellisch und verschwindet. Mehrere Jahre später erfahren die Eltern von der Drogenkarriere ihrer Tochter und nehmen deren kleinen Sohn zu sich.
Im Laufe der Jahre entwickelt sich Michael’s Lebensmittelladen zum Supermarkt, die Familie zieht aus der beengten Wohnung in ein eigenes Haus, der technische Fortschritt nimmt seinen Lauf, aber noch immer bekriegen sich Michael und Pauline auf dem Kampfplatz ihrer Ehe. Pauline scheint sich an der ständigen Reibung immer neu aufzuladen, aber bei Michael haben die Ehejahre irgendwann die Nerven freigelegt, und wenn beide ihre besten Jahre hinter sich haben, verlässt er seine Frau. Pauline ist wie von Donner gerührt, geht durch Phasen von Wut und Trauer, fügt sich aber irgendwann in ihr Schicksal und richtet sich ihr neues Leben ein, geht sogar wieder arbeiten. Michael ruht sich vom jahrelangen Ehekampf aus und heiratet später wieder. Auch wenn die einstigen Ehepartner jetzt ihre eigenen Wege gehen. bleiben sie doch mit dem Ballast ihrer Beziehung immer verbunden.
Ein schönes, anrührendes Buch, mit dem sich Anny Tyler wie in der Mehrzahl ihrer Bücher dem Thema Ehe widmet, dem alltäglichen Kampf im Alltag, den die Autorin jedoch so mitreißend und einfühlsam in ihrer ruhigen, minimalistischen Erzählweise schildert, dass man sich wünscht, das Buch würde nie aufhören, denn die Geschichten sind nie wirklich zu Ende. So wie Eheprobleme selten wirklich ausgefochten werden, sondern nur eine dauernde Abfolge von Gefecht und Waffenstillstand zu sein scheinen.
Wenn man mehrere Bücher Anne Tylers gelesen hat, deren Handlungsstränge ganz unterschiedlich sein können, so fällt eines doch auf: fast immer geht es um Menschen, die im falschen Leben gelandet sind. Manchmal sind diese Menschen glücklich, obwohl ihre Biografien ganz anders verlaufen sind, als ursprünglich einmal von ihnen angedacht war, wie z.B. in Damals, als wir erwachsen waren. Aber manchmal sind sie auch zutiefst unglücklich, weil die geplante Biografie mit dem falschen Partner gelebt wird. Dies widerfährt Michael und Pauline in Im Krieg und in der Liebe. Zumindest bei Michael ist es wohl Liebe auf den ersten Blick, als sie sich im Dezember 1941 kennen lernen. Er ist hingerissen von der attraktiven, lebenslustigen Pauline, die seine erste Freundin wird, und die er vielleicht mangels Erfahrung für die große Liebe seines Lebens hält. Bei Pauline dagegen kann man sich nicht sicher sein, ob sie sich nicht nur auf Michael einlässt, weil sie gerade allein ist. Es gibt von Anfang an mehr Uneinigkeit als Harmonie zwischen ihnen, und beide, Pauline vielleicht ein bisschen mehr, haben eine stille Ahnung davon, dass es nicht gut gehen kann. Sie heiraten dennoch und denken, dass die Liebe es schon richten wird. Doch so wie es begonnen hat, geht es weiter, dreißig Jahre lang. Nichtige Anlässe führen zu Streitigkeiten, aus denen Ehekräche entstehen, deren Verlauf immer gleich ist: Pauline entflieht zu ihren Eltern und wartet dort darauf, dass Michael sie zurückholt. Lässt er sich dafür zu lange Zeit, ist der nächste Krach bereits vorprogrammiert. Michael kann Pauline nicht geben, was sie sich von ihrem Mann erhofft, er ist weder impulsiv noch Neuem aufgeschlossen, sondern ein totaler Gewohnheitsmensch. Pauline fühlt sich eingesperrt und zu wenig beachtet. Es funktioniert nicht für sie und nicht für ihn. Auch ihre Kinder leiden darunter, ihre älteste Tochter Lindy so sehr, dass sie mit 17 Jahren spurlos verschwindet. Am Ende ist es überraschenderweise Michael, der Pauline am Abend ihres 30. Hochzeitstages verlässt, nachdem beiden bewusst wird, dass sie in ihrem gemeinsamen Leben hauptsächlich auf Auseinandersetzungen zurückblicken. Nicht mehr jung genug. um noch einmal neu anzufangen, leiden beide mehr darunter, als sie zuzugeben bereit sind.
Und als Leser leidet man mit. Mit beiden gleichermaßen, ohne Partei zu ergreifen. Man fühlt sich lesend mitten im Geschehen, sitzt mit am Tisch, und denkt, beide haben recht. Oder beide sind im Unrecht. Was könnte besser deutlich machen, dass diese Ehe, dieses gemeinsame Leben, nicht funktionieren kann? Auch ihre Hilflosigkeit gegenüber der Situation empfindet man mit, man möchte helfen, wo doch niemand helfen kann. Ihr lebenslanger Versuch, glücklich zu sein, kann nicht gelingen, ihnen beiden nicht. Beim Lesen verzehrt man sich nach etwas, das nie sein wird. Besser, einfühlsamer, hätte man das Leben dieser beiden Menschen nicht beschreiben können.
Die Erzählperspektive ist die eines allwissenden Erzählers, der abwechselnd aus Michaels und aus Paulines Sicht berichtet. Das ist sehr geschickt gemacht, weil der Leser dabei erfährt, wie viel beide von einander nicht wissen und wie wenig sie sich wirklich kennen.
Anne Tyler zu lesen ist toll, jedes Buch von ihr lohnt sich. Und es ist immer wieder bewundernswert, wie alltäglich und lebensnah eine Handlung sein darf, aus der sie ein phantastisches Buch machen kann.
Anne Tyler hat mit dieser sehr realitätsnahen Sozialstudie ein Bild der amerikanischen Mittelschichtfamilie gezeichnet.
Es ist ein groß angelegter Roman, der mit dem Angriff auf Pearl Harbor seinen Anfang nimmt und zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 60 Jahre nach Pearl Harbor und ein Jahr nach dem Angriff auf das World Trade Center, endet.
Michael Anton und Pauline lernen sich sehr jung kennen. Michael arbeitet im Lebensmittelgeschäft seiner Mutter. Der 2. Weltkrieg fordert viele Freiwillige, zu denen auch Michael zählt.
Aus der Ferne beginnt seine Liebesgeschichte mit Pauline, die schon bald in eine Ehe mündet.
Der Bogen ist weit gespannt, so dass immer viele Jahre zwischen den einzelnen Kapiteln liegen.
Die beiden bekommen schnell hintereinander drei Kinder.
Sie wachsen heran und besuchen die Schule. Lyndi, die älteste, flippt aus und verschwindet für Jahre aus dem Leben der Familie.
Man lebt ein langweiliges, eintöniges Alltagsleben. In Baltimore kennt jeder jeden, und auch die ehemaligen MitschülerInnen tauchen gelegentlich mit ihren Familien wieder auf. Klatsch und Tratsch blühen. Pauline ödet sich, was sich in mannigfaltigen Zornes- und Wutausbrüchen in ihrer Ehe zeigt. Sie dominiert die Familie, ist teils lustig aber auch launisch. Michael ist eher langweilig und stoisch.
Ein langes gemeinsames Leben vergeht, bis es am dreißigsten Hochzeitstag der beiden zum Eklat kommt: Michael bezeichnet urplötzlich und unerwartet die ganze Ehe als Hölle und Pauline schreit ihn an, dann solle er doch gehen. Wider Erwarten tut er das: er geht.
Die letzten Jahre verbringt jeder auf seine Weise: Pauline findet sich mehr oder weniger zurecht, Michael versucht es noch einmal mit einer neuen Ehe. Bei den gelegentlichen Familientreffen wird ersichtlich, dass alle weiter leben, ohne die Vergangenheit noch großartig aufzuarbeiten. Lyndi, die wieder aufgetaucht ist, bezeichnet als einzige das familiäre Leben ihrer Jugend und Kinderzeit als schrecklich.
Was das Buch so faszinierend macht, das ist die sehr realistische Sichtweise, in der Ehen heute und immer schon verlaufen können: die großen Erwartungen zu Beginn, die nachfolgende Ernüchterung, Kummer und Schmerzen mit den Kindern, Langeweile, Enttäuschung und die Einsicht, dass es das große Glück nicht gibt.
Sehr nachsinnend kann Michael als alter Mann gar nicht mehr erinnern, warum es denn mit Pauline so schreckliche war und worauf die Zerwürfnisse in ihrer Ehe gründeten. Last not least: die Zeiten glätten vieles, die Temperamente sind sehr verschieden, aber zuweilen passen zwei Menschen einfach nicht zu einander.
Diese Geschichte ist so hervorragend geschrieben, dass man sie jedem Interessierten empfehlen möchte.
Cl.B.
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