IM KREIS DES MONDES hat mir besser gefallen als sein Vorgänger, DIE SCHWESTERN DES RABEN. Zum einen kann sich Raeshaldis als Protagonistin durchsetzen. Die Fokussierung auf einen Charakter erleichtert es der Autorin einen roten Handlungsfaden beizubehalten - es gibt weniger unwichtige Seitenhandlungen und die anderen Erzählperspektiven wirken eher unterstützend als ablenkend. Damit entsteht auch ein intensiverer Spannungsbogen. Zum anderen gibt es endlich Antworten; Antworten sowohl auf magische Probleme (warum Männer keine Magie mehr haben und die Magie der Frauen anders funktioniert, etc.), als auch auf kulturelle (Sklavenhaltung der Teyn, Stellung der Frau, etc.).
Die Gesetze der Magie haben sich unwiderruflich verändert. Was früher eine reine Männerdomäne war, ist nun einigen wenigen Frauen vorbehalten. Die Schwestern des Raben, die von Sultan Oryn unterstützt werden, versuchen weitere Mitglieder zu finden und der zahlreichen Probleme her zu werden, die diese Veränderungen mit sich bringen (alte Schutzzauber verlieren ihre Wirkung und setzen Seemonster und Traumfresser frei; die in Sklaverei gehaltenen Teyn flüchten aus ihrer Gefangenschaft ...). Doch ihre Kräfte sind schwach, unberechenbar und vor allem unerforscht.
Als Raeshaldis in ihren Träumen den Hilferuf einer unbekannten Magierin vernimmt, die Konkubine des Sultans sich in einem fremdartigen Zauber verfängt und die Herrschaft Oryns aufs Neue herausgefordert wird, scheinen die Probleme schier überwältigend ...
Trotz aller Verbesserungen wird diese Dilogie nie zu meiner Lieblingslektüre gehören. Die Charaktere sind zu flach, das Setting zu kulissenhaft und die kulturellen Probleme werden zu demonstrativ und plump dargestellt. Amateurhafter Feminismus ist ja gut und schön, allerdings wäre etwas mehr Rafinesse angebracht.