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Im Krebsgang voran: Heiße Kriege und medialer Populismus
 
 
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Im Krebsgang voran: Heiße Kriege und medialer Populismus [Gebundene Ausgabe]

Umberto Eco , Burkhart Kroeber
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (3. März 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446208372
  • ISBN-13: 978-3446208377
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein sehr beeindruckendes Zeugnis dafür, wie ein intelligenter Autor in die Politik eingreifen kann." Arno Widmann, Frankfurter Rundschau, 03.03.07 "Eine treffende Analyse des Zeitgeschehens. ... Wenn es Aufgabe eines Intellektuellen ist, zeitaktuelle Phänomene zu registrieren, zu analysieren und 'auf den Begriff' zu bringen, dann hat Umberto Eco mit dem vorangehenden Krebs ein sehr treffendes Bild für eine heute weit verbreitete paradoxe Stimmung einer rückwärtsgewandten Zukunftserwartung gefunden." Carl Wilhelm Macke, Tages-Anzeiger, 06.03.07 "Wer das liest, dem wird klar, dass der Mut, den Mund, und der Mut, die Augen aufzumachen, zusammengehören." Arno Widmann, Frankfurter Rundschau, 03.03.07 "Eco lesen macht Spaß. Das liegt vor allem daran, das Eco den Leser an dem teilnehmem lässt, was ihm als Autor den größten Spaß macht: am Denken." Arno Widmann, Frankfurter Rundschau, 03.03.07 "Eco beweist aufs schönste, dass es auch anders vorwärtsgeht." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.07 "Witzig, informativ, streitlustig: Umberto Eco und seine Reaktion auf ereignisreiche Zeitumstände." Martin Bauer, Süddeutsche Zeitung, 23.05.07 "Das Erstaunliche an diesen Aufsätzen ist: wie der Autor seine belehrende Professoralität mit einem leichten und oft amüsantem Ton verbindet, ohne je anbiedernd zu wirken. Vernünftige Einsichten, gesunder Menschenverstand, pragmatische Lösungen - das ist sein Credo." Wolfgang Schneider, Die Welt, 02.06.07 "Interessant sind Ecos Kommentare zur Politik auch deshalb, weil er als gewiefter Semiotiker und Sprachanalytiker hinter das vordergründige Geplänkel der Argumente schaut und die Phrasen zerlegt." Wolfgang Schneider, Die Welt, 02.06.07

Carl Wilhelm Macke, Tages-Anzeiger, 6. März 2007

"Eine treffende Analyse des Zeitgeschehens. … Wenn es Aufgabe eines Intellektuellen ist, zeitaktuelle Phänomene zu registrieren, zu analysieren und 'auf den Begriff' zu bringen, dann hat Umberto Eco mit dem vorangehenden Krebs ein sehr treffendes Bild für eine heute weit verbreitete paradoxe Stimmung einer rückwärtsgewandten Zukunftserwartung gefunden."

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch ist die ideale Lektüre für Nachtisch, Eisenbahn und Kongresse. Wenn das Ohr die störenden Begleitgeräusche ausgeblendet hat, kann sich das Auge an Ecos kurzen Episteln ergötzen. In dem Buch sind Stücke aus den Jahren 2000 bis 2005 versammelt, deren Reiz darin besteht, dass sie zumeist ein seinerzeit aktuelles Ereignis zum Anlass nehmen, dessen banalen Kern bloßlegen und den Leser zu einem Blitzbesuch in der Gedankenwerkstatt des Autors mitnehmen. Wenn es auch so ist, dass sich Ecos Gedankenblitze zumeist an italienischen Narreteien entzünden, so hat das für den deutschen Leser den Reiz, dass ihm zu jeder der Ausgangssituationen mühelos eine einfällt, die auch in Deutschland spielen könnte.
Zu den Lieblingsstücken des Rezensenten gehören jene, die sich über Verschwörungskünstler und deren Machwerke auslassen: Dan Brown, die Templer, die Protokolle der Weisen von Zion, um nur einige zu nennen. Glänzend wird beschrieben, fast möchte man sagen: nachgewiesen, warum der Blödsinn der genannten Art so viele Gläubige findet; interessant auch, wie jeweils der Nachweis der Fälschung die Zahl der Dennoch-Gläubigen erhöht.
Besonders schön auch das Stück, dass Einige meiner besten Freunde" betitelt ist. Es behandelt die rhetorische Formel der concessio (Zugeständnis), die so funktioniert, dass man eine Sentenz mit dem Zugeständnis beginnt, um sodann mit der Keule des im übrigen aber" zuzuschlagen. Beispiel nach Eco (S. 293): Einige meiner besten Freunde sind Juden, allerdings...(sodann folgt eine antisemitische Bemerkung). Um nicht missverstanden zu werden: Eco benutzt dieses Beispiel um die Unzulässigkeit bzw. die Albernheit des allerdings" zu illustrieren.
Rundum ein lehrreicher Lesespaß.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gut, das es ihn gibt! 12. November 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Lese-Askese gegen die "Diät Berlusconi"

Im April 2002 veröffentlicht Umberto Eco in L'Espresso einen fiktiven Pressespiegel aus dem Jahr 2010. Ein mehrfach zu Haftstrafen verurteilter Mitarbeiter Berlusconis ist zu diesem Zeitpunkt Verfassungsgerichtspräsident und schreibt in der Zeitung Corriere della Sera Padana einen Leitartikel mit dem Titel: "Zehn Jahre Diät". Der Autor schildert, wie es sprachpolitisch gelungen ist, den Begriff "Regime", den Eco noch zu Beginn der Regierungstätigkeit Berlusconis verwendete, um dessen Herrschaftsform zu beschreiben, in den Begriff "Diät" zu verwandeln. Denn laut Wörterbuch kann Regime auch "Ernährungsweise, Gewohnheit oder hygienische Norm" bedeuten. Seit 2006 spreche man deshalb von "Diät Berlusconi", um die Vorteile zu skizzieren, welche die Regierungszeit des Unternehmers für Italien gebracht habe. Das Rechtssystem ist 2010 eine "Justiz AG", die spektakulären Prozesse werden nicht mehr im Gerichtssaal, sondern im TV-Studio inszeniert. Die Berufungsverfahren finden dann jeweils in einer anderen Fernsehshow statt. Das Turiner Blatt Li Foglio berichtet darüber, dass sich Präsident Berlusconi weigert, die Gesetzesklausel SS70A auf die Strafbestimmung für Viehdiebstahl anzuwenden. Die Klausel SS70A gilt für alle Bürger, außer für jene, die "mit Vornamen Silvio heißen und in Arcore wohnen" und wird bei Bilanzfälschung, Korruption in öffentlichen Ämtern, Geldwäsche, ungenehmigtes Bauen angewandt. "Großzügigerweise" aber nicht auf Viehdiebstahl oder "den Besitz von Werken, die zum Terrorismus aufhetzen, wie die Schriften von Norberto Bobbio".

Berlusconis irritierende Herrschaftsform ist eines der Hauptthemen der Zeitungskolumnen und Vorträge Ecos, die Im Krebsgang voran versammelt. Nicht mehr nach der Höhe des Einkommens sollen die Massen in dieser Form der Gouvernementalität kategorisiert werden, sondern "durch eine allgemeine Zugehörigkeit zum Universum der massenmedialen Werte", so Eco. Berlusconi habe die Phase des Interessenkonfliktes überwunden, um sich jeden Tag etwas mehr der "absoluten Interessenkonvergenz" zu nähern, "soll heißen, dem Land den Gedanken akzeptabel zu machen, daß seine persönlichen Interessen mit denen der ganzen Nation zusammenfallen." In unserer Zeit, so Ecos Fazit der Auseinandersetzung mit dem System Berlusconi, müsse eine "Diktatur, wenn es sie geben soll", nicht eine politische, sondern eine mediale sein. Populismus definiert Umberto Eco als eine Form von Regime, die versucht, die parlamentarischen Vermittlungen zu überspringen, um ein unmittelbar plebiszitäres Verhältnis zwischen charismatischem Führer und Massen herzustellen. Das Fernsehen eines medial-populistischen Regimes benutze den rhetorischen Kunstgriff, den zuletzt sprechen zu lassen, der Recht haben soll. Das mediale Regime habe es nicht nötig, seine Opposition ins Gefängnis zu stecken: "Es bringt sie nicht zum Schweigen, indem es sie zensiert, sondern indem es sie einfach als erste reden läßt". Das letzte Wort hat immer San Silvio.

Das Gegenbild ist die Funktion des Intellektuellen, die Norberto Bobbio beschreibt. Eco skizziert sie am 11.September 2004 in Turin im Rahmen des Vortrages "Die Bestimmung des Gelehrten heute". Bobbio sieht die Aufgabe des "uomini di cultura" heute "mehr denn je darin, Zweifel zu säen, nicht Gewißheiten zu ernten." Eco greift diesen Grundgedanken auf. Die intellektuelle Funktion entfalte sich nicht länger nur in der romantischen Figur des Philosophen, der sich vorgenommen hat, das menschliche Wesen zu transformieren, sondern hinzu muß die "Kritik der eigenen Rede" treten: "Die Intellektuellen lösen die Krisen nicht, sie schaffen sie". Im eigenen Lager vor allem, so Eco mit Bobbio: "Der engagierte Intellektuelle muß vor allem diejenigen in die Krise bringen, an deren Seite er sich engagiert". Die Widerrede gegen das eigene Lager sei auch um den Preis nötig, dafür "nach dem Sieg füsiliert zu werden".

Der Text über Bobbio ist nicht im Kapitel "Stationen eines Regimes" platziert, in dem sich Eco schwerpunktmäßig mit Berlusconi beschäftigt. Sondern er findet sich im dem Buchteil, der mit "Krieg, Frieden und Anderes" überschrieben ist. Schlüsseltext dieses Kapitels ist ein Vortrag, den Eco im Juli 2002 in der Mailänder Comunitá di Sant'Egidio gehalten hat. Er trägt den Titel "Einige Überlegungen über Krieg und Frieden". Das Thema sind die sogenannten "Neukriege" auf dem Balkan, am Persischen Golf und in Afghanistan. "Neukriege" bilden für Eco den Gegensatz zu den jahrhundertelang geführten "Altkriegen", in denen es darum ging, einen Gegner so zu besiegen, dass man aus seiner Niederlage einen Gewinn ziehen konnte und in denen der Zusammenstoß in der Regel frontal und auf erkennbaren Territorien stattfand. Im "Neukrieg" ist hingegen "unklar, wer der Feind ist", so Eco: "Alle Iraker, alle Serben? Wen genau muß man vernichten?" Der Neukrieg sei nicht frontal und könne aufgrund des multinationalen Kapitalismus nicht mehr frontal sein. Der "Neukrieg" stelle nicht mehr zwei Vaterländer gegeneinander, sondern bringt unzählige Mächte in Konkurrenz zueinander. Auch die Medien spielten dabei eine wichtige Rolle. Nach dem 11. September 2001 habe ein ehemaliger CIA-Direktor in einem Interview der Zeitung Republica gesagt, "der zu bombardierende Feind seien paradoxerweise die Banken in Steuerparadiesen wie den Cayman Islands gewesen und vielleicht auch diejenigen in den großen europäischen Städten." Den Afghanistan-Krieg sieht Eco in gewisser Weise als ein "Simulacrum eines Altkrieges", der militärisch nicht zu gewinnen sei.

Vieles von dem, was Im Krebsgang voran bietet, ist nicht neu, weder zur Medienentwicklung noch zum "Kampf gegen den internationalen Terrorismus". Doch was Eco auszeichnet, ist seine Fähigkeit, Dinge begrifflich auf den Punkt zu bringen. Seine Sprache 'sitzt', sie bleibt hängen. Er weiß selbst, dass "gymnastische Übungen am Reck der Verallgemeinerung" immer gefährlich sind, dass man damit schnell neben die Matte purzeln kann. Doch die Abstraktionen, die Umberto Eco anbietet, sind lesens- und bedenkenswert. Eine Fundgrube sind vor allem die kurzen Zeitungsessays: Ob er den Leser an Issac Asimovs Science-Fiction-Erzählung "Franchise" erinnert, indem in einem automatisierten Wahlsystem ein einziger Wähler die kaum noch vorhandenen politischen Differenzen verkörpert und die Wahl entscheidet, oder den Hinweis auf Furio Colombos Buch Privacy gibt, in dem die Ausdehnung des Big-Brother-Containerprinzips auf die gesamte Gesellschaft beschrieben wird und jeder einen kleinen tragbaren Monitor bei sich führt - Eco öffnet vielerlei Türen in literarische Nebenräume, durch die wir nur gehen müssen. Im Krebsgang voran zeigt: Umberto Eco verkörpert idealtypisch Bobbios Ideal des "uomo di cultura", dem es zutiefst suspekt ist, wenn die Mächtigen "sich des Volkes bedienen", um ihre Interessen durchzusetzen und der als Gegengift empfiehlt, sich der Bücher zu bedienen. Die Askese der gründlichen Lektüre als Gegengift zur Diät des medialen Populismus.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eco, der Philosoph 4. April 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Aufgrund heiterer Streichholzbriefe und dicker Romane könnte man es gelegentlich fast vergessen: Eco ist gelernter Philosoph. Mit seinem neuen Sammelband "Im Krebsgang voran" (umfasst Beiträge aus den Jahren 2000-2005) ruft er uns dies ins Gedächtnis zurück. Abgedruckt sind Vorträge, Artikel und Streichholzbriefe, die von Ton und Inhalt her ernster sind als die Beiträge zu anderen ähnlichen Sammlungen wie "Schüsse mit Empfangsbescheinigung". Eco sorgt sich um den Zustand der Welt im Allgemeinen und den Italiens im Besonderen und vertritt nicht die Auffassung, dass die Herren George W. Bush und Silvio Berlusconi etwas zu dessen Verbesserung beitragen. Die Bandbreite der Themen ist groß, vom Verlust der Privatsphäre (Medienschelte)über die politische Entwicklung in Italien bis zum Umgang mit Ausländern im eigenen Land, insbesondere andersgläubigen. Bemerkenswert ist die beträchtliche Toleranz Ecos, wodurch Kritik, wenn er sie übt, um so gravierender wirkt. Erich Kästner schrieb einmal über Kurt Tucholsky: "ein kleiner dicker Berliner wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten." Nein, so schlimm wie in den 1930er Jahren ist die Situation zumindest in der westlichen Hemisphäre nicht, aber "Im Krebsgang voran" vermittelt das Gefühl, dass auch Eco gegen Katastrophen anschreibt.
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