Ich hätte es vor der Lektüre dieses Buches nicht für möglich gehalten, daß ein Exkurs durch Geschichte und Gegenwart von Relativitätstheorie, Quantenphysik und Kosmologie derart vergnüglich sein könnte. Das Buch ist nicht nur angenehm zu lesen, sondern auch unterhaltend und - angesichts der Thematik ein kleines Wunder - streckenweise sogar richtig spannend. Ein noch größeres Wunder ist dabei, daß Michio Kaku nicht simplifizierend vorgeht, daß nichts auf der Strecke bleibt und der Leser durchaus "eine volle Breitseite" in Sachen Superstringtheorie abbekommt - und trotzdem den Durchblick behält. Kaku schreibt sehr klar, mit feiner Ironie, lockert den Stoff mit dezenten autobiographischen Erinnerungen auf, unternimmt historische Ausflüge in die 4. Dimension, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts verstanden wurde, und illustriert manche Thesen und Themen mit ausgewählten Beispielen aus der Science Fiction. Insgesamt also ein sehr lesenswertes Buch, das durchaus literarischen Rang besitzt. Nur ganz am Schluß (im Anhang auf Seite 424) begibt sich der gelernte Physiker Kaku auf unsicheres Terrain: Sein Argument, daß der Homo sapiens ein intelligent gewordenes Raubtier sei und daß es für ihn vielleicht besser wäre, nicht auf gleichgeartete außerirdische "Raubtiere" zu stoßen, ist evolutionsgeschichtlich nicht haltbar. Der Mensch mag sich zwar oft wie ein Raubtier benehmen, aber biologisch entstammt er der relativ friedlichen Primaten-Familie. Und diese Tiergruppe benötigte ihre zum stereoskopischen Sehen befähigten Augen nicht zum Beutefang, sondern schlicht und einfach dazu, um nicht reihenweise von den Bäumen zu purzeln. Aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Fußnote und wahrlich kein Grund, den 5. Stern zu verweigern.