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Im Herzen Europas: Geschichte Polens [Gebundene Ausgabe]

Norman Davies , Friedrich Griese (Übers.) , Friedrich Griese
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Davies

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"DAS ERBE DER DEMÜTIGUNG
Das kommunistische Polen

Es wird kaum ein Land auf der Welt geben, in dem das Regierungssystem so verrufen war wie das in Polen in den 1980er Jahren. Man mag von den Ereignissen der Jahre 1980 - 1981 denken, was man will, doch kann niemand vernünftigerweise bestreiten, daß die Entstehung der freien Gewerkschaftsbewegung 'Solidarität' schlüssig bewies, daß außer der eigenen Elite niemand mehr an das kommunistische Regime in Polen glaubte. Die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 mußte denn auch als stillschweigendes Eingeständnis gewertet werden, daß die Kommunisten sich nur noch mit nackter Gewalt an der Macht halten konnten. Einige Kritiker argumentierten, daß das Regime in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren nach und nach jeden Kredit eingebüßt habe. Andere behaupteten, es habe von Anfang an keine ausreichende öffentliche Zustimmung besessen. Aus der Sicht des klassischen Liberalismus, dem zufolge Regierungen sich auf die Zustimmung de r Regierten stützen sollten, war die Volksrepublik Polen gewiß nicht nur eine politische Leiche, sondern hätte gar nicht erst geboren werden dürfen.
Natürlich besaß Polen nicht die einzige Diktatur der Welt, und es konnte trotz aller Widerwärtigkeiten kaum zu den gewalttätigsten Ländern gerechnet werden. Den Vereinten Nationen gehören mehr Diktaturen als Demokratien an, und gemessen an den dort üblichen Praktiken hatte sich das kommunistische Regime in Polen der extremeren Formen politischer Gewalt durchweg enthalten. Verbrechen vom gleichen Kaliber, wie sie den unglücklichen disparidos in Argentinien und den Opfern des fanatischen Pol Pot in Kambodscha oder des wahnsinnigen Feldmarschalls Idi Amin "Dada" in Uganda angetan wurden, konnte man Polen nicht vorwerfen. Am besten wird man das kommunistische Polen durch den Hinweis charakterisieren, daß es nicht dem Vorbild seines Gönners und Mentors, der Sowjetunion, gefolgt ist, wo die Zahl der politischen Opfer in die zig Mi llionen ging, und zwar bis in eine Zeit hinein, an die man sich noch lebhaft erinnert. Die politische Unterdrückung in Polen war aus der Nähe besehen unangenehm genug und für die Tausenden, die in Internierungslagern eingesperrt waren, äußerst ungemütlich, doch anstößig war sie weniger durch physische Grausamkeit als vielmehr durch moralische Korruption und intellektuelle Absurdität. Gemessen an den vorherrschenden Trends und Bestrebungen der polnischen Gesellschaft, hatte sie keine überzeugende raison d'etre.
Diktaturen kommen ja meistens durch klar definierte innenpolitische Umstände zustande. Einige können, speziell in Afrika, mit der Notwendigkeit begründet werden, sich bekriegende Stämme oder unversöhnliche Gemeinschaften, die in einem Staat zusammenleben, auseinanderzuhalten. Viele gehen aus einem Bürgerkrieg hervor, so in Spanien in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Manche werden akzeptiert, weil ihnen eine unerträgliche soziale Unterdrückung vorausging ..."

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Kundenrezensionen

4.4 von 5 Sternen
4.4 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Herzen Europas 9. Dezember 2004
Von berti2 TOP 1000 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
In Zeiten des zusammenwachsenden Europas sollte man seine Nachbarn verstehen lernen und für mich beruht Verstehen auf die Kenntnis der Geschichte. Um Ängste und Vorbehalte des in der EU angekommenen Polens einschätzen zu können, bietet dieses Buch eine gute Grundlage. Es ist anachronistisch aufgebaut, d.h. es beginnt mit der jünsten Geschichte Nachkriegspolens, seiner Abhängigkeit von der SU und die Entwicklung der Solidarnosc, die dann den Stein in's Rollen brachte,das kommunistische Polen zu beseitigen.
Das zweite Kapitel befasst sich mit der Zeit von 1939 bis 1947, also der Kriegs und unmittelbaren Nachkriegszeit, als die poln.Kommunisten mit Hilfe der SU ihren Herrschaftsanspruch, auch gegen massiven Widerstand, durchsetzten.
Das dritte Kapitel mit den Auswirkungen des ersten Weltkrieges mit dem Effekt der Wiedererstehung Polens nach 123 Jahren Zugehörigkeit zu Preussen, Österreich und Rußland.Die erste Demokratie und dann die Militärdiktatur und das Sanacja Regime, bzw. Pilsudskies Herrschaft finden hier ihre Erwähnung.
Die restlichen Kapitel gehen dann immer weiter zurück und rekonstruieren die wechselvolle Geschichte Polens.
Insgesamt ein lesenwertes Buch, um die poln. Geschichte im europäischen Kontext zu sehen und zu begreifen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der polnische Phönix 15. Januar 2010
Von Gromperekaefer TOP 500 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
Die Geschichte Polens wird massgeblich von seinen Nachbarn beeinflusst. Das Land entwickelt sich im Mittelalter von anfänglichen Stammesstrukturen zum Königreich. Gemeinsam mit Litauen avancierte Polen dann ab dem 15. Jahrhundert zu einer Regionalmacht. Polen durchlebt allerdings nicht die spätere Phase des Absolutismus (welche man bei vielen Ländern vorfindet), sondern richtet ein Wahlkönigtum ein, wobei der Adel dominiert.

Der Aufstieg von Polens Nachbarn Russland, Preussen und Österreich führte dann in 3 Teilungen zur Auflösung des Königreichs. Den Eroberern gelang es jedoch nicht die Polen zu ihresgleichen zu erziehen. Die polnische Nation und Kultur konnten ihr eigenes Wesen bewahren. Nach Ende des 1. Weltkrieges konnte Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangen, um 1944 wieder besetzt zu werden, diesmal vom Tandem Nazideutschland/Sowjetunion. Nach dem 2. Weltkrieg geriet das Land dann in den Sog des Sowjetimperiums, um sich erst Ende der 80er Jahre von dem östlichen Nachbarn zu lösen.

Norman Davies schildert diese Perioden in tiefgründigen Analysen. Hierbei zeigt er dass die Polen sich nicht unterkriegen lassen und sich während der Okkupationsphasen jeweils aktiv oder stillschweigend zur Wehr zu setzen. Das Volk bewegt sich dabei zwischen aktivem Widerstand oder unter dem Deckmantel des Loyalismus, wo man den Besatzer anerkennt, seine Wurzeln jedoch nicht vergisst. Politisch, kulturell oder wirtschaftlich werden dabei alle Facetten behandelt.

Persönlich hätte ich mir eine ausführlichere Schilderung der Periode von 1500 - 1795 gewünscht, welche doch etwas kurz behandelt ist. Des weiteren wäre es besser gewesen, die Kapitel chronologisch aneinanderzureihen. Davies schildert anfangs die Zeitgeschichte, um dann etappenweise in die Vergangenheit vorzustossen. Am Schluss wird dann wiederum die Neuzeit behandelt.

Insgesamt ist das Werk aber eine hervorragende Analyse von Polens Geschichte, wobei die Zeitgeschichte grosszügiger behandelt wurde.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen in der Schule nie gelernt.....jetzt verschlungen! 3. Dezember 2009
Von Sobieski
Polens Geschichte, geschrieben von einem Engländer.
Komische Mischung möchte man meinen, jedoch ist es das beste Buch zur Geschichte Polens,
das mir empfohlen wurde und ich bin nicht enttäuscht worden!

Wer sich also für Geschicht einteressiert und die Lücken aus der Schule schließen möchte, dem empfehle ich es sehr.
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