Ich gehöre zu den Menschen, die Bücher meist spontan aufgrund eines ansprechenden Klappentexts kaufen. Der war in diesem Fall sehr ansprechend. Leider erfüllten sich meine Erwartungen nicht.
Abgesehen davon, dass ich erwartet hatte, dass die Begegnung zweier, eng miteinander verknüpfter, aber doch durch nahezu undurchdringliche Barrieren (Rassenhass, Vorurteile)voneinander getrennter Kulturen im Mittelpunkt des Buches stehen würden, bleiben auch die Handlungsmotive der Protagonisten oft unklar.Die Schrecken des Krieges werden nur am Rande erwähnt, und selbst die Schilderung der Begegnung des Soldaten mit der jungen Schwarzen bleibt vom Ton her merkwürdig beiläufig.In knapp 40 Seiten zieht Norman in den Krieg, wird mehrmals verwundet, wird von einer Schwarzen gesundgepflegt, heiratet sie und reist mehrere Jahre mit ihr durch die Lande. An dieser Stelle fragt man sich, was auf den restlichen 650 Seiten noch vorkommen mag, weil ein Großteil dessen, was als Beschreibung hinten auf dem Buch steht, an dieser Stelle schon im Eiltempo abgehandelt wurde.
Der junge Soldat scheint erfreulicherweise von vornherein kaum Bedenken gegen eine Heirat mit einer Schwarzen zu haben, was mir erstens unwahrscheinlich vorkommt und wodurch zweitens die Chance vertan wird, ein allmähliches Überwinden althergebrachter Denkstrukturen zu beschreiben, was sicherlich wesentlich interessanter gewesen wäre, als die ewigen Beschreibungen täglicher Routinen auf der Farm. Auch die Anfeindungen der beiden durch die lieben Mitmenschen werden höchstens mal am Rande erwähnt. Außerdem verstehe ich nicht, warum Leah (die junge Schwarze) ihrer eigenen Familie so wenig vertraut, dass sie sich lieber umbringt, als zu erzählen, was los ist.
Weiterhin bleibt unklar, warum Jamie, ihrer beider Sohn, mit siebzehn Jahren den Kontakt zu seiner Familie gänzlich abbricht. Auch sein späteres Verhalten ist nicht immer nachvollziehbar, oder bin nur ich es, die es nicht versteht? Auch sein stellenweise krankhaftes Verhältnis zu Frauen, denen er mit wenigen Ausnahmen wenig Achtung entgegenbringt, wird nicht weiter hinterfragt.
Der letzte Teil des Buches, der von Foster, Jamies Sohn handelt, versöhnt mich ein wenig mit dem Werk, obwohl mir auch dessen Verhalten stellenweise nicht nachvollziehbar erscheint.
Insgesamt finde ich dass dieses Buch in der Beschreibung der Charaktere zu sehr an der Oberfläche bleibt, was letztendlich dazu führte, dass ich das Buch langweilig fand und mich wohl alsbald kaum mehr daran erinnern werde, worum es überhaupt ging.