Kurzbeschreibung
Brückenbauer einer zeitgemäßen Spiritualität
Sie führen kein abgehobenes Dasein, sondern stehen mitten im Leben und ihre Spiritualität hat sich im Alltag bewährt. In diesem Buch sprechen große spirituelle Persönlichkeiten, alles erfahrene Lehrerinnen und Lehrer, über ihre Visionen. Ihre Gedanken und ihr Leben, das in Kurzbiografien vorgestellt wird, ermutigen zur schöpferischen Mitgestaltung unserer Welt sowohl in privater als auch in politischer, wirtschaftlicher, kultureller und spiritueller Hinsicht.
Sie führen kein abgehobenes Dasein, sondern stehen mitten im Leben und ihre Spiritualität hat sich im Alltag bewährt. In diesem Buch sprechen große spirituelle Persönlichkeiten, alles erfahrene Lehrerinnen und Lehrer, über ihre Visionen. Ihre Gedanken und ihr Leben, das in Kurzbiografien vorgestellt wird, ermutigen zur schöpferischen Mitgestaltung unserer Welt sowohl in privater als auch in politischer, wirtschaftlicher, kultureller und spiritueller Hinsicht.
Über den Autor
Christa Spannbauer lebt und arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. In ihren Publikationen und Vorträgen beschäftigt sie sich mit zeitgemäßen Weisheitswegen aus Ost und West unter Einbezug neuer Wissenschaftserkenntnisse, die in ein sozial und gesellschaftspolitisch engagiertes Handeln münden.
Sie ist Öffentlichkeitsbeauftragte der Stiftungsinitiative "Männer für morgen" von Prof. Dr. Gerald Hüther. Langjährige eigene Zen- und Achtsamkeitspraxis.
Sie ist Öffentlichkeitsbeauftragte der Stiftungsinitiative "Männer für morgen" von Prof. Dr. Gerald Hüther. Langjährige eigene Zen- und Achtsamkeitspraxis.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auf die Frage nach den Grundregeln der höchsten Weisheit schrieb Zen-Meister Ikkyu einst seine berühmten drei Worte "Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit". Die Achtsamkeit lässt uns völlig präsent im gegenwärtigen Moment sein. Dorthin will uns jeder wahre spirituelle Weg führen: in den Augenblick, in die unmittelbare Erfahrung des Lebens im Hier und Jetzt. Im Augenblick anzukommen heißt, im Leben anzukommen, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken, ganz da zu sein mit allen Sinnen. So sehr wir diesen Zustand ersehnen, so schwer ist es, ihn zu erlangen. Und doch kennen wir alle diese Momente des Seins, in denen sich plötzlich der Schleier hebt, die Trennung schwindet und wir uns in unmittelbarem Kontakt mit dem Leben fühlen. Es sind diese intensiven Momente des Eins-Seins, die uns Einblick in die Wirklichkeit des Lebens schenken und in denen wir staunend das Wunder der Schöpfung erkennen.
Die Übung der Achtsamkeit unterstützt uns Menschen darin, die Trennung von Ich und Welt zu überwinden, und bringt uns in bewussten und intensiven Kontakt mit dem Leben. In der Achtsamkeitsmeditation, im Still-Sitzen, im Nicht-Tun kommen wir in direkte Fühlung mit unserem Körper, unseren Gedanken, Gefühlen und Empfindungen und wir werden zugleich unserer Konditionierungen, Anhaftungen und Täuschungen gewahr. Gelebte Achtsamkeit führt uns in das Erkennen und Zulassen dessen, was ist. Wenn wir den Weg der Achtsamkeit konsequent gehen, dann wird unser ganzes Leben zu einer bewussten Erfahrung.
Die Praxis der Achtsamkeit ist in den USA und in Europa auf das Engste mit dem Namen eines Mannes verbunden - mit dem US-amerikanischen Begründer des Achtsamkeitstrainings, Dr. Jon Kabat-Zinn. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Achtsamkeitsmeditation Eingang in das westliche Gesundheitswesen erhielt und diese östliche Weisheitstradition dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde. Immer mehr Menschen machen sich mittlerweile die praktischen und einfach anwendbaren Achtsamkeitsübungen für ein bewusstes und gesünderes Leben zu eigen.
Entwickelt hat Jon Kabat-Zinn die Methode der sogenannten "Stressbewältigung durch Achtsamkeit" (englisch: Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) bereits Ende der 70er-Jahre an der von ihm gegründeten Klinik für Stressreduzierung in Massachusetts. Die Grundlage war für den in buddhistischer Meditation geschulten, promovierten Biologen die Lehre des Buddha über die vier Vergegenwärtigungen: die Vergegenwärtigung des Körpers, der Empfindungen, des Geistes und der Phänomene. Diese Vergegenwärtigungen ergänzte er durch achtsame Körperübungen. Seine Methode hat drei wesentliche Bestandteile: den Body Scan, eine Übung zur Schärfung der Körper-Wahrnehmung; die Sitzmeditation, in der vor allem das bewusste Atmen geübt wird, sowie Körperübungen aus dem Yoga. Darüber hinaus werden die Menschen in die Praxis der Achtsamkeit im Alltag eingeführt. Sie üben sich in Bewusstheit beim Stehen, Gehen, Sitzen und bei der Verrichtung aller alltäglichen Dinge. Meditation und Spiritualität werden so zu einer Lebensweise und mitten im Leben des Menschen verortet.
Der heilende und gesundheitsfördernde Effekt dieser Methode wurde seither von zahlreichen Forschungsprojekten belegt, was in den vergangenen Jahren international für große Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt hat. Allein in den Vereinigten Staaten wenden derzeit zirka 250 Kliniken diese Methode für den Gesundungsprozess ihrer Patienten und Patientinnen an. Was anfangs als Hilfe für Menschen im Umgang mit stressbedingten Krankheiten und chronischen Schmerzen entwickelt wurde, hält mittlerweile Einzug in fast alle gesellschaftlichen Bereiche. Denn Stress ist in der modernen Gesellschaft ein allgegenwärtiges Phänomen. Vor Kurzem erst erklärte die Weltgesundheitsorganisation Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund hat die jahrzehntelange Forschungsarbeit von Jon Kabat-Zinn zur Stressreduzierung aktuelle und zukunftsweisende Bedeutung. Auch im deutschsprachigen Raum wird in immer mehr Krankenhäusern und Arztpraxen ebenso wie in Schulen, Universitäten, Beratungsstellen und mittlerweile auch Wirtschaftsunternehmen das Achtsamkeitstraining angewendet. In der Medizin finden ganzheitliche Heilungsansätze zunehmend Beachtung, und die Entwicklung einer Integrativen Medizin schreitet voran. In ihr nimmt die Praxis der Achtsamkeit einen zentralen Platz ein, denn sie gilt als Ausgangspunkt für den menschlichen Selbstheilungsprozess.
Achtsamkeit ist ein Weg der Einsicht, Weisheit und Heilung, der gerade für uns Menschen der modernen westlichen Welt immer wichtiger wird, denn er führt uns zu dem, was wir in der hektischen und reizüberfluteten Welt der Gegenwart so schwer zu finden vermögen und dessen wir zugleich so dringend bedürfen: innere Sammlung, Konzentration, Gelassenheit und Ruhe.
Jon Kabat-Zinn ist ein international viel gefragter und hoch geschätzter Berater und Meditationslehrer, der weltweit Kurse und Vorträge hält. Bei seinem einwöchigen MBSR-Schulungsseminar in Deutschland, das er 2007 gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Dr. Saki Santorelli am Benediktushof hielt und das ich organisatorisch vor Ort begleitete, lernte ich ihn näher kennen und erhielt grundlegende Einblicke in seine Arbeit. Ich konnte miterleben, wie es ihm innerhalb kürzester Zeit gelang, 150 Menschen aus der ganzen Welt zu einer achtsamen Gruppe zusammenzuführen und gemeinsam mit uns allen an einem von Vertrauen und Offenheit getragenem Netzwerk zu weben. Seine Präsenz und Klarheit machten es ihm scheinbar mühelos möglich, die Individualität und Persönlichkeit jedes Einzelnen innerhalb dieser großen Gruppe zu sehen und zu würdigen und dabei den Gruppenprozess immer im Auge zu behalten und zu fördern.
Seine Arbeit zeichnete sich durch höchste Professionalität und Kompetenz aus und war zugleich von charmanter Leichtigkeit und Verspieltheit. Jon Kabat-Zinn hat einen überwältigenden Sinn für Humor - warmherzig, weise, pointiert und ungeheuer schlagfertig konnte er jede Situation für eine positive Betrachtungsweise öffnen.
Ich habe von ihm viel über gelebte Achtsamkeit im Umgang mit Menschen gelernt. "Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?", wurde einst ein weiser Mann gefragt, worauf dieser antwortete: "Immer der Mensch, mit dem ich gerade zusammen bin." Diese Anekdote fällt mir ein, wenn ich an Jon Kabat-Zinns Fähigkeit denke, sich in jedem Augenblick mit absoluter Konzentration und tiefem Respekt auf den jeweiligen Menschen vor ihm einzulassen. Jede Frage und jedes Anliegen nimmt er gleichermaßen ernst und wichtig und immer begegnet er den Menschen dabei auf gleicher Augenhöhe, ohne der Versuchung zu erliegen, aufgrund seines Wissens und seines Status andere zu belehren.
Seine Arbeit, so sagte er in dem Gespräch mit mir, ist Ausdruck seiner Liebe für das Leben und für die Menschen. Wer Jon jemals bei seiner Arbeit erleben konnte, wird dies bestätigen - in seiner achtsamen Präsenz ist die Liebe allgegenwärtig.
Die Übung der Achtsamkeit unterstützt uns Menschen darin, die Trennung von Ich und Welt zu überwinden, und bringt uns in bewussten und intensiven Kontakt mit dem Leben. In der Achtsamkeitsmeditation, im Still-Sitzen, im Nicht-Tun kommen wir in direkte Fühlung mit unserem Körper, unseren Gedanken, Gefühlen und Empfindungen und wir werden zugleich unserer Konditionierungen, Anhaftungen und Täuschungen gewahr. Gelebte Achtsamkeit führt uns in das Erkennen und Zulassen dessen, was ist. Wenn wir den Weg der Achtsamkeit konsequent gehen, dann wird unser ganzes Leben zu einer bewussten Erfahrung.
Die Praxis der Achtsamkeit ist in den USA und in Europa auf das Engste mit dem Namen eines Mannes verbunden - mit dem US-amerikanischen Begründer des Achtsamkeitstrainings, Dr. Jon Kabat-Zinn. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Achtsamkeitsmeditation Eingang in das westliche Gesundheitswesen erhielt und diese östliche Weisheitstradition dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde. Immer mehr Menschen machen sich mittlerweile die praktischen und einfach anwendbaren Achtsamkeitsübungen für ein bewusstes und gesünderes Leben zu eigen.
Entwickelt hat Jon Kabat-Zinn die Methode der sogenannten "Stressbewältigung durch Achtsamkeit" (englisch: Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) bereits Ende der 70er-Jahre an der von ihm gegründeten Klinik für Stressreduzierung in Massachusetts. Die Grundlage war für den in buddhistischer Meditation geschulten, promovierten Biologen die Lehre des Buddha über die vier Vergegenwärtigungen: die Vergegenwärtigung des Körpers, der Empfindungen, des Geistes und der Phänomene. Diese Vergegenwärtigungen ergänzte er durch achtsame Körperübungen. Seine Methode hat drei wesentliche Bestandteile: den Body Scan, eine Übung zur Schärfung der Körper-Wahrnehmung; die Sitzmeditation, in der vor allem das bewusste Atmen geübt wird, sowie Körperübungen aus dem Yoga. Darüber hinaus werden die Menschen in die Praxis der Achtsamkeit im Alltag eingeführt. Sie üben sich in Bewusstheit beim Stehen, Gehen, Sitzen und bei der Verrichtung aller alltäglichen Dinge. Meditation und Spiritualität werden so zu einer Lebensweise und mitten im Leben des Menschen verortet.
Der heilende und gesundheitsfördernde Effekt dieser Methode wurde seither von zahlreichen Forschungsprojekten belegt, was in den vergangenen Jahren international für große Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt hat. Allein in den Vereinigten Staaten wenden derzeit zirka 250 Kliniken diese Methode für den Gesundungsprozess ihrer Patienten und Patientinnen an. Was anfangs als Hilfe für Menschen im Umgang mit stressbedingten Krankheiten und chronischen Schmerzen entwickelt wurde, hält mittlerweile Einzug in fast alle gesellschaftlichen Bereiche. Denn Stress ist in der modernen Gesellschaft ein allgegenwärtiges Phänomen. Vor Kurzem erst erklärte die Weltgesundheitsorganisation Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund hat die jahrzehntelange Forschungsarbeit von Jon Kabat-Zinn zur Stressreduzierung aktuelle und zukunftsweisende Bedeutung. Auch im deutschsprachigen Raum wird in immer mehr Krankenhäusern und Arztpraxen ebenso wie in Schulen, Universitäten, Beratungsstellen und mittlerweile auch Wirtschaftsunternehmen das Achtsamkeitstraining angewendet. In der Medizin finden ganzheitliche Heilungsansätze zunehmend Beachtung, und die Entwicklung einer Integrativen Medizin schreitet voran. In ihr nimmt die Praxis der Achtsamkeit einen zentralen Platz ein, denn sie gilt als Ausgangspunkt für den menschlichen Selbstheilungsprozess.
Achtsamkeit ist ein Weg der Einsicht, Weisheit und Heilung, der gerade für uns Menschen der modernen westlichen Welt immer wichtiger wird, denn er führt uns zu dem, was wir in der hektischen und reizüberfluteten Welt der Gegenwart so schwer zu finden vermögen und dessen wir zugleich so dringend bedürfen: innere Sammlung, Konzentration, Gelassenheit und Ruhe.
Jon Kabat-Zinn ist ein international viel gefragter und hoch geschätzter Berater und Meditationslehrer, der weltweit Kurse und Vorträge hält. Bei seinem einwöchigen MBSR-Schulungsseminar in Deutschland, das er 2007 gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Dr. Saki Santorelli am Benediktushof hielt und das ich organisatorisch vor Ort begleitete, lernte ich ihn näher kennen und erhielt grundlegende Einblicke in seine Arbeit. Ich konnte miterleben, wie es ihm innerhalb kürzester Zeit gelang, 150 Menschen aus der ganzen Welt zu einer achtsamen Gruppe zusammenzuführen und gemeinsam mit uns allen an einem von Vertrauen und Offenheit getragenem Netzwerk zu weben. Seine Präsenz und Klarheit machten es ihm scheinbar mühelos möglich, die Individualität und Persönlichkeit jedes Einzelnen innerhalb dieser großen Gruppe zu sehen und zu würdigen und dabei den Gruppenprozess immer im Auge zu behalten und zu fördern.
Seine Arbeit zeichnete sich durch höchste Professionalität und Kompetenz aus und war zugleich von charmanter Leichtigkeit und Verspieltheit. Jon Kabat-Zinn hat einen überwältigenden Sinn für Humor - warmherzig, weise, pointiert und ungeheuer schlagfertig konnte er jede Situation für eine positive Betrachtungsweise öffnen.
Ich habe von ihm viel über gelebte Achtsamkeit im Umgang mit Menschen gelernt. "Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?", wurde einst ein weiser Mann gefragt, worauf dieser antwortete: "Immer der Mensch, mit dem ich gerade zusammen bin." Diese Anekdote fällt mir ein, wenn ich an Jon Kabat-Zinns Fähigkeit denke, sich in jedem Augenblick mit absoluter Konzentration und tiefem Respekt auf den jeweiligen Menschen vor ihm einzulassen. Jede Frage und jedes Anliegen nimmt er gleichermaßen ernst und wichtig und immer begegnet er den Menschen dabei auf gleicher Augenhöhe, ohne der Versuchung zu erliegen, aufgrund seines Wissens und seines Status andere zu belehren.
Seine Arbeit, so sagte er in dem Gespräch mit mir, ist Ausdruck seiner Liebe für das Leben und für die Menschen. Wer Jon jemals bei seiner Arbeit erleben konnte, wird dies bestätigen - in seiner achtsamen Präsenz ist die Liebe allgegenwärtig.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auf die Frage nach den Grundregeln der höchsten Weisheit schrieb Zen-Meister Ikkyu einst seine berühmten drei Worte "Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit". Die Achtsamkeit lässt uns völlig präsent im gegenwärtigen Moment sein. Dorthin will uns jeder wahre spirituelle Weg führen: in den Augenblick, in die unmittelbare Erfahrung des Lebens im Hier und Jetzt. Im Augenblick anzukommen heißt, im Leben anzukommen, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken, ganz da zu sein mit allen Sinnen. So sehr wir diesen Zustand ersehnen, so schwer ist es, ihn zu erlangen. Und doch kennen wir alle diese Momente des Seins, in denen sich plötzlich der Schleier hebt, die Trennung schwindet und wir uns in unmittelbarem Kontakt mit dem Leben fühlen. Es sind diese intensiven Momente des Eins-Seins, die uns Einblick in die Wirklichkeit des Lebens schenken und in denen wir staunend das Wunder der Schöpfung erkennen.Die Übung der Achtsamkeit unterstützt uns Menschen darin, die Trennung von Ich und Welt zu überwinden, und bringt uns in bewussten und intensiven Kontakt mit dem Leben. In der Achtsamkeitsmeditation, im Still-Sitzen, im Nicht-Tun kommen wir in direkte Fühlung mit unserem Körper, unseren Gedanken, Gefühlen und Empfindungen und wir werden zugleich unserer Konditionierungen, Anhaftungen und Täuschungen gewahr. Gelebte Achtsamkeit führt uns in das Erkennen und Zulassen dessen, was ist. Wenn wir den Weg der Achtsamkeit konsequent gehen, dann wird unser ganzes Leben zu einer bewussten Erfahrung.Die Praxis der Achtsamkeit ist in den USA und in Europa auf das Engste mit dem Namen eines Mannes verbunden - mit dem US-amerikanischen Begründer des Achtsamkeitstrainings, Dr. Jon Kabat-Zinn. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Achtsamkeitsmeditation Eingang in das westliche Gesundheitswesen erhielt und diese östliche Weisheitstradition dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde. Immer mehr Menschen machen sich mittlerweile die praktischen und einfach anwendbaren Achtsamkeitsübungen für ein bewusstes und gesünderes Leben zu eigen.Entwickelt hat Jon Kabat-Zinn die Methode der sogenannten "Stressbewältigung durch Achtsamkeit" (englisch: Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) bereits Ende der 70er-Jahre an der von ihm gegründeten Klinik für Stressreduzierung in Massachusetts. Die Grundlage war für den in buddhistischer Meditation geschulten, promovierten Biologen die Lehre des Buddha über die vier Vergegenwärtigungen: die Vergegenwärtigung des Körpers, der Empfindungen, des Geistes und der Phänomene. Diese Vergegenwärtigungen ergänzte er durch achtsame Körperübungen. Seine Methode hat drei wesentliche Bestandteile: den Body Scan, eine Übung zur Schärfung der Körper-Wahrnehmung; die Sitzmeditation, in der vor allem das bewusste Atmen geübt wird, sowie Körperübungen aus dem Yoga. Darüber hinaus werden die Menschen in die Praxis der Achtsamkeit im Alltag eingeführt. Sie üben sich in Bewusstheit beim Stehen, Gehen, Sitzen und bei der Verrichtung aller alltäglichen Dinge. Meditation und Spiritualität werden so zu einer Lebensweise und mitten im Leben des Menschen verortet.Der heilende und gesundheitsfördernde Effekt dieser Methode wurde seither von zahlreichen Forschungsprojekten belegt, was in den vergangenen Jahren international für große Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt hat. Allein in den Vereinigten Staaten wenden derzeit zirka 250 Kliniken diese Methode für den Gesundungsprozess ihrer Patienten und Patientinnen an. Was anfangs als Hilfe für Menschen im Umgang mit stressbedingten Krankheiten und chronischen Schmerzen entwickelt wurde, hält mittlerweile Einzug in fast alle gesellschaftlichen Bereiche. Denn Stress ist in der modernen Gesellschaft ein allgegenwärtiges Phänomen. Vor Kurzem erst erklärte die Weltgesundheitsorganisation Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund hat die jahrzehntelange Forschungsarbeit von Jon Kabat-Zinn zur Stressreduzierung aktuelle und zukunftsweisende Bedeutung. Auch im deutschsprachigen Raum wird in immer mehr Krankenhäusern und Arztpraxen ebenso wie in Schulen, Universitäten, Beratungsstellen und mittlerweile auch Wirtschaftsunternehmen das Achtsamkeitstraining angewendet. In der Medizin finden ganzheitliche Heilungsansätze zunehmend Beachtung, und die Entwicklung einer Integrativen Medizin schreitet voran. In ihr nimmt die Praxis der Achtsamkeit einen zentralen Platz ein, denn sie gilt als Ausgangspunkt für den menschlichen Selbstheilungsprozess.Achtsamkeit ist ein Weg der Einsicht, Weisheit und Heilung, der gerade für uns Menschen der modernen westlichen Welt immer wichtiger wird, denn er führt uns zu dem, was wir in der hektischen und reizüberfluteten Welt der Gegenwart so schwer zu finden vermögen und dessen wir zugleich so dringend bedürfen: innere Sammlung, Konzentration, Gelassenheit und Ruhe.Jon Kabat-Zinn ist ein international viel gefragter und hoch geschätzter Berater und Meditationslehrer, der weltweit Kurse und Vorträge hält. Bei seinem einwöchigen MBSR-Schulungsseminar in Deutschland, das er 2007 gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Dr. Saki Santorelli am Benediktushof hielt und das ich organisatorisch vor Ort begleitete, lernte ich ihn näher kennen und erhielt grundlegende Einblicke in seine Arbeit. Ich konnte miterleben, wie es ihm innerhalb kürzester Zeit gelang, 150 Menschen aus der ganzen Welt zu einer achtsamen Gruppe zusammenzuführen und gemeinsam mit uns allen an einem von Vertrauen und Offenheit getragenem Netzwerk zu weben. Seine Präsenz und Klarheit machten es ihm scheinbar mühelos möglich, die Individualität und Persönlichkeit jedes Einzelnen innerhalb dieser großen Gruppe zu sehen und zu würdigen und dabei den Gruppenprozess immer im Auge zu behalten und zu fördern.Seine Arbeit zeichnete sich durch höchste Professionalität und Kompetenz aus und war zugleich von charmanter Leichtigkeit und Verspieltheit. Jon Kabat-Zinn hat einen überwältigenden Sinn für Humor - warmherzig, weise, pointiert und ungeheuer schlagfertig konnte er jede Situation für eine positive Betrachtungsweise öffnen.Ich habe von ihm viel über gelebte Achtsamkeit im Umgang mit Menschen gelernt. "Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?", wurde einst ein weiser Mann gefragt, worauf dieser antwortete: "Immer der Mensch, mit dem ich gerade zusammen bin." Diese Anekdote fällt mir ein, wenn ich an Jon Kabat-Zinns Fähigkeit denke, sich in jedem Augenblick mit absoluter Konzentration und tiefem Respekt auf den jeweiligen Menschen vor ihm einzulassen. Jede Frage und jedes Anliegen nimmt er gleichermaßen ernst und wichtig und immer begegnet er den Menschen dabei auf gleicher Augenhöhe, ohne der Versuchung zu erliegen, aufgrund seines Wissens und seines Status andere zu belehren.Seine Arbeit, so sagte er in dem Gespräch mit mir, ist Ausdruck seiner Liebe für das Leben und für die Menschen. Wer Jon jemals bei seiner Arbeit erleben konnte, wird dies bestätigen - in seiner achtsamen Präsenz ist die Liebe allgegenwärtig.