... ja, genauso liest sich Nootebooms Buch "Im Frühling der Tau", in dem er über seine zwischen 1975 und 1992 unternommenen Reisen nach Nah- und Fernost (von Persien über Thailand bis hin nach Japan) berichtet.
Bereits im ersten Kapitel über Persien taucht man als Leser gewissermaßen in die orientalische Welt ein, die sich für einen Fremden (so auch Nooteboom selbst) nicht gleich erschließen will, aber deswegen gerade umso geheimnisvoller und anziehender ist und auch so beschrieben wird. Die lebendig dargestellte Schönheit Isfahans, verbunden mit dem für Nooteboom so typischen Blick fürs Detail, läßt einen quasi selbst mit dabei sein, wenn die vielen alten Moscheen mit ihren goldüberzogenen Kuppeln ihren Zauber auf den Betrachter ausüben. Bereits hier zog mich das Buch in seinen Bann. Dies änderte sich auch während der weiteren Lektüre nicht, im Gegenteil, die Erlebnisse Nootebooms aus anderen asiatischen Ländern bereichern die Eindrücke des Anfangs noch um eine ganze Anzahl von Facetten.
Wer hier allerdings denkt, es handele sich also nur um einen weiteren 08/15-Reisebericht, wo von einer Schönheit zur nächsten geschwelgt wird, irrt; denn Nooteboom verschweigt auch die Beschwernisse und Unbequemlichkeiten seiner selbst organisierten Reisen nicht, vor allem in die ärmeren Länder wie Birma und Malaysia: Sprachprobleme bei der Bahnhofssuche, um den letzen wichtigen Zug zum Flughafen zu bekommen, erschlagene Fliegen auf der Hotelzimmertapete, Ungeziefer im Badezimmer usw. Auf solches jedoch gefaßt, beeinträchtigt dies Nootebooms positive Reiseeindrücke keineswegs und somit auch nicht die (imaginären) des Lesers. Und wer sich tatsächlich auf Nootebooms Spuren und auf die Suche nach den Schönheiten und Eigentümlichkeiten ferner Ländern begeben möchte, für den kann dieses Buch eine gute Reise-Einstimmung sein!
Darüber hinaus kann man mit diesem Buch nicht nur in ferne Länder aufbrechen, sondern man kann daraus auch etwas lernen - wußten Sie etwa, daß sich in Japan eine freundliche und eine unfreundliche Aussage nicht unbedingt durch den Tonfall, sondern vor allem durch die Wortwahl unterscheiden? Oder daß Macau im sprichwörtlichen Sinne das "Tor" zu China ist?