Kurzbeschreibung
"Meine liebste Form des Umgangs ist eine unirdische: der Traum: träumen", bekennt Manna Zwetajewa in einem Brief an Bons Pasternak vom 19. November 1922, "und die zweitliebste der Briefwechsel. Der Briet als eine Form unirdischen Umgangs ist weniger vollkommen als der Traum, doch die Gesetze sind die gleichen. Weder das eine noch das andere geschieht auf Geheiß: Wir träumen und schreiben nicht, wenn wir wollen, sondern wenn der Brief geschrieben, der Traum geträumt werden will. (Meine Briefe wollen immer geschrieben werden!)"Marina Zwetajewa (geboren 1892 und 1941 aus dem Leben geschieden) hat in Briefe -und Brieffreundschaften - ungemein viel investiert. Je ferner, je unerreichbarer der Adressat, desto leidenschaftlicher feierte sie die Abwesenheit. Denn der Brief, Ausdruck genuiner Sehnsucht ("mein stärkstes Gefühl"), ermöglichte ihr den Umgang mit verwandten Seelen. Im Brief, der die Person abstrahiert, entmaterialisiert, konnte sie sich entfalten: "Feuer: ich: Psyche", hier konnte sie durch das Geschriebene in Erscheinung treten, durch den "Effekt der Wörter auf die Körper", also authentisch. Der Andere, der Abwesende "im Land der Seele", nahm durch ihre Imagination Gestalt an; jenseits mütterlicher Vereinnahmung sah er sich als Geschöpf einer ebenso einsamen wie besessenen poetischen Einbildungskraft. Im Feuer geschrieben ist eine - in dieser Form, in dieser Fülle - einzigartige Sammlung von (auch bislang unbekannten oder hier erstmals vollständig veröffentlichten) Briefen, Briefen aus Moskau und Berlin, aus Prag und Paris, die, sorgfältig ediert, übersetzt und mit vielen Anmerkungen versehen, eine kurze, schwierige und dennoch höchst vitale Existenz bezeugen - das Leben einer singulären Dichterin und Frau in den schrecklichen Wirren ihrer Zeit, unseres Jahrhunderts.
Über den Autor
Geboren am 2.1.1946 in Rimavská Sobota (Slowakei) als Tochter einer Ungarin und eines Slowenen. Kindheit in Budapest, Ljubljana und Triest.
Volksschule und Gymnasium in Zürich, 1964 Abitur. 1965-1971 Studium der Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und St. Petersburg.
1971 Promotion (Dissertation: Studien zum Motiv der Einsamkeit in der russischen Literatur, Herbert Lang Verlag, Bern 1973). 1971-1977 Assistentin am Slawistischen Institut der Uni- versität Zürich. Seit 1977 Lehrbeauftragte der Universität Zürich. Daneben freiberuflich als Schriftstellerin, Übersetzerin und Publizistin ("Neue Zürcher Zeitung", "Die Zeit") tätig. Lebt in Zürich.
Auszeichnungen, Stipendien
Hieronymus-Ring des Deutschen Übersetzerverbandes (1987)
Petrarca-Übersetzerpreis (1991)
Ehrengabe des Kantons Zürich (1988, 1994, 1997) und der Stadt Zürich (1990, 2001)
Swiss Writer-in-Residence Max Kade Institute USC Los Angeles (1995)
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Anerkennungspreis (1998)
Schiller-Preis der Zürcher Kantonalbank (1998)
Adelbert-von-Chamisso Preis (2003)
Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt)