"Im Eishaus" ist kein Krimi für Leute, die rasante Verfolgungsjagden, heftige Schußwechsel und hochmoderne Untersuchungsverfahren erwarten. Die brillante Verfilmung des Romans von Minette Walters bietet ein hervorragend aufgebautes, atmosphärisch dichtes und sehr realistisches Drehbuch, das von Tim Fywell mit einem Ensemble exzellter Schauspieler vorzüglich umgesetzt wurde. Die Charakterzeichnungen der einzelnen Figuren sind psychologisch stimmig und in allem überzeugend; unlogische Brüche im Handlungsablauf sind zu keinem Zeitpunkt zu verzeichnen. Die Dialoge zeichnen sich durch Glaubwürdigkeit und Wirklichkeitsnähe aus, besonders die intelligenten Wortwechsel zwischen Andy McLoughlin (Daniel Craig) und Anne Catrell (Kitty Aldridge). Die Autorin versteht es überzeugend, den Zuschauer bis zum letzten Moment im Ungewissen zu lassen, die Spannung mehr und mehr zu erhöhen und schließlich eine unerwartete, aber keineswegs an den Haaren herbeigezogene Lösung des Falles zu bieten. In dieser klug eingefädelten und verzwickt weitergeführten Geschichte ist dank der kongenialen BBC Verfilmung, den ihre Rollen lebensecht gestaltenden Schauspielern und der nicht auf Mätzchen setzenden Regie keine Minute überflüssig. Zum Inhalt sei nur so viel angemerkt: es gibt eine Leiche, die nicht ist, was sie zu sein scheint; ein Damentrio, das nicht immer damenhaft agiert; die Bewohner eines Dorfes, die vom Verfolgungswahn besessen sind; eine Ehefrau, deren größte Stärke Lügen sind; eine Mutter, die im richtigen Moment das passende Handwerkszeug findet; eine Tochter, die ein unschönes Geheimnis zu hüten weiß; einen Polizisten, der einen dicken Fleck auf der Weste hat und einen anderen, der seine Gefühle nicht im Zaum halten kann. "Im Eishaus" sei den Zuschauern empfohlen, die einen traditionell konzipierten Krimi ohne Unmengen von Blut und Blei und eine stimmige, das Interesse stets wachhaltende Verfilmung zu schätzen wissen.