In der fiktiven Stadt Zungen an der Nelda, irgendwo in Bayern nahe an Tschechien gelegen gibt es ein Gymnnasium, das seine Schüler prägt. Humanistische Bildung soll den Schülern eingeimpft werden, alle wollen sie Künstler werden, den meisten wird diese Stadt zu eng und doch zieht sie ihre Kinder wieder an sich, wie ein Chämaleon mit seiner langen Zunge malt sie der Kommissar, verhinderter Maler und jetzt Polizist, der Tatorte und Stimmungen in Farben sieht. Er macht sich auch Gedanken darüber, dass er sich mehr den Kopf darüber zerbricht, welche Farbe das Blut nun hatte, als über das Opfer zu trauern. Farben und Malen sind seine Leidenschaft. Solche Leidenschaften sind ein Teil des Romanes, ein anderer Teil dreht sich um die Stadtgeschichte, die ein alter Lehrer des besagten Gymnasiums als Pensionist gerade schreibt, der erste Teil der Chronik ist geschrieben und veröffentlicht und nun nähert sich der alte Lehrer gefährlich jener dunklen Zeit in der so vieles im Nebel verschwand und auch der eine oder andere auf wundersame Art und Weise reich wurde, auf eine Art und Weise, die man heute mit dem knappen Namen Arisierung höchst emotionslos und kurz beschreibt ohne zu sehen, was an Grausamkeit und Emotion damit verbunden war- und dass Schuld entstand, Schuld die fortbesteht fortwirkt und die zu zahlen ist. Der Autor beginnt schon auf den ersten Seiten damit ein Buch im Buche zu entwickeln, das Tagebuch des Mörders, der von Anfang an zu erkennen gibt, dass sein Ziel ist als Höhepunkt seiner Mordserie den Kommissar selbst zu töten- auf eine besonders qualvolle und brutale Weise zu töten, weil er eine lange zurückliegende Tat des Kommissars Swoboda mit seiner Rache verfolgt. Die Tat, dass der Schüler Swoboda als Chefredakteur der Schülerzeitung ein Gedicht nicht veröffentlicht hat, ja darüber gelacht hat. Das Gedicht eines Künstlers, der jetzt nicht mehr die Dichtkunst, sondern das Morden als seine intellektuelle Tat ansieht. Zungen ist eine Kleinstadt, da kennt jeder jeden und eigentlich meint man gibt es da auch keine Geheimnisse zu entdecken. Gert Heidenreich aber gelingt es den Leser immer tiefer in diese Stadt hineinzuziehen, jeder Bewohner steht einem dabei plastisch wie ein Nachbar vor Augen, man erlebt die Geschichte mit, die sich langsam aus dem Dunkel der Zeit ins Helle der Gegenwart enthüllt und sieht, wie sehr diese Geschichte ohne dass die Bewohner der Stadt das geahnt haben die Vergangenheit geprägt hat. Am Ende des Buches wird nicht jeder Böse im Sinne der juristischen Gerechtigkeit bestraft sein, das Böse wird erhellt und ans Tageslicht gezerrt, aber eine Sühne dafür im Sinne irdischer Gerechtigkeit bietet uns Gert Heidenreich nicht. Weil in einer solchen Kleinstadt alles Beziehungstat ist spielt auch eine Liebesgeschichte, eine Beziehungsgeschichte des Kommissars eine Rolle, spilen Beziehungen bei der Aufklärung der Taten eine wesentliche Rolle. So esentlarvt sich der Mörder letztlich bezeichnender Weise nicht dadurch wen er tötet und wie er tötet, sondern dadurch dass er jemanden nicht tötet. Gert Heidenreich legt mit diesem Krimi ein vielschichtes Werk vor, das geschickt Spannung aufbaut und hält, die Vergangenheit und Gegenwart gekonnt beleuchtet und vor allem durch die gelungene Zeichnung der Figuren besticht.