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Er wurde keineswegs enttäuscht. Als er auf die Minute genau zum vereinbarten Zeitpunkt am Tor der Villa klingelte, die um 1900 erbaut worden war und an ein kleines Schloß erinnerte, öffnete ihm die Frau die Tür, mit der er telefoniert hatte. Sie war vielleicht fünfunddreißig Jahre alt, mittelgroß und schlank. Ihre nackten Arme erschienen ihm fast eine Idee muskulös. Sie mußte eine regelmäßige Besucherin von Fitneßstudios sein. Ihrem an sich schönen Gesicht mit den großen dunklen Augen fehlten nicht dezent-herbe Züge. Ihre kurzgeschnittenen Haare waren ebenso pechschwarz wie ihr kurzes Kleid aus Leder. Mit Stiefeln hätte sie wie eine vollendete Domina ausgesehen. Sie trug allerdings hochhackige Schuhe und Straps, beides ebenso in Schwarz gehalten wie ihre lackierten langen Fingernägel. Selbst der Mund war dunkel geschminkt.
»Folgen Sie mir!« sagte sie kurz und führte ihn in einen abgedunkelten Raum, in dem er aber noch die Gräfin erkennen konnte, die in einem Sessel saß. Die Dame in Schwarz setzte sich auf das Sofa, das im rechten Winkel neben dem Sessel stand, während C. etwas verloren im Raum stehen blieb, da man ihn nicht aufgefordert hatte, Platz zu nehmen.
Die beiden Damen sahen sich Dias an – es waren exakt jene Bilder, die Vivette von C. auf der Waldeslichtung aufgenommen hatte.
C. durfte nun seine eigenen Nacktaufnahmen betrachten, während die beiden Damen seinen Körper begutachteten und alles ausführlich kommentierten, ohne C. selbst auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken. Geradezu philosophischen Betrachtungen gab sich die Gräfin beim Anblick von Giacomos Po hin: »Ich gestehe dir, Liebste, daß Männerärsche für mich das Geilste sind, was es gibt. Besonders übrigens, wenn sie gerötet sind. Es gibt nichts Schöneres, als sanft über die Striemen auf einem nackten Männerarsch zu streichen.«
»Wobei sie selbst natürlich nichts mehr lieben, als von uns gepflegt gezüchtigt zu werden, besonders wenn wir sie mit der flachen Hand liebkosen«, entgegnete die Dame in Schwarz, die allem Anschein nach ebenso Dienerin wie auch Vertraute und Freundin der Gräfin war.
»Ob es ihnen nun gefällt oder nicht, interessiert natürlich keinen Menschen«, wandte die Gräfin ein, »ich würde sogar sagen, es ist reizvoller, wenn es ihnen nicht gefällt.«
»Du hast natürlich völlig recht, Liebste«, bekräftigte die Freundin, beugte sich auf einen dezenten Wink ihrer Herrin zu ihr, und die beiden Frauen küßten sich auf den Mund.
»Mach bitte weiter, Liebste«, wies sie die Gräfin an, und sie fuhren fort mit der Diaschau, bis das Foto, auf dem Giacomo Linda leckte, zu weiteren philosophischen Erörterungen Anlaß gab. »Vivette hat das wundervoll gemacht«, lobte die Gräfin. »Sie hat Sinn für das Wesentliche, denn sie macht hier deutlich, was der eigentliche Daseinszweck der Männer – ihre Bestimmung – ist. Denn wofür sind sie überhaupt da, wenn nicht dafür, um uns zu lecken?«
»Und das weiß niemand besser als die Männer selbst, denn auf nichts sind sie schärfer als darauf, sich uns zwischen die Beine zu werfen«, pflichtete die Freundin bei.
»Das trifft nicht ganz den Kern«, widersprach die Gräfin. »Das klingt ja so, als dürften sie uns Leckdienste aufdrängen, wenn ihnen gerade danach ist, wenn sie Lust dazu haben. Die wirkliche, ihrer und unserer Bedeutung angemessene Sexualität liegt vielmehr darin, daß wir sie immer dann benutzen können, wenn uns danach ist. Benutzen ist das Zauberwort. Sie müssen uns völlig zur Verfügung stehen, damit wir sie jederzeit auf die uns genehme Weise benutzen können. Nur dann finden Sie und wir wirkliche Erfüllung, wenn Sie konsequent und kompromißlos zum reinen Objekt reduziert werden, dessen einzige Aufgabe und dessen einzige Daseinsberechtigung darin liegt, uns Lust bereiten zu dürfen.«
Es braucht nicht darauf hingewiesen zu werden, daß C. die nicht ganz unkomplizierten Ausführungen der Gräfin genau verstanden hatte, was dazu führte, daß ihm seine Jeans auf geradezu schmerzhafte Weise eng wurde. Nichts hätte er lieber getan, als der Gräfin und ihrer Freundin seinen Arsch zur intensiven Behandlung und seine unermüdlichen Leckdienste – am liebsten natürlich beides zusammen – anzubieten, aber er tat natürlich nichts dergleichen, sondern wartete ebenso folgsam wie sehnsüchtig darauf, daß die beiden von der Theorie zur Praxis übergingen und sich seiner bedienten.
Aber auch mit dieser Haltung machte er es der Gräfin nicht recht. Als die Dia-Schau nämlich beendet war und die Freundin in dem abgedunkelten Raum einige Kerzen entzündete, schien die Gräfin auf etwas zu warten, bis sie endlich der Freundin etwas ins Ohr flüsterte.
»Wissen Sie eigentlich etwas über die Jesuiten?« fragte die Freundin C.
»Leider nicht besonders viel«, antwortete er kleinlaut.
»Wir finden, daß wir auch heute noch von den Jesuiten lernen können. Die Jesuiten hatten nämlich einen interessanten Grundsatz: Wenn ein Diener die Anweisungen seines Herrn befolgt, ist das gut. Aber es ist besser, wenn ein Diener den Wünschen seines Herrn oder besser seiner Herrin nachkommt, ohne daß sie sie erst aussprechen muß, weil er sie von sich aus erkennt.«
Die Freundin lächelte ihn an, C. verstand, und er begann, sich so langsam und kunstvoll seiner Kleidung zu entledigen, wie es ihm bei seiner Aufregung und Erregung möglich war.
»Er versteht langsam, aber er versteht« bemerkte die Freundin zur Gräfin.
Nachdem er noch seinen Körper auf Anweisung der Freundin gedreht und gewendet und verschiedene Posen eingenommen hatte, die den beiden Damen erlaubten, seinen Körper exakt und gründlich zu begutachten, wies ihn die Gräfin mit einer Bewegung ihres Zeigefingers an, näherzutreten und vor ihr auf die Knie zu gehen. Sie drückte leicht seinen Oberkörper nach unten, so daß er auf allen Vieren vor ihr kniete, und zwar so, daß er genau auf das von keinerlei Höschen bedeckte Heiligste der Freundin blickte, während ihm die Gräfin sichtlich begeistert mit der linken Hand über den Po strich. All das, was die Damen vorher theoretisch erörtert hatten, hätten sie nun wahrmachen können.
Er hätte seine Zunge wunderhübsch in die Muschi der Freundin stecken und die Gräfin ihn dabei aufs herrlichste mit gräflichen Schlägen auf seinen Po beglücken können.
Wenn die Gräfin behauptet hatte, daß masochistische Neigungen und Lust an der Unterwerfung unter Männern weit verbreitet seien, dann traf dies auf C. ohne jeden Zweifel zu. Allein die Verbalerotik der beiden Damen hatte ihn aufs höchste erregt, und nun konnte er es fast nicht mehr aushalten vor lauter Begierde, mit Strenge behandelt und zur Befriedigung weiblicher Lust benutzt zu werden. Er hätte sein Leben dafür gegeben, wenn ihm die Gräfin nur ein paar Schläge mit der flachen Hand versetzt hätte, aber nichts dergleichen geschah.
Die Gräfin bediente sich – ganz wie in dem uralten Witz – der allersadistischsten Variante, indem sie ihn gerade nicht schlug, sondern ihm befahl aufzustehen.
Die Enttäuschung war ihm so deutlich anzumerken, daß er geradezu das Mitgefühl der Gräfin weckte.
»Er ist doch recht wohlerzogen«, sagte sie zu ihrer Freundin, »und ich glaube, wir müssen ihm etwas Gutes tun. Stell dich doch bitte einmal neben ihn und deinen linken Fuß aufs Sofa.«
Die Freundin tat wie geheißen und legte ihren rechten Arm zärtlich um seine Hüfte.
»Erlaube ihm, über deine Schenkel zu streichen«, befahl die Gräfin, was C. auf einen Blick der Freundin hin selbstverständlich tat. So durfte er, selbst vollkommen nackt, sich niederknien und der ganz in Schwarz und in Leder gekleideten Freundin über die schwarzbestrumpften Schenkel streichen, die sich göttlich anfühlten; es bereitete ihm allerhöchste Lust.
»Beglücke ihn!« hauchte die Gräfin auf eine Art, die ihre Erregung verriet – woraufhin die Freundin Zeige- und Mittelfinger langsam in ihre feuchte Muschi einführte, ebenso langsam wieder herauszog...
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Insofern hat C., der intelligente, aber beruflich ewig erfolglose Verehrer erhabener Frauen, ein Idealexemplar abbekommen. Zu dauerhaftem Glück gereicht ihm das allerdings nicht: Nach einer Phase, sagen wir: "harmonischer Unterwerfung", die nahezu alle (Leck-)Sklaventräume wahr werden läßt, schlägt das vorher nur gelegentlich unausstehliche Verhalten seiner "Gräfin" immer mehr ins eindeutig Menschen- und Männerverachtende um, in physische Pein, die nicht nur die Grenzen des gesundheitlich noch Zuträglichen streift, sondern auch nichts mehr von jener liebevollen Dominanz spüren läßt, die C. anfangs auf alle Höhen des siebten Sklavenhimmels getragen hatte. Am Schluß scheitert die Beziehung, und alle stehen als Verlierer da, zumindest emotional. Auch die Gräfin.
Die Ambivalenz zwischen der "weißen" (=liebevollen) und der "schwarzen" (=unleidlichen) Gräfin ist es, die diesen Kurzroman mit seinem eindrucksvollen Spannungsbogen über eine reine Wichsphantasie mit Hochglanzdomina-Abziehbildchen hinaushebt. Selten zuvor habe ich die Ambivalenz im Wesen vieler dominanter Frauen so eindrucksvoll beschrieben und samt ihren negativen, destruktiven Seiten so gut beleuchtet gesehen wie in diesem Buch.
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