Eine ziemlich verschachtelte Geschichte. Ein amerikanischer Gefängnisinsasse erzählt in einer therapeutischen Schreibgruppe die Geschichte eines verpfuschten Lebens, das auf einer mittelalterlichen Burg im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich endet.
Zunächst einmal scheint das eine ungewöhnliche Themenwahl zu sein, zumal die meisten übrigen Häftlinge in der Gruppe sich mit aktuelleren bzw. persönlicheren Dingen auseinandersetzen. Was der inhaftierte Autor mit dem erfolglosen, reichlich abgewrackten Amerikaner zu tun hat, der nach Zentraleuropa reist, um sich mit einem Jugendfreund auf einer Burg zu treffen, die dieser gerade zu einer Wellness-Oase umbauen will, wird zu Anfang nicht ganz klar.
Dann aber verrät der Autor, daß er selbst in der Geschichte vorkommt.
Während das Buch zwischen Gefängnisalltag und der sich entwickelnden Geschichte von der Burg hin und her springt, beginnt man zu rätseln, welche der Figuren wohl den Bericht über die Ereignisse niederschreibt, und warum. Die Auflösung kam zumindest für mich ein wenig überraschend und - ebenfalls nicht selbstverständlich - die dezent geschilderte Romanze, die in einem der Handlungsstränge entsteht, fand ich überhaupt nicht nervtötend oder kitschig.
Sehr gut zu lesen, ohne extremes amerikanisches Sendungsbewußtsein, ohne dummes Gelaber über mitteleuropäische Klischees und ohne hollywoodeske Figuren. Danke!