Wie 80% aller anderen Rezensoren habe ich die 'alten' Werke von Clancy verschlungen, und tue es auch noch heute (habe gerade nochmals 'Kardinal im Kreml' und 'Schattenkrieg' gelesen - sehr gut).
Beim Lesen von 'Im Auge des Tigers' (der Titel ist genaso Schwach wie das Buch) habe ich mich täglich gefragt 'ist dieses Machwerk wirklich von Clancy ???'. Das Buch ist langweilig, langweilig, langweilig (und das ist nicht einmal das Schlimmste). Öde Konversationen, Hauptdarsteller, denen es zu keinem Augenblick gelingt, Sympatien beim Leser zu wecken, und eine Ausdrucksweise, die aus der Gosse stammt.
Wo ist der bodenständige, menschenrechtsachtende Jack Ryan geblieben ??? Statt Moral und Recht gibt es nur noch eine einfache Regel: entweder USA oder Feind. Da werden Menschen vo US-Bürgern (zufällig die Neffen von Ryan *wie originell*) auf Befehl ermordet, und begründet wird es mit verweisen auf Hitler, Stalin und Mao (frei nach dem Motto: hätte man die auch frühzeitig ermordet, gäbe es eine bessere Welt). Und wer hat diese Organisation gegründet: Jack Ryan - Leser der alten Werke werden es nicht glauben können.
Unfassbar - Clancy tritt das Völkerrecht mit Füssen (und zwar mit beiden) und rechtfertigt die Handlung mit dem absoluten Recht der USA, ALLES zu tun, was ihnen passt.
Die Sprache des Buches stammt, wie bereits erwähnt, aus der Gosse : Staatsgäste des weißen Hauses sind 'Hurensöhne' oder 'Drecksäcke' (Zitat Jack Ryan Jr. aus dem Munde seines Vaters) oder im Orient geborene Menschen sind 'Kameltreiber', und und und.
Die Art, wie Deutschland oder Österreich in diesem Buch beschrieben werden, sind so typisch (dumm-)amerikanisch, dass man laut auflachen kann.
Am schlimmsten sind die schwachen Darsteller: Jack Ryan jr. ist ein Nichts - kann nichts, hat nichts, ist nichts.
Im ganzen Buch heisst es nur : 'Mein Daddy hat gesagt...', 'mein Daddy hat ...', 'Daddy meint...' - ich habe vorher noch kein Buch gelesen, in dem ein Hauptdarsteller überhaupt keine eigene Persönlichket besitzt und nur von 'Daddy, Daddy, Daddy' redet.
Fazit:
- Dieses Machwerk hat eine schlimme politische Aussage (mach was Du willst, töte wen Du willst, hauptsache es ist für die USA).
- Clancy hat den großen Jack Ryan geschaffen - eine zweite Figur zu schaffen ist ihm offensichtlich unmöglich
- die Ereignisse des 11.09. haben in Clancy jeglichen Bezug zur Realität zerstört
- der Mann ist natürlich älter geworden - nach Lesen dieses Buches muss man wohl sagen, er sollte in seinen (wohlverdienten, jetzt ruinierten) Ruhestand gehen
- Clancy hat ohne jeden Zweifel George W. Bush gewählt
Ich werden mit Sicherheit zukünftig Werke wie 'Roter Oktober, Im Sturm, Kardinal, Schattenkrieg u.a.' zum wiederholten Male lesen - ein neueres Werk (>2001) fasse ich definitiv nicht mehr an !!
Zum Gück habe ich 'Im Auge des Tigers' nur bei einem Freund ausgeliehen und nicht gekauft - jeder Euro dafür wäre zum Fenster hinaus geworfen.