Ein neues Buch - ein Krimi - von Sabine Kornbichler. Es ist zwar eigentlich was ganz Neues von ihr, aber wenn man genau hinsieht, ist es doch wieder ein gewohnt guter Kornbichler mit den Dingen, die man eben so sehr mag an ihren Büchern: Ein schönes Cover, innendrin Spannung ohne Ende, am Ende kommt alles doch anders als man vorher dachte und zwischendrin jede Menge Emotionen. Bei diesem Buch gefallen mir die Emotionen neben den supergut beschriebenen Personen am besten. Als Gregor, Helens Mann, stirbt, hatte ich die beiden schon längst ins Herz geschlossen und konnte Helens Schmerz derart gut nachempfinden, dass ich manchmal wirklich atemlos weiterlesen musste, um zu schauen, ob es ihr auf den nächsten Seiten ganz bald besser geht. Helen ist die Ich-Erzählerin, die der Frage nachgeht, ob Gregor einen Unfall hatte oder ermordet wurde, denn ihr ist im Gegensatz zur Polizei klar, dass er sich nicht selbst umgebracht haben kann. All ihre Gedanken, die Zweifel, der Schmerz, kommen so gut herüber, dass man sehr schnell im Geschehen ist und einen die ganzen Leute wieder mal nicht loslassen. Die hier beschriebene Trauer und Helens Umgang damit fesselten mich über Seiten und ließen mich stundenlang nichts anderes tun als lesen, lesen, lesen. Glücklicherweise hat Helen einige gute Seelen um sich herum, die auch mich als Leser irgendwie beruhigten. Und natürlich ist sie abgelenkt durch die Ermittlungen, die sie auf eigene Faust macht. Der Weg durch ihre Trauer ist einmalig gut beschrieben. Bemerkenswert sind die vielen Lebensweisheiten - all die Sachen, die Helen durch diese Zeit lernt, aber auch erklärt bekommt - eben von den Leuten, die sie um sich hat. So nimmt man eine Menge mit - auch für sich selbst. Aber auch Dinge, die man längst selbst kennt - Kälte, die einen schmerzt oder angenehme Menschen, die mit Kleinkindern auf Augenhöhe sprechen tauchen wie alte Bekannte auf und runden den Roman ab. Auch Wortspiele, wie steinalt miteinander werden wollen und stattdessen einen alten Stein fürs Grab aussuchen müssen - erstklassig. Schön finde ich auch die Widmungen und Danksagungen zu Beginn und Ende des Buches. Also: Lesen! Ich mag übrigens Nelli am liebsten. Neugierig? Dann zaggisch kaufen!