Schaut man zuerst einmal nach, was die Zusammenfassung über dieses Werk von Jeff Long verlauten läßt, fällt der folgende Schluß:
Kürzer und prägnanter hätten die 544 Seiten dieses Buches nicht beschrieben werden können - eigentlich wird hier alles, aber eigentlich auch gar nichts aus dem Handlungsstrang des Buches vorweggenommen. Auf jeden Fall macht diese Kurzbeschreibung definitiv eines : Neugierig und hungrig auf mehr, schürt Jeff Long doch hier einige der größten und ältesten Ängste der Menschheit zu einem literarischen Feuer, das es in sich hat. Die Aspekte der Dunkelheit, der Angst vor ebendieser und der Angst des Menschen vor dem Fremden verarbeitet der Autor in einem permanent parallel verlaufenden Erzählstrang, nicht ohne den einen oder anderen Charakter immer zeitweise in die Rolle des Protagonisten zu versetzen.
Wissenschaftliche, militärische und geologischen Fakten, die recht gut recherchiert erscheinen paarend und die Diskrepanz zwischen dem weltlichen Denken und dem Ende des menschlichen Horizontes, der sich einmal mehr durch den Begriff "Satan" manifestiert, verdeutlichend, spinnt Jeff Long ein literarisches Netz, in das sich der Leser direkt ab der ersten Seite verfängt und bis zum Ende nicht mehr abschütteln kann… oder will! Die Hauptfiguren - angefangen bei dem tragischen Helden Ike Crockett oder der Nonne und Sprachwissenschaftlerin Ali - helfen dem Leser dank unterschiedlichen Ansichten und Hintergründen, direkt in das Werk und den semi-komplexen Handlungsstrang aus Gut & Böse, Licht & Dunkelheit, Gott & Satan sowie dem aktuellen Thema der weltumspannenden Konzerne & Tycoons einzutauchen.
Es ist an dieser Stelle schwer, Highlights dieses Buches herauszuheben, habe ich es doch geschafft, es in drei Tagen komplett durchzulesen und die letzten 250 Seiten praktisch am Stück zu verschlingen. Zwar wirkt hin und wieder die ein oder andere Handlung bzw. Schlußfolgerung gewünscht retardiert, doch hinterläßt Jeff Long letztendlich einen bleibenden Eindruck, auch wenn - als einziges Manko - das Ende des Buches ("Showdown" möchte ich es nicht unbedingt nennen) durchaus komplexer hätte ausfallen können, da es meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt und daher recht plump wirkt. Auffällig ist auf jeden Fall die Darstellung der Atmosphäre der Tiefe und der dort vorherrschenden Dunkelheit, die jedem menschlichen Wesen mit einem einzelnen Geräusch bereits die Haare zu Berge stehen läßt - und genauso bringt Jeff Long diese Atmosphäre auch rüber!
Kleine Anmerkung am Rande : Im Moment ist im Kino ein Film mit dem gleichen englischen Originaltitel von "Im Abgrund" erschienen - "The Descent". Der aufmerksame Leser, der sich dann diesen Film anschaut, wird die ein oder andere Parallele zu diesem Werk feststellen können - geplanter Klau oder purer Zufall? Das weiß wohl nur der Regisseur, auf jeden Fall hat dieser Film nichts mit diesem Roman zu tun, auch wenn die dort dargestellten Höhlenbewohner durchaus eine nette Visualisierung der Hadals darstellen… ! Fest steht, das Dreamworks bereits seit ein paar Jahren (das Buch erschien bereits 1999 in den USA) die Filmrechte für dieses Werk besitzt und es hoffentlich einmal auch in seiner ganzen Intensität verfilmen wird!