Leider ist dieses Buch nur bedingt zu empfehlen.
Positiv fällt auf, dass in gegebenem Umfang aufgeklärt wird, z.B. über Täuschungen im Rahmen von Pferdebehandlungen. Es wird z.B. klar hervorgehoben, dass eine Behandlung in einer halben Stunde mit spektakulären Aktionen nicht sinnvoll ist, sondern dass es einer gewissenhaften Behandlung bedarf, welche Ruhe und Zeit beansprucht. Dies ist ganz im Sinne der Pferde.
Negativ fällt leider auf, dass das Buch eine große Anzahl Fehler beherbergt, die nicht minder täuschen, als Aufsehen erregende Behandlungen. Das kann leider von einem solchen Buch, welches sich wahrscheinlich die Aufklärung von Pferdebesitzern zum Ziel gemacht hat, nicht akzeptiert werden.
Ein paar Fehler- Beispiele seien im Folgenden erklärt.
Das Gelenk, welches Kopf und ersten Halswirbel verbindet (Atlantookzipitalgelenk) soll sich angeblich nur nach rechts und links (Seitneigung) bewegen können. Richtig ist aber, dass dieses Gelenk vor allem Flexion (Beugung) und Extension (Streckung) ermöglicht. Seitneigung und Rotation sind nur begrenzt möglich.
Im nächsten Abschnitt folgt sogleich der nächste Fehler. Das darauffolgende Gelenk zwischen erstem und zweitem Halswirbel (Atlantoaxialgelenk) wird als Kugelgelenk bezeichnet. Das ist schlichtweg falsch. Es handelt sich hier um ein Zapfengelenk, was einen großen Unterschied bezüglich der Bewegungsmöglichkeiten des Gelenks macht, womit sich der nächste Fehler darstellt. Dieses Atlantoaxialgelenk hat nämlich nicht 'nach allen Richtungen sehr viel Beweglichkeit' und kann sich nicht 'auch drehen', sondern tut dies vornehmlich. Die Rotation (Drehung) findet zu 73% (Claytin und Townsend, 1989) hier statt. Fundierte anatomische und biomechanische Kenntnisse sind Grundvoraussetzung für eine gute Behandlung. Deshalb ist es schade, dass sich in dem Buch diesbezüglich solche Fehler finden.
Noch ein Beispiel: der Sattel- die Autorin meint, das Reitergewicht müsse 'auf eine möglichst große Fläche' verteilt werden. Wenn wir aber z.B. im Buch 'Der Reiter formt das Pferd' nachlesen, erfahren wir, dass der Reiter möglichst nah am Widerrist sitzen sollte, damit der Lastarm (Entfernung vom Widerrist bis zum tiefsten Punkt des Sattels, also dort, wo der Reiter hingesetzt wird) möglichst kurz ist. Der Kraftarm (Kopf und Hals) ist dann verhältnismäßig länger und das Reitergewicht ist leichter zu tragen.
Die Autorin scheint auch der Meinung zu sein, dass die Behandlung an sich gar nicht notwendig sei, da Ruhe oder Aktivierung (je nach Fall) das Problem von alleine lösen würde. Wahrscheinlich wäre es besser, sich darauf zu beschränken, hervorzuheben, dass eine gute Versorgung Menschen braucht, die zusammen arbeiten (z.B. Reiter, Tierarzt, Osteopath, Schmied, Huforthopäde, Sattler, Trainer). Wenn sich die Erkrankungen allein beheben würden, würde es ja keine geplagten Pferde geben.
Das Buch hat leider keinen Index.