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Der Autor, dem Bild nach ein blutjunger Professor an der Otto-von-Guericke-Universität Magedeburg, steht in einer langen Reihe von Denkern, die sich mit dem Problem menschlicher Willensfreiheit befassen. Neue Aktualität erhielt die Frage, ob wir Menschen einfach gut kaschierte Roboter oder selbstbestimmende Wesen seien, durch die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung. Nicht ganz frei vom Abwehrreflex der Philosophen gegenüber branchenfremden Wissenschaftlern zieht Michael Pauen aus, um das Konzept des freien Willens zu retten. Das gelingt ihm wie allen anderen nur, indem er ein paar Annahmen als gegeben voraussetzt und gegenteilige Annahmen als Missverständnisse bezeichnet. Das ist nicht als Kritik zu verstehen, sondern liegt einfach in der Natur der Sache.
Nach Pauen ist es nicht entscheidend, ob eine Handlung determiniert, also vorausbestimmt ist, sondern wodurch sie bestimmt ist. Wird sie durch die Person selber bestimmt, dann ist sie frei. Dies und die Abgrenzungen von Vorherbestimmtheit zu Zwang und Zufall klingen in den Worten Michael Pauens plausibel. Doch für mich hatten die klugen und geschliffenen Argumentationen so wenig überirdische Beweiskraft wie die Behauptungen der Neurologen. Denn nach wie vor klingt mir der Satz des Bremer Neurologen Gerhard Roth in den Ohren, Sprache diene in erster Linie der Rechtfertigung des eigenen Verhaltens. Und wer unterwegs ist, um das Konzept der Willensfreiheit zu retten, muss sich stärker auf die Kraft der Emotionen einlassen, als dies Pauen tut. Ein Philosoph, der 2004 ein Buch über Willensfreiheit vorlegt und sich laut Klappentext im Einklang mit den neueren Erkenntnissen der Hirnforschung sieht, sollte dem limbischen System mehr Beachtung schenken und zumindest die aktuellsten Publikationen von Antonio R. Damasio und seinen Mitstreitern verarbeiten.
Ich habe die Lektüre trotz dieser Unterlassungssünde des Autors nicht bereut. Denn Pauen ist kein philosophisches Leichtgewicht, plaudert nicht munter drauflos, weicht unangenehmen Expeditionen nicht aus und zieht seinen Ansatz konsequent durch. Damit ist sein Buch kein billiges Me-too-Produkt, sondern die intensive Auseinandersetzung mit einer der schwierigsten Fragen überhaupt, eine philosophische Denkschule und ein Besuch im eigenen Kopf.
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