Ich wurde, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, die dieses Buch heute noch lesen, durch den Film "23" auf Illuminatus aufmerksam. Danach musste ich dieses Buch unbedingt haben, musste alles über die angebliche weltweite Verschwörung dieses Geheimbundes wissen.
Kaum war das Buch eingetroffen, stürzte ich mich mit Begeisterung darauf... und prompt folgte die erste Ernüchterung: Illuminatus zu lesen war verdammt anstrengend! Die Autoren wechseln ständig, ohne einen Absatz oder sonst ein Zeichen zu setzen, das darauf aufmerksam machen würde, die Protagonisten, den Schauplatz, ja sogar die Zeit. Es gibt zig verschiedene Handlungsstränge, die auch noch auf verschiedenen Zeitspuren spielen, so daß es wirklich verdammt schwierig ist, da noch den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, daß praktisch ständig die Person, die gerade im Fokus ist, irgendeine Droge eingeworfen hat und sich das Ganze dann auch liest wie ein verworrener Drogentrip.
Anfangs war das noch echt cool, mit der Zeit wurde es anstrengend und auf die Dauer ist es einfach nur lästig, sich durch seitenlanges, scheinbar zusammenhangloses Zeug zu kämpfen. Mag sein, daß ich zu wenig Erfahrung mit Drogen habe, um das richtig zu würdigen, jedenfalls hat es mich genervt.
Das alles hat dazu geführt, daß ich gar nicht alle Zusammenhänge kapiert habe. Ich verstand erst wirklich, was in Buch 1 alles geschehen war, als ich zu Beginn des zweiten Buches die Zusammenfassung des ersten Bandes las...
Ein weiterer Punkt, der anfangs noch ziemlich cool ist, auf die Dauer aber fast schon abstossend auf mich gewirkt hat, sind die vielen Sexszenen. Es vergehen keine 20 Seiten, ohne daß irgendeine "Möse gestopft" wird, jemand "einen abgekaut" bekommt usw. Die Sprache ist dabei wirklich so vulgär und läßt nicht das leiseste Prickeln von Erotik verspüren (Mein Gott, hört sich das prüde an; und das von mir! Ist aber wirklich so...).
Nun aber zum Positiven: Das Buch bringt einen wirklich dazu, einmal gründlich über alles nachzudenken und alles kritisch zu hinterfragen (ich denke, das war auch das Hauptanliegen der Autoren). Und zumindest während des ersten Bandes fragt man sich ständig, ob die Illuminaten-Verschwörung Wirklichkeit ist. Leider ändert sich das mit der Zeit, denn ab dem zweiten Band wird die Geschichte immer unglaubwürdiger.
Allerdings muss man den Autoren zugute halten, dass sie es schaffen, wirklich JEDE Verschwörungstheorie in das Buch einzubauen und dabei einen Zusammenhang zu den Illuminaten herzustellen.
Unterm Strich bleibt ein Schmöker, der auf die Hälfte gekürzt wreden könnte, wenn man die zahlreichen Drogentrips weglassen würde (aber dann würde dem Buch doch ein essentieller Bestandteil abgehen), der zumindest zeitweise fesselt und vor überhaupt nichts halt macht.
Dafür gibt's drei Sterne!
Abschliessend möchte ich noch jedem, der das Buch lesen möchte, raten: Geniessen sie es mit Bedacht. Schließlich lautet das große Motto: Nichts ist wahr; alles ist möglich. Und das trifft meiner Meinung nach auch auf "Illuminatus!" selbst zu.