Wie schon andere völlig richtig schrieben: Es wird über Sie kommen wie ein Vulkanausbruch - "Illuminatus!" ist kein Buch, das man einfach so verstehen kann. Ein irrer Mix stürzt über den Leser herein, so, als hätte man alle Blockaden aus der Wahrnehmung entfernt und mehrere Datenleitungen würden mit x-facher Geschwindigkeit in das Gehirn abladen.
Man stelle sich einfach den wildesten und irrsten Traum vor, den man jemals hatte - nach dem wird man sich schon nach ein paar Dutzend Seiten zurücksehnen als einem idealen Ort der Ruhe und Entspannung.
Natürlich dreht es sich um Illuminaten, diese mysteriösen Geheimbündler, die in der Interpretation der Autoren von Anbeginn an das Geschick der Menschheit bestimmt haben. Da diese Jungs so bekifft sind, dass Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen, turteln diese vertrauten Geländer wild um sich schlagend durch die Gegend und entziehen uns den hilfreichen Halt. Es gibt kein Vorher und Nachher, keine Ursache und keine Wirkung, kein Er und kein Ihm. Die Pyramiden sind überall, und überall ist unter uns.
Vielleicht muss das so sein. Vielleicht entsteht das richtige Lesevergnügen erst durch den Schock, den ersten Band zu schließen und sich zu fragen, ob man eigentlich überhaupt irgend etwas verstanden hat.
Aber natürlich wären Shea und Wilson ("Der neue Prometheus") nicht die genialen Fantasten, die sie nun mal sind, wäre das alles nicht feinstens verwoben und konstruiert. Es gibt die Fäden, es gibt die Logik, nur müsste man in geistiger Hochform sein, ein paar Wochen Arbeit Arbeit sein lassen und sich mit nichts anderem mehr beschäftigen, um durch das Labyrinth zu finden - Liebe und Dope sind erlaubt.
Immerhin - eine gar nicht so kleine Hilfe kann ich anbieten; aber bitte nicht weiter sagen! Die Bände 2 und 3 beginnen nämlich jeweils mit einer ausführlichen Zusammenfassung des vorherigen Bandes. Und wie das so ist mit Zusammenfassungen - sie vermitteln einen gewissen Überblick. Es empfiehlt sich also, erst einmal die Zusammenfassung am Anfang von Band 2 zu lesen, bevor man sich über den ersten Band hermacht. Leider habe ich selbst das erst realisiert, nachdem ich mit mäßigem Erfolg den ersten Band zum zweiten Mal gelesen hatte. Und heben Sie sich jede Skepsis für hinterher auf - Ihr Kopf hat bei der Lektüre einfach keine Reserven für Dialektik, wenn Sie den Stoff einparken lassen wollen.
Die Autoren würden darüber hinaus möglicherweise noch zu gutem Gras raten - aber so etwas darf man im zweitfreiesten Land der Welt natürlich nicht tun.
jury 5* A0138 13.5.2010e 7 A