Der argentinische Film "No moriré sola"( Orginaltitel ) behandelt ein wahrhaft herbes, aber traurigerweise sehr reales Thema.
Jeden Tag verschwinden in Argentinen zahlreiche Menschen. Sie werden misshandelt, ermordet, entsorgt.
In den heißen, abgelegenen Einöden ist ein Menschenleben nicht viel wert. Einheimische leben in den Tag hinein und erfreuen sich an fremdem Frischfleisch. Jagd, Vergewaltigung und Mord bedeuten Abwechslung. Dies ist wohl Fakt und nicht bloß eine erfundene Geschichte für diesen Film.
An diesen grausamen, vorhandenen Hintergrund hält sich der Regisseur Adrián García Bogliano sehr genau.
Nichts wird hinzugefügt, nichts unnötig aufgebläht, sondern werden die Verbrechen detailgetreu und direkt aufgeführt.
Die Charaktäre in diesem Film werden nicht lange eingeführt, oder klar definiert,
der Fokus liegt auf den Handlungen im Moment,
also genauso wie die Täter ihre Opfer wahrnehmen: vorhanden, aber nach dem 'Vergnügen' nicht mehr von Belang.
Hier wir alles auf eine klare Aussage reduziert und diese ist eben hart.
Von der Durchführung her ein lupenreiner 'Rape'n Revenge'-Movie.
Umgesetzt in dreckigem 70er, 80er B-Movie-Flair,
ja, hier kann das schlechte Schmuddelbild schonmal ein Pluspunkt sein.
Und ganz klar hat man sich hier auch an Klassikern des Sub-Genres, sowie dem orginalen "Texas Chainsaw Massacre" orientiert. Schmutzig wie seine Vorbilder und von der Atmosphähre her ähnlich gut gelungen.
Gegner dieser der Realität einen Spiegel vorhaltenden Filme können sagen was sie wollen, aber auch solche wachrüttelnden, auf Schock setzenden Werke haben eine Darseinsberechtigung.
Eine enorme sogar, denn sollten viel mehr Menschen soetwas sehen, sich mit dem Thema befassen und nicht einfach die Augen verschließen.
Und wer meint, dass solche Art der 'Unterhaltung' krank sei, dem muss ich offen und ehrlich sagen:
Das ist KEIN Unterhaltungsfilm! ( ja, sowas solls auch geben... )
Selbst als 'Vergewaltigung und Rache'-Film ist "No moriré sola" schon sehr hart und präsentiert übelste, kälteste Gewaltakte, diese wohl fast jeden Zuseher stumm werden lassen.
Nicht jedoch in der deutschen FSK18-Version.
Bei dem angebotenen Produkt wurden 15:22 herausgeschnitten.
Es fehlt sowohl der gesamte, 11minütige Misshandlungspart an den vier Mädchen, als auch jegliche Härte an zwei von drei Racheakten. Der dritte ist nicht die Rede wert.
Somit wurde die deutsche Kaufhausfassung der Aussage des Movies, jeglichem Schock, fast aller Härte und großteils auch der Logik beraubt.
Alles nur, weil die Jugendschützer in Deutschland auch Erwachsene 'schützen' und es nicht verstehen, wenn und warum ein bestimmter Film drastisch sein MUSS!
In Österreich dagegen scheint man nicht so kleinkariert im Denken, denn wird die deutschsprachige Uncut nur dort vertrieben.
Zur Story selbst muss ich noch anmerken, dass sie an sich alles sehr gut darstellt, aber der endgültige Schluss leider einwenig zu übertrieben ausfällt. Auch das 'coole' Posen für den Abspann halte ich für unnötig. Einziger wirklicher Minuspunkt.
Die Schauspieler sind allsamt recht gut, wenngleich die 'Bösen' hier keine Glanzleistung abliefern, die drei überlebenden Mädchen zeigen was sie können, so findet man in ihren Gesichtern jeweils zu einem anderen Grad: Verzweiflung, Verdrängung, Verwirrung, Hass, Gleichgültigkeit und ein bitterliches Wohlgefühl nach und während der Rache.
Besonders gut fiel auch die Kameraführung aus, man ist stets auf schöne, außergewöhnliche, künstlerische und anspruchsvolle Bilder aus. Hat mich sehr, aber positiv überrascht.
Die Musik ist jetzt nicht so genial, aber tut ihren Zweck.
Bewertung der FSK18-Fassung:
0.5/5 Stacheldrahtstücken - ein paar gute Bilder, aber zerstümmelter, verfälschter Film!
Bewertung der Uncut:
4/5 Polizeiautos - eigentlich ein grandioser, kompromissloser Film, mit kleinen Abzügen.