"Ill Communication" erschien 1994 und führte den Kurs von "Check Your Head" fort, ohne nachzulassen. "Sabotage" war die Hitsingle, und wir erinnern uns noch gut an das 70er-Krimiserien-Vorspann-Video. Einer der brachialsten Momente im Track-Katalog dieser Combo und einer DER Signature-Hits der 90er.
Auf dem Album bekommt man die bewährte Mischung aus Handgespieltem, Gesampeltem, Gelooptem oder gleich allem zusammen und darüber das energetische Gebrüll der weißen, jüdischen Tick, Trick und Track des HipHop. "Get It Together" glänzt durch die Anwesenheit von A TRIBE CALLED QUESTS Q-Tip, und mit "Tough Guy" sowie "Heart Attack Man" (von dem es auf der 2. CD eine großartige Live-Version gibt) besinnt sich die Band in höchst unterhaltsamer Weise auf ihre Hardcore-Roots. Auf besagter 2. CD gibt es mit "Mullet Head" noch einen weiteren Uffta-Kracher aus dieser Abteilung. Auch das übrige Zusatzmaterial ist den Preis absolut wert. Die völlig zergackerte unplugged Version von "Heart Attack Man" bewegt sich hart an der Grenze zum Peinlichen. Muß man mal gehört haben.
Es ist ein weiter Weg von "Fight For Your Right To Party" bis zu "Ill Communication": Gegen Ende der Haupt-CD kommt "Shambala", ein loser Funk-Jam unter dem obertonigen Geröhre tibetischer Mönche. Und das darauffolgende "Bodhisattva Vow" ist Adam Yauchs Bekenntnis zum Buddhismus - ein spiritueller HipHop-Track, der sich wunderbar in diese herrliche Melange aus Hüpf-Krachern, Rare-Grooves und Punk-Geschepper einreiht. Respekt. Das hätte schiefgehen können, tut es aber nicht. Von den Instrumentals ragt das lasziv auf dem Bremspedal groovende "Sabrosa" heraus. Mark Ramos Nishita, unverzichtbarer 4. Musiker, spielt Clavinet und Schweine-Orgel, daß man glaubt, jeden Moment kommt Pam Grier um die Ecke. "Bobo On The Corner" klingt dagegen mit verhallten Percussions, Feedbacks, Wah-Wah und einem stark synkopierten Beat eher nach urbaner Exploitation-Atmo, ist leider nach nichtmal anderthalb Minuten auch schon wieder vorbei.
Egal, wo man hinschaut im Kosmos der Beastie Boys: Ihre Old-School-Hausaufgaben haben sie gemacht. Ein Album wie "Ill Communication" wird musikinteressierten Menschen mit Forschergeist unweigerlich die Tür öffnen zum Soul und Funk der 70er Jahre (So erging es zumindest dem Schreiber dieser Rezension). Also haben wir es hier mit einer zu ihrer Zeit topmodernen Platte zu tun, die aber mit jeder geloopten Querflöte, mit jedem schmutzigen Beat, mit jedem nerdigen Filmsample weit über sich hinausweist und einen weiten Bogen spannt. Besser kann etwas, das von Rechts wegen in die eigentlich abschreckende Kategorie "Crossover" einsortiert gehört, nicht sein. Außerdem sind die Beastie Boys der Welt undümmste Party-Kapelle, und sowas muß es geben. Man kann ja nicht immer nur Radiohead hören. "Ill Communication" gehört (mit "Check Your Head") zu den besten Platten seiner Dekade. Ein Klassiker.