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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hockenberry schreibt die Ilias neu , 2. August 2006
Dan Simmons Ilium wird auf drei Handlungsebenen erzählt, die zum Ende der Geschichte hin auf überragende und überraschende Weise zusammenlaufen.
Auf einer Handlungsebene ist der schrullige Held Thomas Hockenberry, ungefragt nach seinem Tod in den Dienst der olympischen Götter gezwungen, damit beschäftigt alles was die Welt über den Krieg von Troja weiß gehörig durcheinander zu bringen. Er schläft mit Helena und hetzt Griechen und Trojaner gegen die allmächtigen Götter auf, was natürlich seitens der launenhaften Götter weder unbemerkt noch ungesühnt bleiben kann.
In einer anderen Zeit und an einem anderen Ort leben die letzten paar Menschen der Erde ein scheinbar paradiesisches Leben. Sie sind arglos und trottelig und beinahe wie Tiere leben sie in den Tag hinein, von einer Party zur nächsten und von einem Geschlechtspartner zum nächsten. Sie haben fast alle Kulturtechniken ihrer Vorfahren verlernt und nehmen die Roboter, die ihnen dienen, ebenso für selbstverständlich wie die Tatsache, dass ihr Leben mit genau 100 Jahren zu Ende ist. Aber als der 99 jährige Harman beschließt Fragen zu stellen und herauszufinden warum er zu den sagenumwobenen Nachmenschen in die Orbitalringe aufsteigen soll und wie es dort aussieht, gerät die scheinbare Idylle seiner Welt plötzlich aus den Fugen. Er und seine Freunde Daeman, Ada und Hannah machen sich auf die Reise und treffen auf Savi eine uralte Frau aus einem vergangenen Zeitalter und diese wiederum stellt den vier Altmenschen den sagenhaften Helden Odysseus vor. Wie er in eine kryostatische Kammer gelangte und dazu noch tausende von Jahren in der Zukunft wieder aufwachte, das weiß nur er allein. Zusammen aber entwerfen die sechs ungewöhnlichen Menschen einen Plan und der wird die arglosen Altmenschen aus ihren paradiesischen Träumen herausreißen und sie mitten in einen herauf dämmernden Krieg hinein stoßen.
Zur gleichen Zeit aber weit entfernt werden von dem Jupitermond Europa aus verblüffend menschliche Roboter, Moravecs genannt, mit der Mission betraut seltsam bedrohliche Erscheinungen auf dem Mars zu untersuchen und im schlimmsten Fall mit einer mächtigen Waffe dagegen anzugehen. Nur zwei Moravecs, nämlich der verträumte Shakespearefan Mahnmut und der realistische Proustverehrer Orphu, überleben diese Mission und entdecken auf dem Mars tatsächlich Haarsträubendes - auch wenn sich auf ihren halbbiologischen Körpern keine Haare befinden. Ihre Mission scheint zum Untergang verurteilt, denn die neu zugezogenen Marsianer - wer immer diese mächtigen Wesen sein mögen - sind über die Einmischung der Moravecs gar nicht erfreut. Aber die Moravecs erhalten beinahe in letzter Sekunde eine unerwartete und ungewöhnliche Unterstützung.
Soweit zur Handlung, die vielschichtig, genial ausgeklügelt und extrem spannend ist.
Es ist ein Hochgenuss sich von Dan Simmons in die sehr realistisch geschilderte Geschichte um den Trojanischen Krieg entführen zu lassen, zu lesen wie jene weltberühmten Helden fühlen, denken, kämpfen und sterben, und man muss nicht unbedingt ein Kenner der Ilias sein, um Simmons tiefsinnigen Humor, sein fundiertes Fachwissen und seinen genialen Erzählstil zu schätzen. Gleichzeitig aber versteht es Simmons diese antike Sage gekonnt in einen spannenden und erschreckenden Science Fiction Epos einzuflechten.
Wertung:
Das ist einer der besten und ambitioniertesten, durchdachtesten und von Wissen und Geist sprühenden Science Fiction, den ich seit Frank Herberts Dune las.
Leider ist der Einstieg in die Geschichte etwas schwerfällig, die ersten hundert Seiten erfordern Durchhaltevermögen, dann aber reißt einen die Spannung vollkommen mit. Auch die langen Zitate aus Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" waren oft ermüdend und trugen nicht unmittelbar zum Gang der Geschichte bei. Andererseits sind viele Bezüge zu Shakespeares Werk "Der Sturm", aus dem wichtige Figuren des Buches wie Prospero, Caliban, Sycorax und Co. stammen, leider nicht näher erläutert. Man sollte also dieses Drama von Shakespeare schon kennen um die geistreichen Andeutungen des Autors zu verstehen.
Und auf jeden Fall muss man sich auch die Fortsetzung "Oplympos" zulegen, wenn man wissen möchte wie der "Trojanische Krieg" ausgeht, und natürlich will man das wissen ;-)- denn wer einmal Dan Simmons, diesem Gott unter den SF-Autoren verfallen ist, der wird ihn immer wieder lesen.
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41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Diese Helena ist es wert, fragt Hockenberry!....., 23. Februar 2006
Um einmal Stephen King zu zitieren: "Dan Simmons schreibt wie ein Gott!" Noch nie hat mir das Lesen einer Space Opera so viel Spaß gemacht wie im Fall von Ilium. Zurück zur Geschichte: inmitten der Wirren des Trojanischen Krieges findet sich der ehemalige Philosophie-Professor Thomas Hockenberry wieder. Er hat keine Ahnung wie er dort hingekommen ist, aber er ist da, noch. Im Auftrag der Muse Melete berichtet er dank modernster Technologien live vom Trojanischen Krieg, beinahe schon zu live für seinen Geschmack. Um ihn herum tobt ein Gemetzel wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat. doch halt. Hockenberry ist Experte für Homers Ilias, doch was er sieht entspricht nicht dem was der alte griechische Poet niedergeschrieben hat. Doch wieso? Hockenberry macht sich auf die Suche nach Antworten. Doch er bleibt nicht unbeobachtet, die Götter des Olymps haben ein Auge auf ihn geworfen. Währenddessen gehen irgendwo anders in der Galaxis fünf Moravecs, biochemische Cyborgs, auf eine Entdeckungsreise die, die merkwürdigen Vorkommnisse auf dem Mars aufklären sollen. Ihre Reise führt sie zum Olympos Mons, dem höchsten Berg der Galaxis, wo ein schrecklicher Krieg stattfindet. Zur selben Zeit auf der Erde frönen inzwischen Daeman, Harman und Ada ihren sexuellen Vorlieben, die sie unterwegs auf Odysseus treffen lässt. Der Seefahrer und Kriegsherr unterrichtet sie in „Leben“ und führt sie zu verborgenen Plätzen der Erde, die nur noch von wenigen Menschen bewohnt wird. Dabei stoßen sie auf ein lange gut gehütetes Geheimnis über die Vergangenheit der Menschheit. Eine Odyssee beginnt. Dan Simmons bisheriges Meisterwerk ist in jeder Hinsicht über alle Zweifel erhaben. Es klotzt wo es muss und kleckert nicht, oder wie wir Österreicher sagen würden, es ist von vorne bis hinten einfach nur geil. Es ist spannend, unterhaltsam, sexy, intelligent, interessant und obendrein animiert es so manchen zum Lesen der Ilias, mich zum Beispiel. Daher kann ich Ilium allen Freunden von Space Operas und all jenen die gerne mal einen Blick riskieren wollen, nur ans Herz legen, sie werden es nicht bereuen. Ein echtes Meisterwerk.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wiedermal genial!, 13. Juni 2004
Dan Simmons hat sich wieder einmal selbst übertroffen!Die Geschichte spielt in einer fernen Zukunft und enthält drei Handlungsebenen. Thomas Hockenberry, Philosophie-Professor und Homer-Experte wird nach seinem Tod von den griechischen Göttern auserwählt, vom Trojanischen Krieg zu berichten. Nach jahrelangem Dasein als Scholiker, bemerkt er Unterschiede zwischen den aktuell stattfindenen Kriegshandlungen und Homers Illias. Auf der Erde gibt es nur noch sehr wenige "Altmenschen". Sie leben inmitten einer Technologie, die sie ständig benutzen aber schon lange nicht mehr verstehen. Ihr Dasein erinnert stark an das der Eloy in H.G. Wells' "Zeitmaschine". Nach Ewigkeiten des geruhsamen Lebens, beginnt eine Gruppe dieser "Altmenschen" kritische Fragen zu stellen und ihre Welt zu erkunden. Im äußeren Bereich des Sonnensystems existieren Maschinenwesen, die einst von der Menschheit ausgeschickt wurden, um neue Rohstoffquellen zu erschließen. Sie bemerken seit einiger Zeit eine merkwürdige Quantenphasenverschiebungsaktivität auf dem Mars, die die Raum-Zeit-Struktur massiv schädigen kann. Um diese seltsamen Vorgänge aufzuklären, entsenden sie ein Raumschiff. Das Buch ist extrem spannend geschrieben und enthält auch zahllose Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen. Simmons macht die Sinnlosigket des Krieges und die möglichen Auswirkungen der Handlungen von Einzelpersonen auf geschichtliche Abläufe deutlich. Eine Vielzahl ungeklärter Fragen am Ende des Buches, deutet unmissverständlich auf eine Fortsetzung hin. Ich kann das nur begrüßen!
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