Auf die Gefahr hin Aussagen anderer Leser zu wiederholen, die diesen Roman hier bereits besprochen haben, komme ich dennoch nicht um eine "Kritik" dieses außergewöhnlichen Buches herum.
Wer hier einen historischen Roman erwartet, wird zumindest überrascht sein, residieren die Götter des Olymps doch auf dem Marsberg Mounts Olympos und man schreibt das Jahr 3000.
Die Götter, nanotech-manipulierte Geschöpfe ungewisser Herkunft, entsenden durchs Raum-Zeit-Kontinuum mit HighTek ausgerüstete Beobachter, geklonte Menschen vergangener Epochen, an den Schauplatz der legendären Schlacht um Troja und greifen auch selbst wunderwirkend ins Geschehen ein.
Die Ereignisse eskalieren, als sich einer der Beobachter, Literaturprofessor Hockenberry aus dem 20. Jahrhundert, der Willkür der Allmächtigen zu widersetzen beginnt, eine Affaire mit der schönen Helena anfängt und Trojaner und Griechen zum Kampf gegen die Götter anstachelt...
Unterdessen machen sich aus dem Asteroidengürtel künstliche Intelligenzen auf, um die ungewöhnlichen Ereignisse auf dem Mars aufzuklären und den Missbrauch des Raum-Zeit-Kontinuums, der eine stellare Katastrophe herbeibeschwört, zu beenden.
Derweil fristet auf der zukünftigen Erde im Jahr nach 3000 der vergnügungssüchtige Rest der Menschheit ein kulturloses "Eloi"-Dasein und die höherentwickelten "Nachmenschen" wurden inzwischen in ihren Orbitalstädten von einem Monster aus dem Kontinuum, Caliban, dahingemetzelt.
Das mag nun alles recht durchgeknallt klingen.
Der Autor schafft es aber, ein faszinierendes, bizarres Universum zu erfinden, das den Leser, der sich erstmal in das umfangreiche Werk eingelesen hat, nicht mehr so schnell aus seinem Bann läßt.
So fiebert man schon bald mit den plastisch dargestellten Figuren, erlebt (recht drastisch geschilderte) historische Schlachten, stellare Katastrophen und düster-gruselige Episoden, gewürzt mit einem Volkshochschulkurs "Literaturgeschichte für Fortgeschrittene".
Wie bereits in seinen beiden vorherigen Mammut-Epen "Hyperion-Gesänge" und "Endymion" (die ich bedingungslos zum Lesen empfehle!) ist dies Teil 1 einer Folge von 2 Büchern, da die Werke aus verlagstechnischen Gründen (Umfang!) zweigeteilt wurden.
So stellt Simmons wieder im ersten Teil, hier "Ilium", die Fragen: wer sind die Götter und weshalb ihr Interesse an Troja, wieso verschönern die "Kleinen Grünen Männchen" den Mars mit Steinkopfmonumenten, wie kam es zum grausigen Schicksal der Nachmenschen und was ist mit den vielen verschwundenen Altmenschen geschehen, was treiben die ausserirdischen Voynixe auf der Erde etc...
Der in Vorbereitung befindliche Teil 2 "Olympos" wird endlich die Antworten liefern und wer bereits "Ilium" gelesen hat,
wird die Fortsetzung garantiert keinesfalls verpassen. Ich bin jedenfalls schon gespannt!!!
Absoluter Tipp nicht nur für Science Fiction-Freunde, kreiert Simmons hier doch einen wirklich anspruchsvollen und visionären,
dabei aber auch spannenden und actionreichen Lesegenuss.
Höchstwertung!