Mit dem Buch "Il cimitero di Praga" ("der Friedhof von Prag") ist Umberto Eco, der mit den Büchern "Der Name der Rose" und "Das Foucaultsche Pendel" zwei weltweit gepriesene Bestseller geschaffen hat, wohl nicht ganz der große Wurf gelungen.
Die Struktur des Romans (verschiedene Rückblenden zweier Erzähler, die beide an Gedächtnisverlust leiden und in einem gemeinsamen Tagebuch ihre gemeinsame Lebensgeschichte rekonstruieren) erscheint gekünstelt und zu durchsichtig und dem Leser ist von Anfang an klar, dass es sich bei den zwei Erzählern um ein und dieselbe Person handelt.
Erscheint zumindest der Inhalt des Romans anfangs noch interessant (die Wirren um die Einheit Italiens werden erstmals aus einer etwas anderen und weniger heroischen Perspektive dargestellt), wird das Buch dann zunehmend konfuser, indem sämtliche nennenswerte Ereignisse der Zeit auf eine Figur projiziert werden. Der Autor misch hier wild und mutwillig die verschiedensten effektiv belegbare geschichtliche Fakten, indem er ein aufreisserisches Gemisch aus Okkultismus, Freimauerei, Weltverschwörungstheorien, politischen Intrigen verschiedenster Geheimdienste, Attentaten, satanistischen Sexorgien produziert, was dem Buch seine Glaubwürdigkeit nimmt.
Selbst der Zweck des Autors (ein Hinweis hierzu erfolgt im Nachwort), die mutwillige Erfindung und Verbreitung von Verleumdungen gegen die Juden anzuprangern, scheint hierbei nicht wirklich gelungen zu sein.
Dem widerlichen Hass der Hauptfigur und die offen antisemitischen und antiklerikalen Gedanken sämtlicher (und wirklich aller!) im Roman auftretender Figuren wird im Buch nichts entgegengestellt. Und die zahlreichen historisch belegbaren Fakten und Begebenheiten können den ununterbrochen wiederholten Hasstiraden - zumindest in einem historisch weniger gebildeten Leser - eine gewisse Glaubwürdigkeit verleihen. Aufgrund dieses Schwachpunkts wurde das Buch in der italienischen Presse zum Teil auch als politisch "gefährlich" eingestuft.
Dies soll nicht heißen, literarische Werke müssten political correct sein (im Gegenteil, gegen den Strom zu schwimmen verleiht Werken oft sogar etwas Brisanz und macht sie interessanter), dennoch hat der Autor (ebenso wie Dürrenmatts Physiker) eine gewisse Verantwortung über sein Schaffen und sollte möglichst zu vermeiden versuchen, dass Werke nicht politisch missbraucht werden können.
Dies sollte vor allem angesichts der - wie der Autor im Nachwort meint - noch immer zahlreich kursierenden "Kapitäne Simonini" gelten, die immer noch zirkulieren, um gezielte Unwahrheiten zu den behandelten Themen zu verbreiten.
Sowohl in diesem Sinne "erzieherisch" (im Sinne eines Alessandro Manzoni) als auch literarisch überzeugt Eco mit diesem Buch nicht.