Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Herren Carreras, Domingo, Pavarotti von den Drei Tenören haben einst mit Erfolg begonnen, was nun von Il Divo weitergeführt wird, -- wenn auch in leicht abgewandelter Form. Hatten sich Erstere einem ausschließlich klassischen Repertoire verschrieben, so überschreiten die vier Mitglieder von Il Divo mühelos die Grenze zur Unterhaltungsmusik. Ursache hierfür mag der höchst unterschiedlich künstlerische Werdegang der Sänger sein. Es ist schon eher ungewöhnlich, wenn man, wie der Schweizer Tenor Urs Buhler, bis zu seinem 17. Lebensjahr in einer Hardrockband singt, um dann rund zehn Jahre später unter Claudio Abbado im Chor der Salzburger Festspiele aufzutreten, oder wie im Falle des französischen Popsängers Sebastien Izambard mit Superstar Johnny Haliday und als "Der kleine Prinz" im gleichnamigen Musical musikalische Erfahrungen zu sammeln. Tenor David Miller aus den USA und der spanische Bariton Carlos Marin blicken dagegen auf eine eher gradlinige klassische Ausbildung zurück.
Alle Vier sind Il Divo, und verkörpern perfekt, was der Name bedeutet, nämlich "göttlicher Künstler" oder "männliche Diva". Sich letzteres vorzustellen fällt nicht schwer, vor allem in Anbetracht ihres optischen Erscheinungsbildes, das den California Dreamboys alle Ehre machte. Doch auch in stimmlicher Hinsicht befindet sich alles am rechten Platz. Technik und Virtuosität aller vier Sänger sind unbestritten, ebenso wie die perfekten Orchesterarrangements mit modernen Popelementen. Auf insgesamt zwölf emotionsgeladenen Stücken belegen Il Divo, dass große Arien genau wie Popsongs dem Funken der Leidenschaft entspringen müssen, um den Zuhörer zu berühren. "Regresa A Mi", besser bekannt als "Unbreak My Heart" von Toni Braxton kann sich ebenso hören lassen wie Altmeister Sinatras "My Way", hier "A Mi Manera". Dennoch gelingt es Il Divo nicht, dieses Maß an Intensität und Originalität über das gesamte Album hinweg durchzuhalten. Paradoxerweise macht gerade das Highlight "Nella Fantasia" deutlich, was Il Divo fehlt: das Göttliche der Inspiration jenes Künstlers, auf dessen Stück Gabriel¹s Oboe aus dem Soundtrack zu The Mission es basiert: Ennio Morricone. Männliche Diven lassen sich zwar casten, wie die vier, die erst nach einem zweijährigen weltweiten Vorsingen ausgewählt wurden, -- nicht aber göttliche Künstler. Dennoch ist Il Divo sicherlich ein unbeschwertes Hörvergnügen. Andreas Schultz