Ich wollte schon wieder enttäuscht wegen des immergleichen rosa Mädchenmangaschunds aus der Comicabteilung gehen, bis mir ein roter Band ins Auge ragte, den ich noch nicht kannte. Carlsen Comics hat es tatsächlich gewagt mal wieder eine Serie abseits der üblichen romantischen Komödie und dem weiblichen Mainstreamkäufer von 12-17 Jahren zu veröffentlichen und mittendrin die Biografie des Ikkyu, einem Zen-Buddhistischen Mönch, herauszubringen (oder besser gesagt, zu "verstecken").
Die Reihe "Ikkyu" beschreibt das Leben und vorallem Wirken des bekannten und als exzentrisch geltenden Zen-Meisters, der als Kind ins Kloster geschickt wurde um einem Attentat auf sein Leben entgegenzuwirken. Schließlich ist Sengikumaru (so sein Geburtsname) kein normaler Bauernjunge, sondern der Sohn des Kaisers. Voll Zweifel aufgrund seiner Herkunft, dem Lebenssinn, den Widersprüchen des Mönch-Daseins versucht er seinen Weg, vorallem durch Humor, zu meistern und geht keinen Konflikt aus dem Weg.
Angereichert ist die Geschichte zudem mit den Wirren der Kriegshandlungen zwischen nördlichem und südlichem Hof und dem Leben der Menschen zu dieser Zeit. Wobei "Wirren" tatsächlich zutrifft, denn wenn man die japanische Geschichte nur im Asatz kennt, sind die meisten Kaiser, Familiennamen und Regierungswechsel nur Randnotizen, die man eben hinnimmt, die aber leider manchmal den sonst sehr flüssigen Storyverlauf stören.
Der Handlungsaufbau und vorallem die Zeichnungen Sakaguchis sind allerdings großartig. Der Zeichenstil stellt eine perfekte Mischung aus leicht überzeichneten Shonen-Manga-Charakteren, die man auch mal in albernen Situationen vorfindet und kalligraphisch anmutenden Pinselstrichen, die mal stilisiert, mal realistisch wiedergegeben nicht nur das Auge wunderbar unterhalten.
Für jeden der Lone Wolf and Cub, Vagabond, Lady Snowblood und Sonne und Mond mag.