Doch, doch, den gabs schon mal auch im damals noch westdeutschen im TV, allerdings muss das irgendwann Mitte bis Ende der 80er-Jahre gewesen sein, und seit dem verschwand er in der Versenkung bzw. den Archiven der Öffentlich/Rechtlichen, die uns heutzutage lieber bei ständig steigenden Zwangsgebühren mit der 4096ten Wiederholung von Uralt-Tatorten quälen oder mit "Wetten dass", wo auf gefühlte 12 Stunden Sendezeit mittlerweile nur noch drei Wetten kommen...
Damals war eben doch noch einiges besser. So habe ich den Film dann als wohl 13 bis 15-Jähriger gesehen, irgendwann vergass ich den Titel und im Laufe der weiteren Jahre blieben mir dann nur noch die eine, atmosphärisch allerdichteste und fraglos gruseligste Sequenz und die Worte "Tigger Fun" im Gehirn hängen... Ja, es ist die Szene, wo die "Tornado" entdeckt wird!
Eben über exakt jene Szene stolperte ich zufälligerweise dann vor etwa 6 Monaten bei Youtube, dort als "Exploring derelict space ship in rare Soviet-style SF film" gespeichert. Jetzt endlich hatte ich den Filmtitel wieder... doch mit DVD war es Essig, da er offensichtlich noch nicht auf DVD veröffentlicht war. Auch eine Suche bei Amazon.de brachte damals keinen Treffer... bis vor einigen Tagen, wo meine "Persönlichen Empfehlungen" von Amazon dann plötzlich doch "Ikarie XB1" mit anzeigten.
Beim Wiedersehen hat der Film natürlich einiges von seiner Kraft verloren die er damals auf mich hatte. So ist es natürlich das Alter und die damalige Vorstellung von der Zukunft, die heute antiquiert wirkt. Doch kann es das alleine nicht sein, haben andere Filme ähnlichen Alters wie "Die Zeitmaschine" oder "Der Kampf der Welten" doch ihre Wirkung auf mich wesentlich besser halten können.
Es ist die Handlung, die leider doch irgendwie "zusammengestückelt" wirkt, und der es nicht richtig gelingen will, das Gefühl einer Jahre währenden Reise rüberzubringen. Persönliche Probleme der Besatzung und ein aufkeimender "Raumkoller" werden zwar angesprochen, aber nicht überzeugend ausgearbeitet.
Der Film erreicht aber seinen Höhepunkt etwa in der Mitte, wenn die "Tornado" entdeckt wird. Hier wären die vollen 5 Sterne angebracht. Eine atmosphärisch derart dichte, beklemmende, packende, gruselige, überzeugende Szene die sich auch wirklich Zeit nimmt um ihre Wirkung voll zu entfalten, gelingt auch heutigen Filmemachern kaum noch! Beleuchtung, Aufbau, Musik... hier stimmt einfach alles!
Auch am Ende dieser Szene überzeugt die Tricktechnik wohl gerade durch ihre damalige Unvollkommenheit. Ein US-Regisseur würde heute eine grandiose Explosion mit Trümmern und lautem Krachbumm in allen Cinemascope-Farben aus dem Computer zaubern. Damals gab es einen stummen, grellen Lichtblitz... und dann nichts mehr... Doch genau so würde eine Nuklearwaffe im leeren All wohl wirklich explodieren. Hut ab vor der "Tornado-Szene"! Ich weiss nun, warum sich gerade diese Szene so in mein Hirn gebrannt hat, während ich nahezu alles andere vom Film vergessen hatte.
Danach lässt der Film aber leider wieder nach. Das nächste Abenteuer der Crew, wo der Dunkelstern seine unheilvolle Wirkung zeigt, überzeugt weit weniger. Hier ist wieder die typische SF der 50er-Jahre zu sehen und die "Zusammenstückelung" der Geschichte, deren Teile irgendwie nicht so recht zusammenpassen wollen. Und dann im 22. Jahrhundert ausgerechnet eine Rakete(!) mit der Nachricht von der gefährlichen Existenz des Dunkelsterns an die Erde zurückzusenden... Nein, das hat wohl auch damals nicht recht überzeugen können und heute schon gar nicht mehr.
Dabei überzeugt gerade das Raumschiff, die längliche "Ikarie XB1", mit seinem ungewöhlichen, auf der kompletten Unterseite(!) verteilten Antrieb. Keine Warp-Gondeln, keine fauchenden Düsen...nur am Filmanfang sind ganz kurz typische Raketentriebwerke zu sehen, danach gleitet das Raumschiff nur noch auf seinen geheimnisvollen, segmentierten, pulsierenden Antriebselementen aus am "Schiffsbauch" montierten "Motoren" durchs All.
Auch das Filmende hatte ich nicht ganz vergessen, ist es doch offen gelassen und lässt es doch Raum für eigene Spekulationen... ich will hier nichts verraten, aber das Ende ist wieder eine der stärkeren Sequenzen des Films und der Vergleich mit Kubriks "2001" sicher nicht übertrieben. So soll es auch eine US-Version des Films mit dem Titel "Voyage to the End of the Universe" und mit verändertem Ende geben, wo die Raumfahrer auf einem Spiegelbild der Erde landen... Doch diese DVD ist die Originalversion des Films mit dem Originalende.
So bleiben mir nach dem "Neusehen" 3 von 5 Sternen zu vergeben. Den antiquert wirkenden Szenen und der etwas "zusammengestückelten" Handlung steht vor allem die "Tornado-Szene", aber auch das interessante Raumschiff und das wieder überzeugende Filmende entgegen.
Fazit: Kaufen? Ja. Alleine schon wegen der packenden "Tornado-Szene" und dem wirklich originellen "Ventral-Antrieb" (hat jemand einen besseren Namen für das Ding? ;-) der "Ikarie XB1".
Und weiter? Tja, jetzt suche ich noch "Odysseus und die Sterne"... ebenfalls ein verschollener SF-Schatz des "Ostblocks", dessen (ebefalls vergessenen) Titel ich vor kurzem wieder in Erfahrung bringen konnte, der aber leider (noch) nicht auf DVD zu bekommen ist.