Kurzbeschreibung
Ich kriege posttagtäglich einen herrlichen Brief von Lichtenberg, der mir eine recht delicieuse Nahrung gibt", hat Georg Forster geschrieben. Noch der Leser des 20. Jahrhunderts wird das Urteil Forsters nachvollziehen können. Dieser Band bietet eine von einem der besten Kenner des Lichtenbergschen Werkes verantwortete Auswahl aus den Briefen. Wer am Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts sich vergegenwärtigen möchte, welche Kunst des Briefschreibens vor 200 Jahren möglich war, der lese die Briefe Lichtenbergs. Mag er längst keine Briefe mehr schreiben, längst keine mehr empfangen - er wird bezaubert sein, bezaubert vom Einfallsreichtum und dem Witz dieses Epistolographen, von seiner unvergleichlichen Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, das Gesehene darzustellen. Ja Lichtenberg stellt nicht nur dar, er denkt zugleich über das Darstellen nach, verbessert sich, setzt neu ein, bringt Einwände vor, widerlegt sie und führt doch den Leser, den er durch diese Art geschriebenen Redens gefangennimmt, bis ans Ende des Briefes. Etwa 1750 Briefe sind von ihm im Wortlaut ganz oder wenigstens fragmentarisch erhalten geblieben und liegen seit einigen Jahren in vier umfangreichen Bänden bei C.H.Beck vor. Daraus hat Ulrich Joost eine Auswahl der schönsten und wichtigsten Texte getroffen.
Über den Autor
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), war Naturwissenschaftler und Schriftsteller. Er zählt zu den geistreichsten Satirikern der deutschen Aufklärung. Lichtenberg war das 18. Kind eines Generalsuperintendanten. Nach dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften wurde er 1770 in Göttingen Professor für Experimentalphysik und Naturwissenschaften. Abgesehen von seinen Sudelbüchern äußerte sich seine literarische Tätigkeit u.a. in der Herausgabe des Göttingischen Taschen-Calenders (ab 1777 bis zu seinem Tod) und des Göttingischen Magazins der Wissenschaften und der Literatur (1780-1785). Wegen seines körperlichen Leidens (eine Rückgratverkrümmung, die Zwergwuchs zur Folge hatte) führte Lichtenberg bis zu seinem Tod ein zurückgezogenes Leben.Ulrich Joost ist Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte und allgemeine Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt.