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In diesem Buch setzt sich Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Erich Fromm mit dem Alten Testament (AT) auseinander und zwar auf eine nicht-theologische Art und Weise. Nach seiner Auffassung geht es im AT um die Befreiung des Menschen. Er selbst ist weder Christ noch praktizierender Jude. Seine Interpretation des AT ist die des radikalen Humanismus.

Er betrachtet das AT nicht als Wort Gottes, sondern geschichtswissenschaftlich als ein Buch, das von unterschiedlichen Menschen, die in unterschiedlichen Zeiten gelebt haben, verfasst wurde. Dennoch hält er das AT für ein außergewöhnliches Werk, in dem viele Normen und Prinzipien zum Ausdruck kommen, die die Zeiten überdauert haben. Die Autoren müssen sehr weise gewesen sein.

Es geht nach Fromm im AT um das Bemühen der Menschheit - durch den Erwerb von Selbst-Bewusstsein bzw. Erkenntnis einst symbolisch aus dem Paradies vertrieben - die Verantwortung für ihr Leben und dessen gesellschaftliche Bedingungen selbst zu übernehmen und aktiv zu verändern. Der Mensch entwickelt sich von einem gehorsamen Diener hin zu einem freien Menschen, der seine Geschichte selbst schreibt. Mit dieser Freiheit kann er nur klarkommen, wenn er mit seinen Mitmenschen und mit der Natur zur Harmonie (zurück)gelangen kann.

Von diesem Ideal sind wir weit entfernt und die Frage sei erlaubt, ob diese Aufgabe den Menschen nicht überfordert. Unabhängig davon gehört "Ihr werdet sein wie Gott" zu den Klassikern, die man gelesen haben sollte. In meinen wenigen Zeilen kann ich nur einen minimalen Eindruck von dem vermitteln, was Erich Fromm in seinem Werk zum Ausdruck bringt. Es ist kein Schmöker, sondern ein Buch, mit dem man sich auseinandersetzen muss.
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am 4. Februar 2009
Erich Fromm beschreibt sehr gut anhand des Alten Testaments, wie sich das Gottes- und Menschenbild in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat, was es damals und heute bedeutet und vor allem, welche Schlüsse man daraus ziehen kann.
Er erklärt seine Ansichten klar und verständlich, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass der Autor eine Verknüpfung zum heutigen Menschen bildet. Dafür hätte Fromm gerne die jüdische Religionsgeschichte kürzen dürfen, die das Buch passagenweise für einen Nicht-Juden recht langatmig macht.
Insgesamt ein empfehlenswertes und lesenswertes Werk für den interessierten Humanisten- Laien oder Profi und für alle, die das Alte Testament mal nicht- kirchlich erklärt haben wollen.
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am 21. Oktober 2008
Ein Buch für jeden der sich mit Religion, Philosophie, Freiheit und dem Menschen beschäftigen will. Humanist Fromm interpretiert das Alte Testament mit seinem tiefgründigen Denken. Obwohl er sich als Nicht-Theist sieht, ist die Bibel (aber auch der Talmunt) für ihn wichtig. Aus seiner Sicht sind diese Bücher das Fundament jedes Humanisten.
Wer jetzt aber glaubt Fromm huldige der Kirche, der liegt verkehrt. Fromm zeigt eine andere Variante Bibelstellen zu interpretieren, dabei geht er eher in Konflikt mit der/den Kirchen. Schnell macht er dem Leser klar, das die Religion/en sich von ihren Schriften abwandet um selber das zu tun, was sie eigentlich vermeiden sollten: Götzendienst!!!

Ein unwarscheinlich gut gelungenes Werk. Man muß die Bibel nicht kennen um es zu lesen, dennoch schadet ein geringes Vorwissen nicht (z.B. wenn man die Persoenen daraus kennt, z.B. Moses). Es verleitet zum selber denken und interpretieren und mögen die Gedankengänge nicht den eigenen Gedankengängen entsprechen, so schafft er es dennoch, dass man sich mit dem Inhalt auseinandersetzt und nachdenkt und nicht alles mit "Amen" übernimmt. Für Menschen die Fromm nicht kennen, sei angemerkt: Es ist ein Sach- bzw. Fachbuch. Es ist kein Unterhaltungsroman oder Klolektüre. Man benötigt Ruhe, Zeit und Konzentration um es zu lesen. Für Leute die Angst vor Anstrengung haben oder die bei Rezesionen bei Sachbüchern Sätze wie "zu trocken" oder "zu anstrengend" beifügen, also nicht geeignet.

"Ihr werdet sein wie Gott" ist (aus meiner Sicht) die Ideale Ergänzung zu "Haben oder Sein". Er zeigt den Menschen seine Fähigkeiten, um zu dem zu werden, von dem er ein Abbild ist.

Ein Buch das FÜNF STERNE wirklich verdient, im Gegensatz zu manch anderen Büchern, die zwar fünf Sterne bekommen, aber maximal die Hälfte verdient hätten.
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am 3. Februar 2013
In der Schrift ‚Ihr werdet sein wie Gott’ setzt sich Erich Fromm kritisch mit dem Alten Testament auseinander. Provokativ sind die Eingangsfragen des Autors: “Ist die Hebräische Bibel, das Alte Testament mehr als ein historisches Relikt, dem man seine Verehrung zollt …? Hat sie dem heutigen Menschen überhaupt noch etwas zu sagen …?“.

Auch wenn Fromm die Bibel nicht als „Wort Gottes“ betrachtet, stellt sie für ihn ein „revolutionäres Buch“ dar, „in dem viele Normen und Prinzipien zum Ausdruck kommen, die über Jahrtausende hinweg ihre Gültigkeit bewahrt haben“. Fromm interpretiert die Bibel als Ausdruck eines „radikalen Humanismus“, als Appell an den Menschen, „die eigenen Kräfte zu entwickeln, zur inneren Harmonie und zur Errichtung einer friedlichen Welt zu gelangen“.

Hintergrund

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die Bibel eine Kompilation verschiedener Schriften ist, die zwischen 1200 v. Chr. bis 100 v. Chr. entstanden sind. Damals kämpfte das Volk der Juden gegen schier übermächtige Gegner und bewahrte trotz Verlust des Staates seine Identität auch in der Diaspora. „Da sie zu den Leidenden und den Verachteten gehörten, waren sie in der Lage, eine Tradition des Humanismus zu entwickeln und zu bewahren“. Überraschenderweise entwickelten sich weltweit (z.B. in Ägypten, Indien, China, Griechenland) und nicht nur in Palästina in jener Epoche Religionen und Philosophien, die von Harmonie, Liebe und Geduld geprägt wurden.

Sündenfall und menschliche Freiheit

Den Sündenfall des Menschen im Paradies wertet Fromm nicht nur als Symbol des Ungehorsams, sondern auch als Akt der Menschwerdung, als „Beginn der menschlichen Geschichte“. Doch der Preis für die menschliche Freiheit war hoch: die Trennung des Naturhaften, dem Tiere verwandten Teils vom transzendierenden, gottähnlichen Teil.

Der menschlichen Freiheit steht die göttliche Autorität gegenüber. Hart und unerbittlich verweist der Schöpfer den Menschen aus dem himmlischen Garten. Als Gott alles Leben auf Erden auslöscht, mit Ausnahme Noahs und der Besatzung der Arche, zeigt er sich ein weiteres Mal als willkürlicher, gnadenloser Herrscher. Erschrocken über den eigenen Jähzorn schließt Gott einen Bund mit dem Menschen. Abraham wagt es als erster, an Gottes Milde zu appellieren und Moses widersetzt sich Gott offen, als er einen Namen für den unaussprechlichen Gott fordert. Gott macht Zugeständnisse.

Die Bibel berichtet davon, dass Gott das Herz des Pharaos, der die Juden nicht ziehen lassen will, verhärtet. Fromm deutet die Worte nicht als aktives Akt Gottes, sondern als Folge des freien menschlichen Willens: „Jede böse Tat zeigt die Tendenz, des Menschen Herz zu verhärten, d.h. es abzutöten. Jede gute Tat tendiert dazu, es zu erweichen, d.h. lebendiger zu machen“.

Gotteserkenntnis

Fromm betont, dass es für den jüdischen Glauben nicht wichtig ist, wer oder was Gott ist, sein Wirken ist entscheidend. Um ein Ebenbild Gottes und damit Gott ebenbürtig zu sein, muss der Mensch Gott weder erkennen noch benamen, sondern danach streben, Gottes Handlungen nachzuahmen. So nähert sich der Philosoph Maimonides Gott durch den Ausschluss des Negativen. Weil der Gott der Juden und Christen ein lebendiger Gott ist und kein Ding, stellen Bibel und Talmud das Gebot auf, Gott zu loben und verbieten die Götzenanbetung.

Ethik, Religion und X-Erfahrung

Fromm unterscheidet zwischen autoritärer und humanistischer Ethik. Das autoritäre Gewissen macht sich die Vorschriften der Eltern, des Staates oder der Religion zu Eigen und gehorcht blind. Das humanistische Gewissen hingegen ist Ausdruck der „totalen Persönlichkeit“ eines Menschen, der Freude hat und Verantwortung für sich und alles Leben auf diesem Planeten übernimmt. So betrachtet erscheint das Judentum in mancherlei Hinsicht einer Ethik näher als einer Religion.

„Ist die religiöse Erfahrung notwendigerweise an eine theistische Auffassung gebunden? Ich glaube nicht.“ Fromm verweist auf die fernöstlichen Philosophien und spricht von einer X-Erfahrung, die durch folgende Charakteristik gekennzeichnet ist: „Das erste charakteristische Element ist, dass man das Leben als ein Problem erfährt, als eine ‚Frage’, die einer Antwort bedarf“. Als zweites nennt Fromm die „umrissene Hierarchie der Werte“ und denkt dabei z.B. an Liebe und Mitgefühl. Auch darf der Mensch nie Mittel werden, sondern nur Zweck sein (wie bereits Kant anmerkte). Ferner muss man loslassen können, offen sein und „leer werden“, um neue Ideen aufnehmen zu können. Eng verknüpft ist das Merkmal, welches Fromm mit dem Wort „Transzendenz“ umschreibt. Gemeint ist das überwinden von Narzissmus und Egoismus, das Ausbrechen aus dem „Gefängnis seiner Selbstsucht“.

Propheten und messianisches Zeitalter

Der Grundgedanke der menschlichen Freiheit widerspricht der Vorstellung einer schicksalhaften Vorbestimmung. Fromm sieht demzufolge die Mission der Propheten nicht in der Übermittlung eines göttlichen Befehles, sondern im Aufzeigen von offenbarten Alternativen. Indem die Propheten auf die Folgen aufmerksam machen und wenn es sein muss auch lautstark protestieren, setzen sie sich für das Allgemeinwohl ein.

Fester Bestandteil des jüdischen Glaubens ist die Erwartung einer messianischen Zeit, in welcher der Mensch seine Unschuld wiedergewinnt und zur Harmonie mit der Natur zurückkehrt; eine verhängnisvolle Hoffnung, die den Nährboden für falsche Propheten bereitet.

Sünde und Reue

Die menschliche Willensfreiheit stellt den Menschen täglich vor die Wahl, guter oder böser, gottgefälliger oder sündiger Handlungen. Die jüdische Tradition kennt nicht die christliche Reue vor Gott, sondern nur vor sich selbst. Eine Umkehr (teschuwa) vom falschen auf den rechten Weg (halacha) wird nicht als Kapitulation verstanden, sondern als Ausdruck der Willensfreiheit.

Sabbath

Fromm hatte bereits in einer frühen Schrift den doppeldeutigen Charakter des Sabbath herausgearbeitet. Ein Vergleich mit der Doppelnatur des jüdischen Nationalfeiertages Jom Kippur drängt sich auf. Die Ursprünge deuten auf einen babylonischen Ruhetag hin, der den Menschen zum Verzicht auf die Arbeit und zur Buße zwang. Der Trauer- und Bußtag wandelte sich in einen Freudentag, der mit Essen und Trinken gefeiert wird. Für Fromm drücken die Ruhe und der Friede des Sabbaths „Harmonie und Ganzheit“ mit den Mitmenschen und der Natur aus.

Fazit: Die Bibel stellt für Fromm den Entwicklungsprozess vom autoritären Gott und gehorsamen Menschen zum freien, unabhängigen Individuum dar. Religiöse Erfahrung bedarf nicht unbedingt theologischer Lehre, sondern einer humanistischen Ausrichtung. Die Menschen sollte nicht die Frage ängstigen, ob Gott tot ist. Vielmehr sollten sie sich um die Existenz des Menschen sorgen.
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am 13. August 2010
Wer glaubt, die Bibel tauge nur für Inquisitoren und Frömmler, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Ich finde, es ist eines der besten Bücher von Fromm. Eines, das mir gezeigt hat, dass es durchaus lohnenswert ist, sich mit der Bibel auseinander zu setzen. Glauben Sie, dass der in der Bibel beschriebene Gott im Grunde einfältig und zynisch sei? Dann MÜSSEN Sie die Ausführungen von Fromm lesen!
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am 22. Februar 2014
Eine Theologie des Alten Testaments von einem jüdischen Psychoanalytiker, das ist eine spannende Ergänzung zu dem, was man in der theologischen Ausbildung gelernt hat.
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am 25. April 2014
Eine laizistische (??) und streckenweise vielleicht anstößige Interpretation einzelner Bibelstellen, die - ob sie nun zutreffen oder nicht - auf jeden Fall zu neuen Perspektiven und Einsichten verhilft.
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