auch wenn dieses Buch eigentlich eher die Geschichte von Lotty, Max und Carl ist.
VI erhält von Isaiah Sommers den Auftrag herauszufinden, warum die Ajax-Versicherung (bereits bekannt aus früheren VI-Fällen) die Lebensversicherung für seinen verstorbenen Onkel Aaron Sommers nicht ausbezahlt. Ajax ist mittlerweile von der Edelweiß-Versicherung aus der Schweiz übernommen worden.
Während der Ermittlungen laufen Proteste gegen Versicherer, die Verträge mit Holocaust-Opfern tätigten und nunmehr ihre Archive öffnen sollen. Gleichzeitig protestiert eine Gruppe Afro-Amerikaner, dass ein einzuführendes Gesetz nicht nur für Holocaust-Opfer, sondern auch für Opfer der Sklaverei gelten soll.
Die vom lokalen TV gefilmten Proteste bringen einen Mann auf die Bildschirme der Chicagoer, der behauptet Jude zu sein und dieses erst unter Hypnose bei seiner Therapeutin Rhea Wiell wiederentdeckt zu haben.Er sei als Kind in Treblinka gewesen und den Häschern nur durch Zufall entkommen.Es handelt sich dabei um Paul Radbuka. Radbuka ist instabil und meint in Max oder Lotty oder Carl überlebende Verwandte entdeckt zu haben und will sich partout nicht vom Gegenteil überzeugen lassen.
Lotty, die bisher ihre Vergangenheit nahezu unter Verschluß gehalten hat, reagiert -gelinde ausgedrückt- seltsam. Max ist wegen der Aufdringlichkeit Radbukas in Sorge und Carl ist zynisch.
Die Zusammenhänge zwischen Aaron Sommers, einem Afro-Amerikaner, und jüdischen Protesten bzw. Holocaust-Opfern scheinen zunächst nicht klar. VI stellt die Zusammenhänge jedoch mit viel Geschick her. Nebenbei wird Maxs, Carls und Lottys Lebensgeschichte aufgerollt und die Schrecken der Nazizeit nochmals verdeutlicht.
VI ist in diesem nicht ihr gewöhnlich geistreich, spritziges Selbst. Sie scheint "erwachsener" und ausgeglichener geworden zu sein. Spritzigkeit würde allerdings auch nicht in das Rahmengeschehen dieses Buches passen. Sie ist allerdings immer noch geradeheraus, nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt sich von niemandem etwas sagen.
Die Mitteleuropäer kommen in diesem Buch in der Tat nicht besonders gut weg, aber man kann Geschichte eben nicht veleugnen und ich denke, die Autorin hat mit den gleichzeitig laufenden Protesten der Afro-Amerikaner auch den ehemaligen Sklavenhaltern eine Art Denkzettel verpasst, wenn man so will.
Auch wenn Paul Radbuka vermutlich Sympathien wecken sollte, fand ich ihn einfach nur enervierend. Nichtsdestotrotz hätte ich mir gewünscht, mehr über seinen wirklichen Hintergrund zu erfahren. Gleiches gilt für Rhea Wiell (ist sie nun ein "Scharlatan" oder nicht?).
Trotz seines bedrückenden Inhalts, der sich nicht wirklich gut in einer kurzen Rezension wiedergeben lässt (dazu ist er einfach zu verschachtelt), hat mich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Auch deshalb, weil es die Sicht der Amerikaner zu potentiellen Reparationen für Holocaust-Opfer wiedergibt. Ich habe mich nicht eine Minute gelangweilt.
Warum dann nur 4 Sterne? Weil mir VIs üblicher Witz gefehlt hat. Ansonsten ist es ein hervorragendes Buch, wenn auch kein Thriller.