Am Anfang hat mich als angehenden Psychologen dieses Buch nur amüsiert, da es in einem locker-flockigen, gut lesbaren aber geradezu anbiedernden Ton geschrieben ist. Danach kam ich aber nicht umhin festzustellen, dass Teile dieses Buches mit Sicherheit KEINE gute Vorbereitung auf eine MPU sind, was mit auch Gespräche mit erfahrenen Verkehrspsychologen bewiesen. Warum ich zu dieser Meinung gekommen bin, will ich im Folgenden darlegen. Der größte Skandal des Buches findet sich bereits am Anfang: die Durchfallquoten, die der Autor anführt. Wer seine Angaben mit den offiziellen der Bundesanstalt für Straßenwesen vergleicht, wird schwerlich Gemeinsamkeiten finden. Bei Alkoholmissbrauch soll die Durchfallquote glatte 91,4 % betragen. Der Autor redet dabei vermutlich von zu Untersuchenden, da tatsächlich Alkoholmissbräuchler sind und daher den Führerschein auch nicht zurück bekommen sollten! Die offiziellen Zahlen liegen jedenfalls für eine Vergleichsgruppe bei 50 %. Wo der Autor seine „Statistik" her hat, bleibt völlig im Unklaren. So kann man schon frühzeitig etwas erzeugen, das gar nicht nützlich für die MPU ist: Hass auf die „fiesen" Psychologen. Amüsant auch die Beispiele zum Intelligenztest IST-70. Abgesehen davon, dass dieser Test veraltet und außerdem für diesen Zweck ungeeignet ist, sind die Beispiele eher dazu angetan, Amüsement hervorzurufen. Auch die Erklärung dazu macht teilweise keinen Sinn. Schmunzeln musste ich auch über die Übersetzung und die Kritik des MMPI („Minnesota Multiphasisches (?? - was ist das?) Persönlichkeits-Inventar).
Was einem als angehenden Psychologen aber nur die Lachtränen ins Gesicht treibt, ist folgender Satz: „Der Psychologe vergleicht (im Gespräch) das Gesagte mit dem Gemeinten - ergibt sich da auch nur die kleinste Differenz, ist es vorbei." Wohl dem Psychologen, der dazu in der Lage ist. Ich möchte wetten, der Autor selber jedenfalls auch nicht! (Das nicht als Beleidigung, sondern als Wahrscheinlichkeitsaussage.) Eine solche Angst zu schüren und zu verunsichern ist für einen MPU-Kandidaten mit reinem Gewissen völlig kontraproduktiv.
Ein wahrer Satz wurde aber auch von mir gefunden, der neben dem netten Ausdrucksstil und der Lesbarkeit das einzige an diesem Buch ist, das einen Punkt wert ist: „Der Kandidat fährt gut damit, möglichst authentisch aufzutreten." MPU-Kandidaten sollten diesen Satz mitnehmen und sich lieber ein anderes Buch kaufen, als einem Autor auf den Leim zu gehen, der sich nur sein Geld verdienen will. Dass er dazu noch ein Stück psychologische Heimlichtuerei betreibt (da selber „Mann vom Fach"), wie undurchschaubar doch der MPU-Gutachter sei, rundet nur den negativen Gesamteindruck des Inhalts ab.
Daumen nach unten!