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Ein Freibier für "Herrn Lehmann"
Henry fährt Taxi und wohnt in einer WG mit dem Musikjournalisten Walter und dem Computerfrickler Gonzo. Der Mittelpunkt ihres Lebens ist eine behagliche Gardinenkneipe im Erdgeschoß ihres Neuköllner Hauses. Hier tri8t sich allabendlich eine Handvoll skurriler Typen, die bei alten Hits und Faßbier vom Leben träumen. Ein rasend komischer Roman über die Liebe, das Erwachsenwerden und die Freundschaft.
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Ein fantastischer Roman, der nicht nur erquickend und äußerst humorvoll geschrieben ist, sondern zugleich das chaotische Leben einer Berliner Wohn- und Trinkgemeinschaft widerspiegelt, dessen Sinn des Lebens noch immer als offene Frage im Raum steht.
Andrea wird zum Problem. Henry hat nichts gegen Frauen in seinem Bett, jedenfalls dann nicht, wenn sie oft wechseln und bald wieder verschwinden. Alles andere macht ihm Angst. Und Andrea ganz besonders. Denn die sieht er - das lässt sich nicht vermeiden - jeden Abend. Sein sorgfältig ungeregeltes Leben, das er zwischen „Wohnzimmer", Taxifahren und One-night-stands aufgeteilt hat, gerät in Unordnung. Was sagt man in solchem Fall, wie verhält man sich? Im ungeschriebenen Verhaltenscodex des Coolseins findet sich dafür kein Eintrag.
Dann wird sein bester Freund Harry ins Krankenhaus eingeliefert. Es sieht nicht gut aus. Und Henrys Strategie, im Zweifelsfall Nichts zu tun, bricht zusammen. Plötzlich muss er handeln.
Romane über Männer, die nicht erwachsen werden wollen und diesen Wunsch mit viel Alkohol zu verwirklichen suchen, gibt es viele. Schon Karl May hat mit dem blau-rotem Methusalem ein Exemplar davon porträtiert. Nick Hornby („High Fidelity") und Sven Regener („Herr Lehmann") haben die aktuelle, „coole" Variante beigesteuert.
Natürlich tritt vieles davon auch in diesem Buch auf: Die Entschlusslosigkeit, der Stolz auf die eigene Unabhängigkeit, die ganz eigene Szene im „Wohnzimmer". Das ist nicht neu, aber dafür sehr witzig erzählt. Doch so ab Seite 60 steuert der Autor in diesem Buch einen eigenen Kurs. Da entfaltet sich Henrys ureigenste Geschichte. Und die hat der Autor wirklich gut dargestellt. Lebendige Personen, eine Schreibe, die zur Geschichte passt und vor allem sein Witz fesseln den Leser und bieten ein Leseerlebnis der ganz eigenen Art. Nach meiner Meinung deutlich besser als „Herr Lehmann". Es gibt eben auch in Deutschland Autoren, die erzählen können.
Fazit: Weit weg von cooler Ich-Bespiegelung oder von literarischer Unverbindlichkeit wird hier gekonnt eine Geschichte erzählt, die Hornby durchaus gleichwertig ist. Unbedingt empfehlenswert.
(C) Hans Peter Roentgen
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