Medien Bulletin 4/02
TV today 11/01
bod aktuell 12/01
Anke Engelke per Postkarte im Dezember 2001
subh Nr.36
Der Autor über sein Buch
Im Fernsehen gibts doch nur authentische, warmherzige, kluge Leute! haben Sie sicher auch noch nicht oft gesagt. Deshalb hat sich der Autor dieses Büchleins erlaubt, die Spezies der Fernsehmenschen genauer unter die satirische Lupe zu nehmen und damit den unbekannten Zuschauer zu rächen. So begegnet Ihnen in diesem Band all das untote Gesocks, das schon seit Jahren in den Bildschirmen umgeht: Arabella Kiesbauer, Thomas Gottschalk, Rudi Carrell, Brigitte Lämmle, Dieter Bohlen, Heiner Lauterbach und viele andere mehr. Aber es werden auch die Idioten hart rangenommen, die in erster Linie nicht unbedingt Schauspieler oder Moderatoren sind, die Medien jedoch fortwährend penetrieren: Jürgen Möllemann, Hera Lind, Michael Schumacher und, ja, weinen Sie nicht: Günter Grass. Und Ulrich Wickert. Ungerecht? Natürlich. Um es mit den Worten eines großen kuban-germanischen Entertainers zu sagen, der in der Sammlung illustrer Debilen fehlt, weil er es geschafft hat, seine eigene Kunstfigur zu überholen: Ein bisschen Spaß muss sein! So isses.
P.S.: Die Auslieferung dauert übrigens nicht, wie Amazon immer so gerne behauptet, 2-6 Wochen, sondern maximal 3-4 Tage nach Bestellung.
Über den Autor
Auszug aus Idioten im Fernsehen Von A wie Arabella bis Z wie Zietlow von Jochen Gerken. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ein Medium beerdigt sich selbst, würde Neil Postman sagen, es bereitet seinen Abgesang vor, und die Hohepriester der Trashkultur sind die Moderatoren des Daily Talks. Soweit der progressiv formulierte, kultur-pessimistisch eingefärbte Teil.
Solange es Fernsehen gibt, wird ein großer Irrtum bestehen bleiben: die Verwechslung von Quote mit Qualität. Wenn die Quote stimmt, erfährt nach Ansicht der Produzenten auch der Inhalt automatisch seine Rechtfertigung. Das ist natürlich totaler Kappes (Rainer Calmund). Die Quote ist das plebiszitäre Element der Fernseh-Demokratie. Und da sind wir beim Problem der Mitbestimmung: Will man wirklich, dass die Menschen, die sich in Talk-Shows als Kandidaten zur Verfügung stellen, über Fernsehinhalte bestimmen? Eigentlich nicht. Aber sie tun es. Die wenigen Male, bei denen Qualität und Quote in einem Fernsehjahr auf wundersame Weise aufeinander treffen, kann man an der Hand abzählen, diese Sendungen bekommen dann auch prompt den Grimme-Preis. Zu recht, natürlich.
Unverständlich wie die Penetranz einiger Formate ist die Präsenz einiger Moderatoren. Was wird hier die Zukunft bringen? Peter Hahne bei Arabella* zum Thema Ich hatte Sex mit einem Teletubbie, Heidi Kabel nackt in Hugo Egon Balders Neuauflage Tutti Mutti, Susan Stahnke und Jürgen Drews im großen TV-Roman Dumm und alt fickt gut das alles werden wir vielleicht nie zu sehen bekommen. Eines ist jedenfalls sicher: Auf die Inhalte kommt es immer weniger an, die Technik wird wichtig. Man trägt den multifunktionalen Flat-TV-Screen am Handgelenk (uncool), als Head-Set (schon besser) oder in die Kleidung eingenäht (letzter Schrei). Fernsehen wird nichts mehr mit dem zu tun haben, was wir heute landläufig darunter verstehen. Wir werden über 100 Programme mit Handys empfangen können, mit Uhren und Kugelschreibern. Fernsehen und Internet werden eins. Wir werden Handwerker-Cyborgs, vor denen wir zwanghaft nackt herumlaufen müssen, mit VISA-Karten füttern. Es wird internetfähige Gartenmöbel geben, Bierdosen mit E-Mail-Zugang. Alles wird interaktiv werden, alles wird mit dem Internet verschmelzen. Auch wir selbst. Schon heute können wir während des Fernsehens surfen und während des Surfens Fernsehen. Sinn macht das nicht, ist aber schmuhvy, wie man dann sagen wird. Irgendwann werden wir während des Fernsehens telefonieren, gleichzeitig ein Bier trinken und die Füße auf den Tisch legen Simultan-Wahn. In Zukunft werden wir Artikel aus dem Werbeblock noch während der Ausstrahlung per Voice-Control (Her mit dem Dreck!) bestellen können. Fernsehen wird hyperlinkfähig: Zu Talkgästen kann man, wenn man ihnen auf die Stirn klickt, Hintergrundinformationen erhalten, gegen Aufpreis Nacktfotos.
Es wird eine große Konkurrenz für das Fernsehen geben: Futurologen glauben, dass wir irgendwann in riesigen Sälen sitzen und uns auf großen Lichtwänden projizierte Filme ansehen werden, erste Prototypen dieser Kinos gibt es bereits in den USA die verrückten Amis eben. Das ist natürlich nicht alles: Nach ersten Versuchen mit Cybersex, die aufgrund der umständlichen Elektro-denanzügen so gar keine Stimmung aufkommen ließen, werden wir in Zukunft holografierte Klone unser selbst auf erotische Netzreise schicken können. Digitale Dildos, binäre Bommeln und virtuelle Vaginas. Stellvertretersex. Was ist mit Drogen? wird der süchtige Leser zu Recht fragen. Das virtuelle Herrengedeck wird nicht lange auf sich warten lassen schon jetzt arbeitet eine geheime Forschergruppe an abrufbaren Rauschzuständen. Per Datenleitung werden sie über einen Elektrodenhelm an die entsprechenden Rezeptoren des Gehirns geleitet: Von Anheitern mit Grapschen bis Vollsuff mit Abreihern, vom !
Roten Libanesen über weiße Wachmacher bis hin zum goldenen Schuss. Billig und lustig wird die Zukunft.
Das Handy wird die wichtigste Rolle als Kommunikationsmittler und Medienplattform spielen, es wird dank Nanotechnologie noch kleiner und kann auf Wunsch in die Handinnenfläche implantiert werden. Allerdings wird die elektromagnetische Strahlung der Handys noch stärker werden, um sich gegen Konkurrenznetze zu behaupten. Angenehmer Nebeneffekt: Die Antenne kann durch die Alufolie einer 5-Minuten-Terrine gesteckt werden, in wenigen Sekunden ist die Suppe heiß gestrahlt. Unangenehm für Vieltelefonierer: Auf Dauer wird das Gehirn zu einem kleinen, fettigen Klumpen frittiert. Egal, Hauptsache Fun.
Die Weltpremieren bleiben uns erhalten, die Titel werden nur etwas schärfer werden. Nach Domina-Day mit fesselnden Szenen und Die Tote mit der Riesen-Vagina, beide bei RTL für das Spätjahr geplant, will SAT.1 mit Blutjunge Ministranten dienen bis zum Tod kontern.
Es wird auch ein Jahrtausend der Comebacks werden: Dagmar Berghoff (Ich war eine Dose) kommt mit einem abendfüllenden Spielfilm zurück (Die Maske II), Jörg Kachelmann, der quirlige Schweizer mit dem Witz eines Schümli-Kaffees, kommt mit einer Samstag-Abend-Wetter-Show auf Neun live (ehemals tm3) zurück an die Bildschirme: Tornado soll das Ding heißen; Horst Tappert (Tränensäcke lügen nicht) spielt in der erfolgreichen Vorabendserie der Mega-Alte mit, Rudi Carrell hat Riesenerfolg mit einem Familiendrama, in welchem er als bösartiger, zotenreißender Großvater brilliert, der seine Enkel unzüchtig berührt, bis er nach einem Schlaganfall einen Leerdamer implantiert bekommt und alles bereut. Große Gefühle auch bei Ingrid Steeger: ProSieben will mit dem angschrumpelten Sex-Häschen das größte Tabu der Fernsehgeschichte knacken Sex im Alter. Arbeitstitel sind Graue Kätzchen, feuchte Mieder, Heiße Grüße aus dem Stützstrumpf und Corega Fucks.
Nach den Pleiten von Big Brother und Diet wird es nur noch Promi-Realitys geben, Desert Forges ist erst der Anfang: Mark Keller, Cherno Jobatey, Ben Becker, Else Buschheuer und Susan Stahnke werden in Big Boatpeople auf einem von Jean Pütz gebauten Floß zusammengepfercht und in der Nordsee ausgesetzt. 26 Kameras werden das Drama im Internet, im Fernsehen und auf Handys was ja dann alles das Gleiche ist übertragen. Mithilfe funkgesteuerter E-Schock-Geber können die Zuschauer ihren Lieblingen kleine Strafen erteilen. Die Überlebenden bekommen eine Komparsen-Rolle im nächsten Til-Schweiger-Film.
Die News-Sendungen werden einen noch stärkeren Entertainment-Charakter bekommen. RTL hat beschlossen, den von Ulrich Meyer gezogenen Klon mit dem Kunstnamen Peter Klöppel einschläfern zu lassen, außerdem soll der Nachrichtenroboter des Nachtjournals, Heiner Bremer, mit einer neuen Software ausgestattet werden (Bremer 2.0). In letzter Zeit hatte die Infrarot-Peilung des öfteren die falsche Kamera an den Zentralrechner gemeldet, außerdem gab es häufiger Probleme mit der Sprachausgabe. High-Tech in allen Ehren, nur funktionieren sollte es dann halt schon. Für heute begnügen wir uns mit einem kleinen, funny Trip durch die Fernsehlandschaft des Jahres 2001 MAZ ab!