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Identitätskonstruktionen: Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne
 
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Identitätskonstruktionen: Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne [Broschiert]

Heiner Keupp , Thomas Ahbe , Wolfgang Gmür , Renate Höfer , Beate Mitzscherlich , Wolfgang Kraus , Florian Sraus
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Auf die klassische Frage der Identitätsforschung will dieses Buch eine zeitgerechte Antwort geben: Wer bin ich in einer sozialen Welt, deren Grundriß sich unter den Bedingungen der Individualisierung, Pluralisierung und Globalisierung dramatisch verändert? Über diese alltägliche Identitätsstudie mit jungen Erwachsenen in West- und Ostdeutschland wird gezeigt, wie sie die Identitätsbausteine, die sich auf Arbeit, Liebe, soziale Beziehungen und kulturelle Verortung beziehen, für sich zu dem Patchwork einer paßförmigen Identitätskonstruktion verknüpfen, das sie handlungsfähig macht.

Über den Autor

Prof. Dr. Heiner Keupp war bis zu seiner Emiritierung Hochschullehrer für Sozial- und Gemeindepsychologie an der LMU München. Bis 1999 war er außerdem Mitglied des Gründungsvorstandes der Gesellschaft für gemeindepsychologische Forschung und Praxis.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dichte Analyse. 13. März 2001
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Das diesem Buch zugrundeliegende zehnjährige Forschungsprojekt gipfelt in der Darstellung sowohl des Diskurszusammenhangs, in dem Identitätskonstruktionen reflektiert werden, als auch der empirischen Forschung zur Identität junger Erwachsener im Deutschland der 90er Jahre. Das ist das eigentlich Neue an diesem Werk. Die Reflexionen des Begriffs "Identität" und die Analysen der Konstruktionsmechanismen sind eine bekannte, wenn auch sehr dichte Zusammenfassung gängiger Thesen und Ansätze. Sehr detailreich werden Kontexte und Widersprüche reflektiert, sehr ausführlich die Forschungen der Nachbardisziplinen der Psychologie (vor allem philosophische und soziologische Analysen) herangezogen. Spannend auch der Hauptteil, der sich mit der Situation der Jugendlichen, ihren Zugang und Umgang mit der "Spätmoderne" durchleuchtet. Dieser Teil richtet sich deutlich an das Publikum der PsychologInnen, während die ersten beiden Teile des Buches stärker interdisziplinär verwertbar sind. Deutlich wird jedoch hier wie dort, daß Identitätsbildung eine bewußte Selbstverortung im Spannungsfeld zwischen individuellem Weltverständnis und struktureller Wahrnehmung ist. Ein insgesamt sehr dichtes und interessantes Buch, das sich nur ein wenig dem Verdacht aussetzt, sehr "modisch" sein zu wollen ("Patchwork", "Spätmoderne", Heranziehung vieler "Heroen" der Kulturwissenschaften).
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
#
"Je est un autre". (Rimbaud)
"Es könnte Klugheit sein, es nicht zu wissen". (Nietzsche)
"Kennen Sie das auch: dass die Phantasie im entscheidenden Augenblick abirrt und eigene unbeherrschbare Wege geht, die verraten, dass man auch noch ein ganz anderer ist als der, für den man sich hielt?" (Mercier, Lea)

Zehn Jahre Forschung, um zu wissen, was die Identität der Zukunft ist. Wird das soziale Ich zum multiplen Ich, wird es neu zusammengesetzt in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Anforderungen und so zu einem Patchwork von Identitäten der besondern Art?

Keupp et al gehen der Frage nach und Klären den Prozess der Dekonstruktion der ursprünglichen Identität. Spätmoderne Beliebigkeit scheint eine Ursache zu sein, doch betrachtet man die Anforderungen der modernen Welt an wechselnde Strukturen vice versa, scheint diese Dekonstruktion eher ein aktiver Akt des Subjekts zur Konstruktion einer neuen und selbstbestimmten Ich-Familie. Das bin ich im Augenblick. Und jenes über verschiedene Lebenssituationen hinweg. Eine von Angst oder wechselnder Lust getriebene Generation, im Gefühl, ständig etwas zu verpassen, reagiert natürlich mit hektischem Erlebniskonsum und passt sich dem Trend zur Mobilität an. Beides sind vorübergehende, niemals Erkenntnis vermehrende Aktionen, die auch laut Ulrich Beck, den Menschen freisetzen aus der sozialen Bindung, ihn von tradierten Sicherheiten entzaubern und letztendlich neue Re-Integrationswünsche erzeugen. Damit ist Individualität keine Alternative der Solidarität im sozialen Gefüge, sondern eher Verweis auf die gegenseitige Ergänzung. So wie Tradition im Sinne sozialer Anerkennung notwendig ist zur erfolgreichen Identitätsbildung, so ist ihre Ausprägung zu finden in den Strukturen von Familie, Nachbarschaft und neuen gelingenden Netzwerken. Die in diesem Gruppen eindeutige Verortung zeigt Tiefe und Dauer, eben als langfristiges Ziel in einer auf Kurzfristigkeit angelegten Gesellschaft. Die Stärke schwacher Bindungen (Sennett) mag den modernen Menschen in einer mobilen Gesellschaft fördern, allerdings nur im Sinne der Gesellschaft, weniger als Individuum. Das entbettet werden aus der alten Welt, das Hineingehen in virtuelle Welten und plurale Lebensformen zeigt sich lt. Keupp in der dramatischen Veränderung der Geschlechterrollen. So wie die Individualisierung in der Risikogesellschaft das Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft verändert, so gebiert genau diese die Notwendigkeit zur erneuten Füllung des selbst produzierten Sinnvakuums (Habermas, Glauben und Wissen*)(* mehr dazu in den separaten Rezensionen von kpoac). Realität wird durch Arbeit als Lebensführung betont, doch da wo Arbeit zur Mangelware wird, wird auch der Sinn für die reale Gemeinschaft eingeschränkt. Die Abkehr zur Gesellschaft nimmt zu, wie auf der anderen Seite die Aufforderung, Herr des eigenen Lebens sein zu müssen. Die Aufforderung nach selbstbewusster Inszenierung hat ohne die Bereitstellung der Ressourcen etwas sehr Zynisches.

Ist die Frage der Identität neu oder ist sie Ewigkeitsfrage der menschlichen Existenz? Wer bin ich? Diese Frage wird schon in den platonischen Dialogen, da wo die Seele im Mittelpunkt steht (Symposion*, Phaidros*, Phaidon), diskutiert und auf ewig geprüft. Die philosophische Frage bringt also nichts Neues, die Gesellschaft in persönlicher wie historischer Betrachtung ist unzertrennbar mit dem Ich verknüpft. Keupp geht es um diesen Punkt. Sein oder werden, seit der Genesis eine Frage, im Laufe der Geschichte dann modifiziert zum So-bleiben oder So-werden (Vorbild, Ideal). Identität wird so zu einem Projekt, zu einem Entwicklungsprozess mit narrativen Zügen (subjektive Wahrheit).

Das sind einige Überlegungen Keupps, der sich als Belesener zeigt, hochkarätige Autoren zu Rate zieht und den Urvätern der Identitätsforschung wie Erikson (Identität und Lebenszyklus) und den neuen Strategen der Zunft ebenso einen richtigen Platz gewährt. Sennett (Der flexible Mensch*), Beck (Risikogesellschaft*, Riskante Freiheiten*), Sloterdijk (Die Verachtung der Massen*), Gross (Multioptionsgesellschaft*), Giddens, Bauman, Castell (Die Macht der Identität), Lasch (Zeitalter des Narzissmus) und viele mehr.

Beachtlich ist, dass Keupp nicht den Faktor des Scheiterns vergisst. Dieser ist ebenso maßgebend im Prozess der Identitätsbildung. Aus philosophischer Sicht zieht er Wilhelm Schmidt (Philosophie als Lebenskunst) zu Rate, Zahlmann (Scheitern und Biographie) sei hier ebenso empfohlen.

Da es sich um Feldforschung handelt, sind viele Befragungen und deren Ergebnisse mit integriert. Diese bringen vor allem die psychologischen Ausführungen sehr nah an die Praxis, was zusätzliches Lob verdient. Offen ist der Punkt der kollektiven Identität. Diese war nicht Gegenstand des Forschungsprojektes. Kollektive Identität mag man finden auf dem Wege zur Findung neuer Feindbilder. Menasse (Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung*), Sloterdijk (Zorn und Zeit*), Beck (Weltrisikogesellschaft*) gehören bereits zu denen, die die Unsicherheiten der Individuen genau auf das Fehlen der Feindbilder zurückführen. Ebenso ausgeschlossen zur sinngebenden Identitätsbildung ist die Rolle der Religion. Hier sei verständnisvoll angemerkt, das die Erinnerung daran erst seit geraumer Zeit zur Wiederbelebung in der Gesellschaft führte.

Keupp schreibt sehr gut und verständlich in all den Nuancen. Seine Ausführungen lesen sich wegen der Zitatenfülle als die Zusammenfassung 150 weiterer Werke. So entsteht eine zeitgerechte Antwort mit weitem Blick auf die Frage aller Fragen: Wer bin ich zu welcher Zeit an welchem Ort? Es könnte Klugheit sein, es zu wissen.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Ein Buch im Härtetest: Ob wohl "Identitätskonstruktionen", von einem Team aus Soziologen, Psychologen und einem Philosophen verfaßt, ohne ein eigenes Kapitel "Religion" mir beim Verfassen einer Magisterarbeit in "Religionswissenschaften" helfen?

Antwort: Es kann! Obgleich wirklich nicht leicht zu lesen, haben die Autoren der Versuchung widerstanden, sich in ihre Theorien zu verlieben und zu verspinnen: sie haben Bodenhaftung behalten und letztlich ein stringentes Konzept hervorgebracht, wie sich Identitätsarbeit und -bildung in der Neuzeit nachvollziehen läßt. Damit aber gewinnt es Anwendbarkeit weit über den eigenen Bereich hinaus - könnte also auch in den Literatur-, Politik- oder auch Religionswissenschaften angewandt werden!

Den fünften Stern versage ich jedoch, weil es auch thematische Engführungen gibt - um das hervorragende "Skelett" der Theorie wurde zu wenig gepackt und Aspekte, die dem Team nicht ins Konzept passten (wie etwa Religion, aber auch z.B. Internet als neues Narrationsforum) scheinen bisweilen geradezu bemüht ausgeklammert - um nicht zu sagen, totgeschwiegen.

Wer dieses Buch kauft, muss sich also auf eine Menge Denkarbeit einstellen! Aber mein Plädoyer: Es lohnt sich unbedingt!

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