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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Identitätsfindung zwischen Anpassung und Eigenwilligkeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Identität und Lebenszyklus: Drei Aufsätze (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Buch enthält drei Aufsätze Erksons: (1) Ich-Entwicklung und geschichtlicher Wandel, (2) Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit und (3) Das Problem der Ich-Identität. Alle drei sind eng mit Eriksons Hauptwerk "Kindheit und Gesellschaft" verbunden und greifen dort dargestellte Themen erneut auf."Ich-Entwicklung und geschichtlicher Wandel" enthält in erster Linie klinische Notizen und Quellmaterial zu "Kindheit und Gesellschaft". Hier wird das Thema der persönlichen Identität in Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld (ethnischer Zugehörigkeit, Kultur und Klassenzugehörigkeit, Zugehörigkeit zu Gruppen) entfaltet. Und hier wird auch der bio-psycho-soziale Zirkel, von dem Erikson so oft spricht, an zahlreichen Beispielen erhellt: Was für den Körper der Schmerz ist, ist für das Ich die Angst und für die Gruppe die Panik. Schmerz, Angst und Panik sind Warnsignale, "sie warnen vor körperlicher Dysfunktion, Schädigung der Ichentwicklung und Verlust der Gruppenidentiät". Für die meisten wird aber wohl der mittlere dieser drei Aufätze am interessantesten sein. Er enthält eine kompakte Darstellung jenes Stufenmodells der psychosozialen Entwicklung, das heutzutage zum Standardlehrstoff in den pädagogischen und psychologischen Ausbildungsprogrammen gehört. Die Grundidee von Erikson ist es, dass es acht biologische Reifungsstufen gibt, die mit psychosozialen und psychosexuellen Entwicklungsaufgaben verbunden sind. Diese Entwicklungsaufgaben treten als Konflikte auf und müssen im Sinne einer "gesunden" Entwicklung bewältigt werden. Es lohnt durchaus den Originaltext Eriksons an Stelle der zahlreichen Sekundärliteratur zu lesen. Erikson warnt hier nämlich ausdrücklich davor, die Stufen als einfache "Reifunsskalen" zu interpretieren. Es gehe eher um Gleichgewichtszustände als um lebenslängliche "Errungenschaften". Dennoch gibt es hier natürlich ein Ideal der psychosozialen Entwicklung, das Erikson mit den Begriffen "Genitalität", "Generativität" und "Integrität" beschreibt. Während der mittlere Aufsatz alle Stufen in vertikaler Darstellung präsentiert, nimmt der dritte Aufsatz nun eine horizontale Perspektive ein und beschäftigt sich mit einer dieser Stufen im Detail, nämlich mit Stufe V, der Adoleszenz mit dem Konflikt "Identität versus Identitätsdiffusion". Hier werden Themen wie Zeitperspektive, Rollenexperimente, Leistungsfähigkeit bzw. Arbeitslähmung, sexuelle Identität oder Idealbildung diskutiert. Auf diese Thematik der "Identitätsdiffusion" geht auch Otto Kernberg in seinen Arbeiten über Borderline Störungen immer wieder ein. Für ihn ist die Identitätsdiffusion, wie sie Erikson beschrieben hat, ein Kardinalsymptom der Borderline-Störung. Doch oft ist es nicht einfach zu entscheiden, was "Störung" und was "Non-Konformismus oder alternativer Lebensstil" ist. Man hat die Ich-Psychologen, zu denen auch Erikson zählt, vielfach dafür gescholten, dass sie das subversive, das kultur- und gesellschaftskritische Potential der Psychoanalyse zugunsten einer Anerkennung im medizinischen Establishment geopfert hätten. Insbesondere die zur Flucht aus Europa gezwungene Analytikergeneration hätte im Exil zu übertriebenen Konformismus und Anpassung geneigt. Tatsächlich ist Eriksons Werk nicht frei von solchen Tendenzen. Der American Way of Life wird in diesen Aufsätzen immer wieder glorifiziert, die Identifikation mit ihm als notwendig für eine gesunde Entwicklung beschrieben, die Übernahme der amerikanischen Ideologie samt ihren religiösen Traditionen befürwortet. Aber ganz scheint die Flucht in den Konformismus (zum Glück) nicht gelungen. Die Non-Konformisten interessieren Erikson sein ganzes Leben lang: Luther, Gandhi und im vorliegenden Buch G.B. Shaw. Das muss nicht überraschen. Dass sich Erikson für Fragen der Identität, ihrer Diffusion und ihrer Integration ein Leben lang interessiert, ist schließlich mit seiner eigenen Biographie aufs engste verwoben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
49 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wird an Fachschulen für Sozialwesen durchgesprochen.,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Identität und Lebenszyklus: Drei Aufsätze (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Dieses Buch nahmen wir an der Fachschule für Sozialwesen durch. Eine sehr gute Übersicht, über die Entwicklungsstadien von Kindern. Sehr gute Einzelbeschreibung der unterschiedlichen Phasen und ihren Besonderheiten, mit Beispielsunterlegung. Zusammenfassende Tabelle für eine bessere Kurzübersicht ist am Ende enthalten. Eine Weiterführung des Werkes von Freud. Unbedingt empfehlenswert für alle, die sich für Pädagogik interessieren!
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42 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
identitaet als prozess des WERDENS,
Von
Rezension bezieht sich auf: Identität und Lebenszyklus: Drei Aufsätze (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
erik erikson wurde in frankfurt geboren, sein biologischer vater war ein ungenannt gebliebener däne, seine mutter, karla abrahamsen, war eine junge jüdische frau, die drei jahre nach eriks geburt einen dr. theodor homberger heiratete. zur nazizeit setzte man sich in die USA ab, wo erik den (frei gewählten) namen erik erikson zur einbürgerung angab. weil man dem jungen erik seine biologische identität verschwieg, hatte er sich zunächst pur als erik homberger gefühlt; die namens-ablehnung und -umänderung in das gut klingende erik "erikson" hing also mit der suche nach seinen "roots" zusammen - identitaets-fragen spielten somit nicht nur in seinem buch IDENTITÄT UND LEBENSZYKLUS sondern auch in eriksons eigenem leben eine große rolle; nicht nur, dass die jüdische identität im nazi-deutschland (begünstigt durch blondhaariges äußeres) verborgen wurde; in seiner studentenzeit war es zunächst sein ziel, künstler zu werden; er schlief, durch europa wandernd, unter brücken; später, beeinflusst durch seinen freund peter blos, tendierte er immer mehr zum psychologischen wissensbereich hinüber, ließ sich zum montessori-lehrer ausbilden, erhielt eine psychoanalyse bei der berühmten freud-tochter anna, begann später ethnologische forschungen bei den dakota-indianern - änderte im ablauf seines lebens also sukzessive seine identität. identitätsverändernd wirkten sicherlich auch die geographischen wechsel; in wien noch lernte er seine spätere ehefrau joan serson kennen, eine kanadische tanz-lehrerin; die nazis meidend, ging man nach kopenhagen (seeking roots!), dann nach boston. er übernahm lehraufträge an den universitäten harvard, dann yale, schließlich berkeley; er entwickelte abscheu vor der mc carthy-ära und ließ seine lehrtätigkeit jahre ruhen; das zitat "identität, das ist der schnittpunkt wird durch diese wechselhaften außenwelten in eriksons biographie mehr als nur bebildert. es lohnt sich anschließend (nach seinem hauptwerk IDENTITÄT UND LEBENS-ZYKLUS) auch seine weiteren publikationen einmal anzusehen: in "kindheit und gesellschaft" analysiert er hitler, gorki - und die lebens-bedingungen des oben erwähnten dakota-indianerstammes oglala dakota (= sioux). für sein werk "gandhis wahrheit", momentan nur englisch erhältlich, bekam er den pulitzer-preis. auch nicht schlecht sein buch: "der junge mann luther" - die frage der identitäts-WERDUNG also ist eriksons ständiges und wahrlich am eigenen leibe erfahrenes thema - unverzichtbar für alle, die sich verstehend mit menschen beschäftigen ... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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