Als veröffentlichte Dissertation aus dem Fachgebiet 'Theologischer Ethik' der Universität Tübingen wendet sich das Buch mit seinem wissenschaftlichen Anspruch und seinem umfangreichen Apparat eher an den fachkompetenten Leser als an die Allgemeinheit.
Da das Internet auf dem besten Wege ist, weltweit ein Kommunikationsraum alltäglicher Selbstverständlichkeit zu werden, bedarf es keiner Rechtfertigung für die Bedeutung der behandelten ethischen Implikationen. Ganz im Gegenteil ist ihre Aufbereitung höchst wünschenswert, weil die Internet-Diskussion vom Goliath technologischer Innovation so dominiert wird, dass kaum Raum bleibt für die damit verbundenen sinn- und wertsetzenden Fragestellungen an den soziokulturellen Wandel der betroffenen Gesellschaft. Diesen Raum will die Studie ethisch ein Stück weit bereichern.
Mit einer Nachzeichnung der medienethischen Debatte, in die Greis auch den angelsächsischen Codexorientierten Ansatz integriert, gelingt es dem Autor nicht nur, deren Facetten in prägnanter Weise darzulegen, sein explizit christ-theologischer Wertansatz schafft es dabei, eine eher selten anzutreffende Orientierungshilfe für jene Leser zu geben, denen das übliche - wissenschaftstypische - Kreisen um den Anspruch der vermeintlich besseren Theorie nicht viel weiter hilft, Phänomene von mittlerweile globaler Tragweite so zu betrachten, dass daraus individuell-normative Handlungsableitungen möglich werden.
Greis steuert im Titel des Buches direkt auf die Schwachstellen der digisphären Kommunikationskultur zu, deren Blößen der Unverbindlichkeit, fehlenden Authentizität und inszenierten Identitäten er als Glaubwürdigkeitsdesiderate schonungslos offen legt, weil die wesentlichen Authentizitätsgaranten der nonverbalen Kommunikation und des kopräsenten Gegenüber fehlen. Insofern dokumentiert sein Buch einen Bruch, den die Internet-Kultur mit den soziokulturellen Traditionen konventioneller Kommunikationsstile und -werte vollzogen hat, dessen gesellschaftliche Auswirkungen im Phänomen eines generellen kommunikativen Vorbehaltes deutlich spürbar sind.
Diesen titelgebenden Absätzen stellt er analytische Betrachtungen voran, in denen neben den kommunikativen - einschließlich sprachtheoretischen - und medialen Aspekten, die auch unter theologischen Fragestellungen ausgedeutet werden, das Internet als ein Integrationsmedium aus Kommunikations-, Handlungs- und virtuellem Raum erscheint, die je für sich diskursiv abgehandelt werden. Eine Reihe bekannter Wirkungs-Hypothesen, deren kontroverse Diskussion seit Anbeginn die Entwicklung des Internet flankiert, werden zur "empirischen Vergewisserung ethischer Reflexion" breit rezipiert.
Der abschließende Ausblick hält für Kirchen, Bildungseinrichtungen, Politik und Wirtschaft einige Empfehlungen bereit; als primären Adressaten hätte man sich hier jedoch explizit das Individuum gewünscht, dessen ethische Entscheidungsraum dadurch eingeengt wird, dass es sich den systemischen und funktionalen Zwängen dieses globalen technischen Kommunikationsraumes mehr oder weniger ausgeliefert sieht.