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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sinnvolle Anschaffung für den Einstieg in das Skizzieren mit Markern, 5. Juli 2009
Skribbeln und das damit verbundene farbige und zügige Skizzieren ist nach wie vor ein effektives und universelles Medium zum Visualisieren von Ideen und gibt mehr Freiraum für Kreativität und Dynamik als die Entwicklung von Produkten am Computer. Die virtuellen Computerbilder wirken oft emotionslos und aufgrund darstellerischer Neutralität oft wie austauschbarer Einheitsbrei. Dies haben mittlerweile auch die Hochschulen für Produktdesign erkannt und neigen ebenfalls dazu, in den Erstsemestern wieder verstärkt den Umgang mit den klassischen Zeicheninstrumenten zu erproben. Dazu zählen unter anderen natürlich Marker und Polychromos.
Auch bei Produktpräsentation sollte die Freihandzeichnung in ihrer Überzeugungskraft auf potentielle Kundschaft nicht unterschätzt werden. Die Zeichnungen wirken nicht statisch, sondern dynamisch. Erste Entwürfe können sogar Vorort bei der Kundschaft angefertigt werden, um die Ideen sofort für den potentiellen Auftrag einzufangen. Dabei ist der Effekt auch teilweise davon unabhängig, ob man zum Bleistift, Kugelschreiber oder Marker greift. Der Einsatz der Stilmittel orientiert sich in erster Linie an der Vielschichtigkeit des Projekts. Dazu gehören neben dem dynamischen Strich, ein breites Repertoire an Formen, Perspektiven, Farbkombinationen, Hintergründen, Texturen sowie Kenntnisse über Materialoberflächen. Beim Layout lassen sich mit Markern anhand verschiedener Renderingstechniken fotorealistische Zeichnungen herstellen. Spannung lässt sich erzeugen durch überzogene Perspektiven, Darstellung mit extremen Fokus, starken Änderungen in der Proportion oder einem gewagten Farbeinsatz. Die Kunst des erfahrenen Zeichners besteht im Weglassen. Wer genau weiß, was eine Form ausmacht, kann reduzieren, wie es z.B. gute Comiczeichner machen. Durch das Weglassen entstehen Freiräume, in denen sich das Design klarer zeigt.
Die Autoren dieses Fachbuchs unterrichten beide Zeichentechniken für den Designbereich an der Fachhochschule Wiesbaden. Nesrin Schlempp - Ülker ist Diplom - Designerin und lehrt dort Layout - Technik, während ihr Co - Autor, Gregor Krisztian, als Professor im Fachbereich Gestaltung doziert.
Die Techniken des Scribbelns sind vordergründig, d.h. schnelles strichartiges Visualisierung von Ideen nach dem Motto "weniger ist mehr." Dabei handelt es sich nicht um einen Kurs bezüglich der Erstellung solcher skizzenhafter Zeichnungen, sondern um eine Beispielsammlung. Die Kunst besteht dabei im Weglassen und in diesem Zusammenhang sind einige sehr interessante Beispiele zu finden. Dabei sind die Zeichnungen derartig einfach, dass sie praktisch jeder, der einige Vorkenntnisse im Zeichnen hat, diese auch ohne Anleitung anfertigen und kolorieren kann. Andererseits wirkt das Übergewicht dieser einfachen Zeichnungen auch oft enttäuschend bzw. langatmig beim Durchblättern. Im Layoutbereich sind allerdings auch einige Beispiele zum professionellen Rendering aufgeführt, die sehr ansprechend sind. Gut fand ich in diesem Zusammenhang die Darstellung der Küchen oder der Automobile, denen man sogar sechs gelungene Seiten widmete.
Die Stärke dieses Buchs liegt allerdings weniger in der Qualität der Abbildungen, sondern vor allem an den zahlreichen technischen Tipps, auch wenn Schritt - für - Schritt - Anleitungen durchgehend fehlen. Die Zeichnungen sind oft mit Hinweisen versehen, die z.B. zur Klärung von Fachbegriffen, Literaturtipps zur Vertiefung der angeschnittenen Themen beinhalten, Farbcodes zum Nachzeichnen der Arbeiten oder Profitipps zum Erzielen besserer Ergebnisse und zum Vermeiden von Fehlern aufzeigen.
Einleitend erfahren Sie auch einiges über die professionelle Ausrüstung zum Zeichnen mit Markern und anderen Medien zum Scribbeln. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise ein Motiv jeweils mit Bleistift, Copic Multiliner SP, Copic Multiliner SP Brush, Copic Sketch, Copic Marker Fine, Copic Marker Broad oder Copic Marker Bride gezeichnet, um Vergleiche ziehen zu können. Ebenso dient ein Motiv für den Vergleich verschiedener Papiersorten. Im Weiteren finden Sie Kapitel zum Darstellen verschiedener Materialien, technischer Objekte, von Inlay Techniken, von Licht, Schatten und Reflexen, von Lebensmitteln, von Automobilen, von Landschaften, Wetter oder Vegetation, von Architektur im Layout, von Figuren, Gesicht, Frisuren oder Augen, von Sport und Bewegung, von Mangas oder Mode im Layout. Außerdem erfahren Sie Grundsätzliches zum Storyboard oder zur Animation. Der Buchrücken besitzt außerdem noch ein Lineal als Pappkante.
Adressaten dieses Buchs sind vor allem Einsteiger in das Fachgebiet. Dazu zählen sowohl Studenten als auch Hobbyzeichner. Meine Kollegen an einer süddeutschen Landesakademie, darunter viele ehemalige hauptberufliche Designer verschiedener Disziplinen, die heute als wissenschaftliche Lehrkräfte tätig sind, fanden das Buch allerdings nicht ganz so überzeugend. Das lag vor allem an den Texturen und dem zu intensiven Fokus auf das schnelle Skizzieren. In den Fachschulen oder der Hochschule wird natürlich mehr verlangt.
Wer sich als Student oder begabter Hobbykünstler in das professionelle Zeichnen mit Markern vertiefen möchte, ist vor allem mit dem Buch "Darstellungstechnik" von Alexander Ott gut bedient. Leider gibt es auch dort nur wenige Schritt - für - Schritt Anleitungen, dafür aber gute Materialtexturbeispiele und einfache zum Nachzeichnen motivierende Abbildungen. Wer die englische Sprache nicht scheut, dem sei auch noch das Buch "Presentation Techniques" von Dick Powell empfohlen. Bei Powell gibt es des öfteren Schritt für Schritt Anleitungen, dafür sind aber die Objekte etwas antiquiert. - Christoph Erlemeier -
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